Acht Jahre Haft Missbrauch: Vergewaltiger gilt als therapierbar

Reue auf der Anklagebank: Knut S. will im Gefängnis eine Therapie machen.
Reue auf der Anklagebank: Knut S. will im Gefängnis eine Therapie machen. © Foto: Patrick Seeger/dpa
Freiburg / Petra Walheim 17.05.2018
Weil er therapierbar und nicht vorbestraft ist, muss Knut S. nicht in Sicherungsverwahrung. Der Armee war seine Neigung bekannt.

Er bekommt eine Chance. Das Landgericht Freiburg hat am Mittwoch den 50-jährigen Knut S. zu acht Jahren Haft verurteilt – ohne anschließende Sicherungsverwahrung. Der Bundeswehrsoldat hatte im Februar und Mai 2017 den neunjährigen Luca (Name geändert) aus Staufen im Markgräflerland zwei Mal vergewaltigt und ihn schwer sexuell missbraucht. Die Taten wurden gefilmt, Knut S. war im Besitz von Kinderpornos, und er hat für Vergewaltigung und Missbrauch bezahlt, was den Tatbestand der Zwangsprostitution erfüllt. Der missbrauchte Junge soll zudem 12.500 Euro Schmerzensgeld erhalten.

Um die Sicherungsverwahrung sei hart gestritten worden, sagte der Vorsitzende Richter Stefan Bürgelin. Doch es habe einiges dagegen gesprochen. Unter anderem die Einschätzung, dass die Rückfall-Wahrscheinlichkeit bei Knut S.  eher gering sei. Staatsanwältin Nikola Novak hatte in ihrem Plädoyer zwölf Jahre Haft plus Sicherungsverwahrung gefordert. Katja Ravat, die Luca in der Nebenklage vertritt, forderte elf Jahre. Verteidiger Holger Meier plädierte für vier Jahre Haft.

Günstige Prognose

Das Gericht begründete die Strafe damit, dass Knut S. Ersttäter und seine soziale Prognose günstig sei. Er sei nicht vorbestraft und könne eine stabile berufliche Entwicklung vorweisen. Außerdem habe er ein „vollumfängliches Geständnis“ abgelegt, Reue gezeigt und sich entschuldigt. Das alles sei positiv in die Strafzumessung eingeflossen, sagte  Bürgelin in der Urteilsbegründung.

Das Geständnis habe in diesem Fall keine besonders große Rolle gespielt, sagte der Richter. Weil die Taten gefilmt worden seien, „und das in exzellenter Qualität“. Die Videos zeigen, was bei den zwei Treffen geschehen ist. Kennengelernt hatten sich Knut S. und Christian L., der Partner der Mutter, im Darknet. Nach mehreren Chats habe Christian L. das Kind für Vergewaltigungen Missbrauch angeboten.

Das erste Treffen fand am 3. Februar 2017 in den Weinbergen bei Staufen statt; dort vergewaltigte und missbrauchte S. den kleinen Luca. Christian L. filmte die Taten und verging sich anschließend ebenfalls an dem Kind. Knut S. bezahlte dafür 100 Euro.

Das zweite Treffen war am 20. Mai 2017 beim Staufener Wasserturm vereinbart. Wieder vergingen sich beide Männer an dem Kind. Bei beiden Taten sei offensichtlich gewesen, dass Luca sich massiv ekelte, sagte der Richter am Mittwoch. Auch für diese Dienste bekamen Christian L. und Luca jeweils 50 Euro.

Knut S. verfolgte die Urteilsverkündung reglos und mit gesenktem Kopf. Der 50-Jährige ist verheiratet, und nach Kenntnis des Gerichts war es das erste Mal, dass er sich an einem Kind vergangen hat. Dass er sich von Kindern sexuell angezogen fühlt, ist dagegen schon länger bekannt. Der Soldat, der in der deutsch-französischen  Brigade in Illkirch-Graffenstaden stationiert ist, wurde wegen des Besitzes kinderpornographischer Schriften und Filmen bereits vom Hauptfeldwebel zum Oberfeldwebel degradiert und versetzt. Außerdem wurde er dafür per Strafbefehl zu einer Geldstrafe von 60 Tagessätzen verurteilt, ist  damit aber nicht vorbestraft.

Knut S. habe bisexuelle Neigungen, das hat der psychiatrische Gutachter bestätigt. Der habe Knut S. eine  „schicksalhafte pädosexuelle Neigung“ attestiert, sagte der Richter. Die könne legal nicht ausgelebt werden. Knut S. habe in seinen sexuellen Praktiken immer wieder nach dem „Plus“ gesucht und habe auch bei Kindern  Befriedigung gefunden. Er habe aber auch Interesse an Frauen, sei durchaus beziehungsfähig. Die Rückfall-Wahrscheinlichkeit schätzte das  Gericht als eher gering ein. „Er muss lernen, mit seiner pädosexuellen Neigung umzugehen“, sagte Stefan Bürgelin. Nicht jeder, der die Neigung habe, lebe sie auch aus. Knut S. habe Therapiebereitschaft signalisiert. Der Richter stellte ihm in dieser Hinsicht eine eher günstige Prognose aus. Es gebe inzwischen verschiedene Therapie-Programme für Pädophile.

„Es gibt kaum eine Chance auf vorzeitige Haftentlassung“, sagte der Richter allerdings abschließend. Obwohl Knut S. Ersttäter und die Prognose günstig sei. „Die acht Jahre werden mit hoher Wahrscheinlichkeit auch verbüßt werden.“

Was bedeutet Höchststrafe?

15 Jahre Freiheitsstrafe lautet nach aktueller Rechtslage die Höchststrafe für „schweren sexuellen Missbrauch von Kindern“. Wenn ein Kind durch die Taten zu Tode kommt, ist auch lebenslange Haft möglich. eb

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