Wolf Leitartikel: Abschuss des Wolfs ist gegen alle Vernunft

Statt über Abschussmöglichkeiten von Wölfen zu sinnieren, sollte die Politik aufklären und beraten, meint Petra Walheim in ihrem Leitartikel.
Statt über Abschussmöglichkeiten von Wölfen zu sinnieren, sollte die Politik aufklären und beraten, meint Petra Walheim in ihrem Leitartikel. © Foto: dpa
Ulm / Petra Walheim 23.08.2017
Der Wolf ist zurück im Land - und mit ihm die Angst. Statt über Abschussmöglichkeiten zu sinnieren, sollte die Politik aufklären und beraten, meint Petra Walheim.

Generationen von Kindern wurden die Märchen der Brüder Grimm „Rotkäppchen“ und „Der Wolf und die sieben Geißlein“ vorgelesen. Darin wird der Wolf als böse, hinterhältig und gierig nach Menschenfleisch dargestellt. Ängste wurden geschürt, die sich womöglich in vielen Köpfen festgesetzt haben. Wie sonst ist zu erklären, dass so viele Menschen Angst vor dem Wolf haben? Solange er im Land nicht vorkam, gab es keinen Grund, sich zu fürchten. Doch jetzt, da immer wieder Wölfe durchs Land streifen, bricht das auf.

Die Angst eines Waffenbesitzers war so groß, dass er einen Wolf, der unbehelligt 600 Kilometer weit aus Niedersachsen an den Bodensee und in den Schwarzwald gewandert war,  abgeschossen und in den Schluchsee geworfen hat. Der Wolf ist eine geschützte Tierart, der Schütze hat sich strafbar gemacht. Wird er gefunden, drohen ihm bis zu fünf Jahre Haft.

Schäfer arbeiten an der Existenzgrenze

Über das Motiv kann man nur spekulieren: War es ein Jäger, der dem Wolf kein Stück „seines“ Wilds gönnte, der Ruhe im Wald und keine aufgeschreckten Tiere haben wollte? Oder ein Schafhalter, der um seine Herde fürchtete? Das wäre noch am ehesten nachvollziehbar. Viele Schäfer arbeiten an der Existenzgrenze und können den Verlust einzelner Tiere wirtschaftlich kaum verkraften. Dabei ist für den Fall schon vorgesorgt, ein Entschädigungsfonds angelegt.

Doch damit allein sei es nicht getan, sagen die Schäfer. Wer ihnen zuhört, erfährt, was alles unternommen werden müsste, um die Herden zu schützen. Dabei werden vor allem die Probleme aufgezählt: Höhere Elektro-Zäune kosten viel Geld, und Herdenschutzhunde seien in dicht besiedeltem Gebiet nicht tragbar, weil sie auf alles losgehen, was die Herde bedrohen könnte, auch auf Wanderer. Also sei die beste Lösung, den Wolf zu töten.

Ins gleiche Horn stößt so mancher Jäger, auch wenn der Landesjagdverband den Tod des Wolfes bedauerte, den illegalen Abschuss verurteilte und eine „konsequente Strafverfolgung“ fordert.

Betroffene müssen informiert werden

Dazu mag das laute Nachdenken von Landwirtschaftsminister Peter Hauk über eine Lizenz zum Töten für den Wolf nicht so recht passen. Denn er gibt damit indirekt demjenigen Recht, der den Wolf beim Schluchsee abgeschossen hat, und unterstützt zudem diejenigen, die schon immer gegen den Wolf sind. Hauks Aufgabe wäre, diejenigen zu unterstützen, die von der Rückkehr des Wolfes Nachteile zu erwarten haben. Die müssen informiert, aufgeklärt, beraten  und wenn nötig auch finanzielle entschädigt werden.

Die Rückkehr des Wolfes ist  nicht mehr aufzuhalten. Davon sind die Experten überzeugt. Es sei nur noch eine Frage der Zeit, bis im Land das erste Rudel aufwachse. Beim  Nachbarn Bayern ist es schon soweit. Soll dann das ganze Rudel abgeknallt werden?  Wäre es nicht besser zu lernen, mit dem Wolf  umzugehen, statt ihn zu bekämpfen? Wolfsexperten sind sich einig, dass für den Menschen keine Gefahr droht. Und für die Tiere wird sich ein vernünftiger und ausreichender Schutz entwickeln lassen. Wenn man das möchte.

Ein Leitartikel von Petra Walheim.

leitartikel@swp.de

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