Stuttgart Aalen und das Land helfen jungen Syrern in der Türkei

Aalens Partnerstadt Antakya in der Türkei baut mit Aalens Unterstützung und des Landes Baden-Württemberg eine Schule für Flüchtlingskinder.
Aalens Partnerstadt Antakya in der Türkei baut mit Aalens Unterstützung und des Landes Baden-Württemberg eine Schule für Flüchtlingskinder. © Foto: Aalen
Stuttgart / BETTINA WIESELMANN 20.02.2016
Helfen Fluchtursachen zu lösen: Die Stadt Aalen hat ein Schulprojekt für Syrer in der Türkei angestoßen, Geld kommt auch vom Land. SPD-Fraktionschef Claus Schmiedel hofft auf Nachahmer.

"Wir sind auch Europa und können für Europa handeln, Aalen ist der Beleg dafür." SPD-Fraktionschef Claus Schmiedel gab sich gestern überzeugt davon, dass man angesichts der Dimension des Flüchtlingsproblems und der dadurch hierzulande ausgelösten "Sorgen" nicht nur abwarten kann, bis die EU einen gemeinsamen Kurs findet. Vielmehr müsse jetzt alles getan werden, damit die vom Bürgerkrieg vertriebenen Syrer zumindest in der Region bleiben.

Zusammen mit Aalens Oberbürgermeister Thilo Rentschler (SPD) stellte Schmiedel deshalb ein Schulprojekt vor, das Schule machen sollte: Im türkischen Antakya, seit 20 Jahren Partnerstadt Aalens entsteht für 1500 syrische Flüchtlingskinder eine Schule. Syrien habe ein gut ausgebautes Schulsystem gehabt, erklärte Schmiedel, doch jetzt seien hunderttausende Kinder in der Türkei vom Schulbesuch abgeschnitten. "Da wächst das nächste Problem schon heran", sagte Rentschler. Allein in der Provinz Hatay, zu der das 400.000 Einwohner zählende Antakya gehört, können von 130.000 schulpflichtigen Kindern nur knapp 50.000 zur Schule gehen.

Als Rentschler im vergangenen Sommer mit einer Delegation in der Partnerstadt war, entstand spontan der Wunsch zu helfen. Bis Weihnachten kamen 150.000 Euro (davon 50.000 aus der Stadtkasse) zusammen. Die Landesregierung sagte mit der einstimmigen Unterstützung des Landtags zu, auf jeden Euro einen draufzulegen. Auch die dortige Provinz- und Stadtregierung sind mit im Boot, so dass jetzt 600.000 Euro zur Verfügung stehen. Damit wird nicht nur ein Gebäude mit 24 Klassen, die im Zweischichtbetrieb gefahren werden, erstellt. Auch die Finanzierung der syrischen Lehrer ist fürs erste gesichert. Rentschler: "Man kann ganz konkret was machen."

Das sieht Schmiedel genauso. Im starken Baden-Württemberg müssten sich genügend kommunale Nachahmer finden, um am Ende in der gesamten Provinz ausreichend Schulbesuch zu ermöglichen. "Wir wollen, dass eine Bewegung entsteht." Am 3. März wird in Freiberg/Neckar für ein ähnliches Projekt im türkischen Ersin geworben.