Heilbronn "Wer schweigt, stimmt zu"

Geschlossenheit kurz vor der Wahl: Bundeskanzlerin Angela Merkel und CDU-Landeschef Thomas Strobl auf dem Parteitag in Heilbronn. Foto: dpa
Geschlossenheit kurz vor der Wahl: Bundeskanzlerin Angela Merkel und CDU-Landeschef Thomas Strobl auf dem Parteitag in Heilbronn. Foto: dpa
BETTINA WIESELMANN 16.09.2013
Wahlparteitag vor der Bundestagswahl: Die Landes-CDU bestätigte in Heilbronn ihren Vorsitzenden Thomas Strobl. Weil der Südwesten für die Partei so wichtig ist, reiste auch die Kanzlerin noch einmal an.

Unumstrittenen war er nicht, Thomas Strobls Coup, den Parteitag mit seiner Wiederwahl als CDU-Landesvorsitzender eine Woche vor der Bundestagswahl zu platzieren - in seinem Wahlkreis Heilbronn und mit der Kanzlerin als Gastrednerin. "Ich wollte eigentlich zu Hause Wahlkampf machen", sagt der Südbadener Willi Stächele und weiß sich nicht allein. Aber dann gefällts ihm doch, wie in der Heilbronner "Harmonie" noch mal Stimmung für das so dringend erhoffte gute CDU-Ergebnis am kommenden Sonntag gemacht wird.

"Wir müssen die Stimmen bringen", hämmert Strobl den gut 330 Delegierten des zweitstärksten CDU-Landesverbands ein. 2009 hatte es im Südwesten nur für 34,4 Prozent gereicht, das schlechteste Bundestagswahlergebnis im Land überhaupt. Mit nur noch 0,6 Prozentpunkten lag es über dem CDU-Bundesschnitt, während es sonst hierzulande ein Plus von gut vier Prozent gab.

Dem 53-jährigen Chef der CDU-Landesgruppe im Bundestag, der unter Günther Oettinger wie Stefan Mappus CDU-Generalsekretär war und der nach der Landtagswahlniederlage vor zwei Jahren ("das hat verdammt weh getan") das Ruder übernahm, gelingt eine unerwartet kämpferische Rede - nach innen wie außen. "Die Partei ist aufgestanden, die CDU ist wieder da", niemand solle ihre Entschlossenheit und Geschlossenheit unterschätzen: "Schuldenfrei", "die Basis im Zentrum", "die Frauen im Fokus" - Strobl, der ohne jedes Selbstlob aufzählt, wofür er zwei Jahre gerackert hat, erhält immer wieder Szenenbeifall. Freilich nur, wenn er besonders mit den Grünen im Land abrechnet ("der grüne Obrigkeitsstaat im grünen Strickpullover") und die rot-rot-grüne Gefahr im Bund beschwört, "diesen Angriff auf das Mittelstandsland Baden-Württemberg, auf unsere Heimat".

Am Ende gibt es stehende Ovationen. Und doch nur 241 Ja-Stimmen - 40 Delegierte sagen Nein oder enthalten sich. Ein halbes Hundert drängt sich lieber im Foyer, um Angela Merkels Ankunft nicht zu verpassen. Eine Aussprache zur Tätigkeit Strobls hatte niemand für nötig befunden. "Wer schweigt, stimmt zu", sagt der Parteisprecher. Strobl findet seine 87 Prozent "prima".

Die Kanzlerin hat kein persönliches Wort für Strobl übrig, so inbrünstig dieser auch "die liebe Angela" begrüßte: "Niemand freut sich schöner über Tore unserer Nationalmannschaft als Du." Mit einem "da seid ihr ja drüber weg", streift Merkel lediglich den nicht selbstverständlichen Umstand, dass zumindest nach außen die Südwest-Partei befriedet scheint: "Ich hab den Eindruck, die Stimmung ist gut."

Aus guter Stimmung Stimmen machen, heißt die Devise: "Die nächsten Tage gelten denen, die nicht jeden Tag mit uns sprechen", fordert Merkel die CDU-Mitglieder zum Wahlkampfeinsatz auf. "Es geht um jede Stimme." Dabei gerät ihr während der 40 Minuten langen Rede das Publikum zum Teil aus dem Visier: "Sie als Rentnerinnen und Rentner. . ." Das christliche Menschenbild wird beschworen, intensiv für Europa geworben, die Argumente der politischen Gegner zerpflückt: CDU-Kanzler hätten Rechtsansprüche auf Kindergarten- und Kita-Plätze durchgesetzt. Und in sieben Jahren rot-grünen Regierens sei "kein einziger Mindestlohn" durchgesetzt worden. Als "Liebeserklärung" will Strobl das Lebkuchenherz für "Angela" verstanden wissen. Sie nimmt es mit.

Landtagspräsident Guido Wolf, dem nicht wenige die Spitzenkandidatur 2016 zutrauen, verlässt Heilbronn als Stimmenkönig unter den Beisitzern. Brigitte Schäuble, die im Kampf gegen Fraktionschef Peter Hauk im Juli von der nordbadischen CDU links liegen gelassen wurde, rückte im Landesvorstand von Platz 16 auf Platz sechs vor.

Die Führungsmannschaft der Landes-CDU
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