Verkehr Kontrollen von Tiertransporten: Wider die Qual

Stopp für Tiertransporter: Kontrolle an der A 5.
Stopp für Tiertransporter: Kontrolle an der A 5. © Foto: Sebastian Gollnow/dpa
Walldorf / Hans Georg Frank 03.05.2018
Polizei und Tierärzte überprüfen Tiertransporte schwerpunktmäßig an den Autobahnen. Die Kontrollen zeigen Wirkung.

Helmut Schäfer (56) lässt die Kontrolle mit einem guten Gewissen über sich ergehen. Er ist mit 126 Ferkeln von Wolpertshausen (Kreis Schwäbisch Hall) unterwegs zu einem Bauernhof bei Koblenz. Nun werden auf dem ­Areal der Straßenmeisterei in Walldorf bei Heidelberg der Lastwagen, die Ladung und die Papiere überprüft. Ungewöhnlich bei der Aktion ist nur die Anwesenheit von Agrarminister Peter Hauk und Innenminister Thomas Strobl. Die CDU-Politiker wollen demonstrieren, wie effizient Polizei und Veterinärämter bei der Überwachung der Tiertransporte zusammenarbeiten. „Verstöße gegen den Tierschutz sind kein Kavaliersdelikt“, sagt Strobl, „wir werden sie konsequent ahnden.“

Helmut Schäfer begrüßt die konzertierte Aktion von Polizei und Veterinärämtern, „weil es halt auch in unserer Branche schwarze Schafe gibt“. Damit meint er: Schummeln bei der Stückzahl und beim Gewicht. Dass dabei Tiere krepieren können, sei doch nicht im Sinn von Transporteur und Händler: „Tote bringen kein Geld.“

Ulrich Eberhardt (65), Amtstierarzt des Rhein-Neckar-Kreises, kennt das Geschäft seit 25 Jahren. Er hat erlebt, wie bei brütender Hitze Rinder von Calais nach Tschechien gekarrt wurden – trotz defekter Tränkeanlage. Dass leidende Tiere mit Spritzen erlöst werden, können wohl alle Tierärzte berichten. Eberhardts Bilanz fällt dennoch positiv aus: „Die Technik wird besser, die Lastwagen sind keine Seelenverkäufer mehr.“ Verbessert habe sich auch die Ausbildung der Fahrer. Seit 1. Januar 2005 muss ein Befähigungsnachweis vorgezeigt werden können. Damit soll garantiert sein, dass sich die Chauffeure im Umgang mit den Tieren zu helfen wissen. Wer das Papier nicht hat, muss mit einer Strafe von 1000 Euro rechnen.

„Spürbare Sanktionen“, sagt Strobl, drohen auch Unternehmen, die sich Vorteile im Wettbewerb ergaunern wollen: „Verstöße gegen den Tierschutz dürfen sich finanziell nicht lohnen.“ Deshalb würden Erlöse „abgeschöpft“. Allein beim Polizeipräsidium Mannheim kommen so jährlich 200.000 Euro zusammen.

Zweimal im Jahr setzen Polizisten und Veterinäre Schwerpunktkontrollen an. Aber auch sonst haben die Polizisten bei ihren Streifenfahrten ein waches Auge auf diese Sparte des Speditionsgewerbes. Beim geringsten Verdacht, und sei es nur eine undichte Klappe, wird das Fahrzeug gestoppt. 2016 verzeichneten die Aufpasser 34.462 kontrollierte Lebendfuhren, die Hälfte davon entfiel auf Rinder.

Agrarminister Hauk möchte die Transporte auf ein notwendiges Minimum begrenzen, sie müssten „so erträglich wie möglich gestaltet“ werden. Dennoch ist es zulässig, dass Rinder bis zu 29 Stunden in Doppeldeckern durchhalten müssen, ehe sie abgeladen werden. „Das ist einfach zu lang“, betont Tierarzt Eberhardt. Seiner Meinung nach wären zwölf Stunden genug, besser noch nur acht Stunden.

Bis zu 29 Stunden unterwegs

In Walldorf, wo sich mit den Autobahnen 5 und 6 zwei Hauptverkehrsachsen des Tiertransits kreuzen, gehe die Beanstandung zurück, „wegen des Kontrolldrucks“, sagt Christoph Schauder vom Dezernat für Ordnung. Aber er weiß auch, dass die Verweildauer von Rindern, Schweinen, Geflügel auf den Lastwagen ohne Zutun der Fahrer zunimmt. Weil es immer weniger Schlachthöfe gebe, dauerte die Beförderung länger. Wegen der vielen Baustellen entstünden mehr Staus, „und damit Probleme für die Tiere“.

Helmut Schäfer hat die ministeriell beobachtete Kontrolle tadellos überstanden. In Gedanken richtet er sich schon auf den nächsten Zwangshalt ein: „Das passiert alle vier Wochen.“

Vorstoß von Minister Hauk

Lebendtransporte von Schlachttieren in Länder außerhalb der EU sollen verboten werden. Den Vorstoß von Minister Peter Hauk unterstützen seine Agrarkollegen der Länder. Zu Zielen in der Türkei sind die Tiere etwa 68 Stunden unterwegs. In Baden-Württemberg gibt es jetzt eine Selbstverpflichtung, die solche Exporte in Drittstaaten ausschließt. hgf