Sicherheit Gewalt im Stadion: „Stadionallianzen“ für mehr Sicherheit

9. April: Vermummte Fans des Karlsruher SC zünden im Auswärtsspiel gegen den VfB Stuttgart Bengalos.
9. April: Vermummte Fans des Karlsruher SC zünden im Auswärtsspiel gegen den VfB Stuttgart Bengalos. © Foto: Langer / Eibner-Pressefoto
Fußball-Gewalt / Axel Habermehl 11.07.2017
Das Innenministerium will gegen die Randale bei den Partien vorgehen. Eine bessere Zusammenarbeit aller Akteure soll helfen.

Durch engere Zusammenarbeit zwischen Polizei, Vereine und Kommunen will Landes-Innenminister Thomas Strobl (CDU) Ausschreitungen am Rande von Fußballspielen begegnen. Das ist das Ergebnis eines „Sicherheits-Gipfels“, der am gestrigen Montag im Innenministerium zusammenkam. „Wir schmieden lokale Stadionallianzen, die auf Vertrauen und Verlässlichkeit gründen und die auch Stress aushalten, wenn es einmal darauf ankommt“, sagte Strobl nach dem Treffen.

Kern dieser „Stadionallianzen“, die an jedem Standort unterschiedlich zusammengesetzt sein könnten, seien „entscheidungsbefugte Verantwortliche aller Sicherheitsakteure“ rund um das jeweilige Spiel. Sie sollen vor, während und nach der sportlichen Begegnung die Lage beurteilen und dann „gemeinsame Entscheidungen treffen und diese auch nach außen gemeinsam tragen“.

Diese Gremien sollen beispielsweise entscheiden, ob aggressiven Fans besser mit zusätzlichen Ordnern, Ansprache von Fanbeauftragten oder einem Polizeieinsatz begegnet werde. In einem ersten Schritt werden solche „Stadionallianzen“ bei den Erstligisten VfB Stuttgart und TSG Hoffenheim eingerichtet.

Strobl kündigte außerdem an, die Polizeitaktik zu verändern. Bei als unproblematisch eingeschätzten Spielen wolle man künftig versuchen, martialische Auftritte großer Polizeiaufgebote zu vermeiden. Diese solle eher „nicht sichtbar bereitgehalten werden“. „Die Aufgabe der Polizei sei aber klar: „So wenig Eingriff wie möglich, aber so viel wie nötig“, sagte Strobl. „Das funktioniert aber nur, wenn wir mit allen Sicherheitspartnern vertrauensvoll und vor allem verbindlich zusammenarbeiten.“

Den Dialog verstärken

Landespolizeipräsident Gerhard Klotter sagte: „Der Dialog zwischen allen Sicherheitsakteuren wird dadurch jetzt wieder intensiviert und wir schaffen damit mehr Vertrauen und Verbindlichkeit bei allen Beteiligten.“ Klotter verwies auf „neueste wissenschaftliche Erkenntnisse“, denen zufolge in der verbesserten Zusammenarbeit der Sicherheitsakteure noch großes Potenzial stecke, um den Ablauf von Fußballspielen sicherer zu machen. Neben den „Stadionallianzen“ sind weitere Maßnahmen geplant. So wollen Innenministerium, Justiz und Sicherheitsbehörden eine Handreichung zum Thema „Meldeauflagen und Bereichsbetretungsverbote“ für Kommunen erstellen. Außerdem regt das Ministerium eine „bessere Willkommenskultur gegenüber den Gästefans“ an. Ein Motto könne sein: „Wir freuen uns, euch hier begrüßen zu dürfen.“

Die SPD kritisierte die Verabredungen als zu lasch. Der innenpolitische Sprecher der Landtagsfraktion Sascha Binder sprach von einem „Kaffeekränzchen ohne handfestes Ergebnis“. Er hatte letzte Woche ebenfalls einen Maßnahmenkatalog gegen Fußballgewalt veröffentlicht. Die 10-Punkte-Liste enthält deutlich härtere Maßnahmen wie Schnellverfahren durch Staatsanwälte in Stadien und Richter im Bereitschaftsdienst, Zertifizierungen für Sicherheitsdienste oder personalisierte Auswärtstickets. Zudem regt er eine Verordnung an, die Veranstalter bei Hochrisikospielen Kosten der Polizeieinsätze aufbürdet.

Petra Häffner, Sprecherin für Sportpolitik der Grünen-Fraktion teilte mit: „Wir müssen uns intensiver mit  den Ursachen der Gewalt beschäftigen.“ Dabei spielten Fanprojekte „eine wichtige Rolle, die es zu stärken gilt“.

Zum „Sicherheitsgipfel“ waren rund 80 Personen zusammengekommen: Vertreter von Vereinen und Verbänden der obersten fünf Ligen, von Fanprojekten, Polizei und Justiz sowie Kommunen. Zuvor hatte es Anfang Juli eine Fachtagung zum Thema in Sinsheim gegeben, außerdem war ein wissenschaftliches Gutachten eingeholt worden.

Ausgelöst hatten die erneute Debatte über Fußballgewalt Randalierer, die dem Klub Karlsruher SC anhängen. Rund um das Spiel der Karlsruher beim VfB Stuttgart Anfang April hatten die Hooligans erhebliche Verwüstungen angerichtet, besonders in Zügen. Außerdem zündeten sie in und um das Stadion Feuerwerk und bewarfen andere Menschen mit Böllern und anderen Dingen.

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Sprengstoffdelikte und Landfriedensbruch

Spektakel Fußballspiele gehören zu den am besten besuchten Veranstaltungen des Landes. Allein in Baden-Württemberg kamen in der abgelaufenen Saison 2 643.969 Zuschauer zu Partien der ersten drei Ligen.

Straftaten Die Zahl registrierter Straftaten stieg in der Saison 2016/2017 auf 679 Fälle – 16 Prozent mehr als in der Vorsaison. Besonders Körperverletzungen, Sprengstoffdelikte und Landfriedensbrüche nahmen zu.

Verletzte Immer wieder werden bei Ausschreitungen Menschen verletzt. In den obersten drei Ligen gab es vergangene Saison 145 Verletzte, darunter 34 Polizisten und 32 Ordner. In der Vorsaison waren es 89 Verletzte. hab

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