Unwetter Tornados im Südwesten richten viel Schaden an

Andreas Friedrich, Tornado-Beauftragter des Deutschen Wetterdienstes.
Andreas Friedrich, Tornado-Beauftragter des Deutschen Wetterdienstes. © Foto: DWD
Pforzheim / Hans Georg Frank 04.07.2018

Im Südwesten gibt es jedes Jahr zwischen drei und zehn Tornados. Das weiß Andreas Friedrich, Diplom-Meteorologe und Tornado-Beauftragter des Deutschen Wetterdienstes (DWD) in Offenbach. Das letzte Phänomen dieser Art hat er am 20. September 2017 in Langenargen registriert. Dabei seien kaum Schäden entstanden, weil das Zentrum über dem Bodensee lag. „Aber Schiffe wären in Gefahr gewesen.“

Für einen Tornado müssten „sehr viele Randbedingungen“ zusammenkommen, „die jedoch selten erfüllt sind“, sagt der Fachmann. Zu den Voraussetzungen gehörten hoch aufgetürmte Gewitterwolken (Cumulonimbus), deren Untergrenze nicht höher als einen Kilometer über dem Boden liege. Darunter müsse sich der Wind in Stärke und Richtung signifikant verändern, Experten sprechen von „Windscherung“. Dadurch entstehe eine rotierende Wirkung. Wenn dann die Luft noch sehr feucht sei und aufsteigt, bilde sich der typische „Tornadorüssel“, der um eine senkrechte Achse rotiere. Dieser „Rüssel“ sauge alles nach oben, wodurch die Schäden entstünden.

Was am 10. Juli 1968 im Raum Pforzheim geschah, war kein Einzelfall, aber in der Intensität so stark wie nie zuvor. Schon am 13. August 1952 gab es dort einen ungleich schwächeren Tornado. In Crailsheim richtete ein Tornado derselben Dimension am 6. Mai 1968 Schäden an. Bad Liebenwerda (Brandenburg) wurde am 24. Mai 1979 von einem Tornado der Pforzheim-Klasse heimgesucht; dabei flogen selbst Mähdrescher 300 Meter weit durch die Luft.

Der japanische Sturmforscher  Tetsuya Theodore  Fujita hat eine Schadensskala erarbeitet zur Einteilung der Tornados. Pforzheim und Bad Liebenwerda gehörten zu F 4 mit einer Windgeschwindigkeit zwischen 333 und 418 Stundenkilometern.

Andreas Friedrich geht nicht davon aus, dass sich mit der Klimaveränderung die Zahl der Tornados erhöhen wird. „Aber“, gibt er zu bedenken, „sie werden wahrscheinlich stärker, weil wärmere Atmosphäre mehr Energie speichern kann.“ Dann wäre Deutschland nicht mehr sicher vor einem noch nie dagewesenen F 5 – mit Windgeschwindigkeiten bis Tempo 512.

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