Rockerkrieg Rockerprozess: Landgericht verhängt Haftstrafen

Zoff zwischen türkischen und kurdischen Straßengangs: Das Stuttgarter Landgericht hat Haftstrafen verhängt.
Zoff zwischen türkischen und kurdischen Straßengangs: Das Stuttgarter Landgericht hat Haftstrafen verhängt. © Foto: Archiv
Stuttgart/Ludwigsburg / Bernd Winckler 19.07.2017

Ein langwieriger Rockerprozess ist am Stuttgarter Landgericht nach gut fünf Monaten zu Ende gegangen. Vier der angeklagten Mitglieder der Gruppe „Stuttgarter Kurden“ (vormals „Red-Legions“) sind wegen gefährlicher Körperverletzung beziehungsweise Beihilfe zu Strafen zwischen zwei und vier Jahren verurteilt worden. Ein Angeklagter wurde freigesprochen.

Mit dem Urteil endete am Dienstag das Verfahren infolge der blutigen Attacke vom 20. April 2016 in Ludwigsburg aber nur vorläufig. Zwei Jugendstrafkammern werden im Herbst gegen jene Beteiligte noch verhandeln, die zur Tatzeit unter 21 waren.

Angeklagte wollten einen Freund rächen

Bei der Attacke waren zwei Mitglieder der verfeindeten türkisch-nationalistisch geprägten Gruppe „Osmanen Germania BC“ durch Schläge mit Baseballschläger und Holzlatten sowie durch Stiche schwer verletzt worden.

Die Richter waren nun der Ansicht, dass zwei der Angeklagten im Alter von 24 und 34 Jahren mit dem Angriff einen Freund rächen wollten, der bei einer Prügelei in Stuttgart-Stammheim verletzt worden war. Laut Richter gingen sie ohne Rücksicht auf Verluste vor. Der Vorsitzende Richter appellierte an die Landesregierung, dringend polizeiliche Kapazitäten zu schaffen, um der Gefahr rechtsfreier Räume zu begegnen.

Die Rache-Attacke fand in unmittelbarer Nähe des Klinikums statt. Beide Opfer erlitten schwere Kopfverletzungen und Messerstiche in Arm, Rücken und Oberschenkel. Erst, nachdem die Polizei zum zweiten Mal angerückt war, verschwanden die Angreifer, die bereits eine Stunde zuvor von den Beamten vor dem Klinikum kontrolliert worden waren.

Rache-Attacke vor dem Klinikum

Wer von den fünf Angeklagten für die Messerstiche verantwortlich ist, konnte  das Gericht letztlich nicht klären. Der hauptbeschuldigte 34-Jährige habe mit seinem Baseballschläger auf die Köpfe der Opfer eingeschlagen und auch noch zugetreten, als einer der Verletzten am Boden lag. Fünf Jahre Haft hatte der Ankläger bei ihm gefordert. Das Gericht schickte ihn vier Jahre wegen gefährlicher Körperverletzung hinter Gitter. Ebenfalls für vier Jahre muss ein 24-Jähriger ins Gefängnis, weil auch er zuschlug und zugetreten hatte. Ein 22-Jähriger kam wegen Beihilfe zur ­Körperverletztung mit dreidreiviertel Jahren Haft davon. Die 28-jährige Freundin des in Stammheim verletzten Opfers wurde ebenfalls wegen ­Beihilfe zur Körperverletzung zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt. Ein 32-Jähriger wurde freigesprochen.