Stuttgart "Niemand schafft das Gymnasium ab"

Stuttgart / BETTINA WIESELMANN 04.12.2012
Was lernen Baden-Württembergs Schüler wann in welcher Schulart? Noch im Dezember beginnen die Bildungsplan-Reformer mit ihrer Arbeit.

"Niemand hat daran gedacht, das Gymnasium abzuschaffen, und wir werden es auch nicht abschaffen", beruhigte Kultusministerin Gabriele Warminski-Leitheußer gestern noch einmal die Gemüter. "Selbstverständlich" werde es in dem letztlich auf ein "Zwei-Säulen-Modell" hinauslaufenden Schulsystem einen eigenständigen Bildungsplan für das Gymnasium geben.

Die Standards, die erstmals 2016 beim Abitur gelten sollen, würden so gesetzt, dass nicht nur "von Beginn an durchgehend bis zum Abitur gymnasiale Anforderungen zugrunde gelegt" würden. Auch "das höhere baden-württembergische Leistungsniveau beim Abitur" solle erhalten bleiben. Im Bildungsplan für die neue Gemeinschaftsschule steckten auch die Bildungspläne für die G-9-Variante, die Realschulen und die Werkrealschulen.

Start für die bis 2015 dauernde Überarbeitung und Synchronisation der 2004 zuletzt geänderten Bildungspläne ist der 19. Dezember. Eine erste Arbeitsfassung soll bis Juli 2013 vorliegen, so dass zum Schuljahr 2013/14 an wenigen ausgewählten Schulen aller Schularten mit der Erprobung begonnen werden kann. Ab 2015/16 soll der flächendeckende Einsatz der neuen Bildungspläne beginnen.

Zentrales Ziel der Reform sei es, das individuelle und kooperative Lernen an allen Schularten zu stärken. Inhalte und Kompetenzen, die allen Schularten gemeinsam sind, sollen zugunsten größerer Durchlässigkeit künftig möglichst in derselben Jahrgangsstufe gelernt und erworben werden.

Neben den Experten im Kultusministerium und dem zuständigen Landesinstitut für Schulentwicklung sollen Beratungsgremien wie der Landeselternbeirat, Verbände, Kirchen, Wissenschaft, Regierungsfraktionen in die Erarbeitung der Bildungspläne einbezogen werden. Zudem hat die Öffentlichkeit die Möglichkeit, an dem Prozess via Internet mitzuwirken.

CDU und FDP schrieben es der Opposition auf die Fahne, dass die Regierung von einem Einheits-Bildungsplan Abstand genommen habe. Entwarnung könne aber noch nicht gegeben werden. Es drohe die Nivellierung der Schulprofile. Wer sein Kind auf das Gymnasium oder die Realschule schicken wolle, solle die Hände von der Gemeinschaftsschule lassen.