Interview Interview mit Grünen-Politiker Peter Seifert

Peter Seifert.
Peter Seifert. © Foto: Pascal Tonnenmacher
Balingen / Fabian Schäfer 10.01.2018
Der Balinger Grünen-Gemeinderat Peter Seifert wurde mit einem Leserbrief über randalierende Flüchtlinge in seinem Bahnhof bekannt. Wir haben ihn interviewt.

Grünen-Gemeinderat, Kreisrat und Bahnhofs-Inhaber: Peter Seifert (59) aus Balingen-Weilstetten sorgte mit einem Leserbrief in Lokalzeitungen für bundesweites Aufsehen. Der Inhalt: Randalierende Flüchtlinge an seiner Bahnstation – und dass nichts dagegen unternommen werde. Die SÜDWEST PRESSE sprach mit dem Kommunalpolitiker.

Herr Seifert, durch Ihren Leserbrief sind Sie derzeit deutschlandweit in den Medien. Wie sind die Reaktionen ausgefallen?

Peter Seifert: Ich schreibe ja öfter Leserbriefe, und das auch schon seit 20 Jahren. Aber so was habe ich noch nicht erlebt. Das war auch nicht so beabsichtigt. Aber wenn ich mich äußere,  dann äußere ich mich frei, und dann gibt es auch keine Tabus. Es gibt Leute, die mögen das, und andere, die mögen es halt nicht.

Wie sieht die Situation derzeit an Ihrem Bahnhof aus?

Das ist unterschiedlich. Es gibt ruhige Tage und außergewöhnliche. Wie eben der Tag, an dem der Somalier hier remmidemmi gemacht hat. Während des Weihnachtsmarktes war mal eine große Schlägerei. Wir bekommen am helllichten Tag mit, dass hier Drogendeals laufen. Da wird einem schon klar, dass das hier nicht der Normalzustand ist. Es ist nicht so, dass es das Problem nicht gibt. Neu ist nur, dass man es benennt und sagt: Ich habe die Schnauze voll! Die Leute machen Randale, benehmen sich unmöglich, und wir sind diejenigen, die das Ganze mit ihren Steuergeldern bezahlen müssen.  Ich habe das Gefühl, dass man sich da so ein bisschen die heile Welt einredet.

Gehen die Probleme explizit von Flüchtlingen aus oder haben Sie auch mit anderen Gruppen Schwierigkeiten?

Das kann man schlecht sagen. Ich kenne die Leute ja nicht. Aber bei manchen weiß ich mittlerweile einfach: Das sind keine politisch Verfolgten, keine wirklich Schutzwürdigen, sondern welche, die hier einfach nur kriminell sind. So was muss man auch thematisieren und die Politik fragen: Geht das nicht, solche einfach schneller hier auszuweisen?

Was entgegnen Sie den im Internet aufkommenden Vorwürfen der Ausländerfeindlichkeit?

Diese Situation muss man hinterfragen können, und das hat nichts mit Ausländerfeindlichkeit zu tun. Mit Sicherheit nicht. Wir haben Freunde aus Äthiopien, aus Tunesien, aus Algerien. Wir sind ein ganz offenes Haus. Mir kann keiner vorwerfen, dass ich Rassist oder rechtsradikal oder sonst was sei.

Laut Polizei liegt die Kriminalitätsrate in Balingen im Durchschnitt, eher darunter. Wie sehen Sie das?

Ich kann schwer beurteilen, ob es an anderen Bahnhöfen besser oder schlechter ist. Ob Balingen ein Brennpunkt ist, mag mal dahin gestellt sein. Aber selbst wenn nicht: Hier finden Sachen statt, die einfach nicht in Ordnung sind. Man hat auch den Eindruck, da werden die Polizisten wirklich verbrannt und zerrieben. Die haben einen riesigen Aufwand, müssen sich immer erwehren. Es wird erfasst, es wird aufgeschrieben und was passiert? Nix passiert.   Mir tun die Polizisten manchmal so leid.

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