Wertheim „Milliardenbeute“ in Schule: Einbrecher klauen Inflationsgeld

Handlich, praktisch, wertlos: 20 Milliarden Reichsmark, die die Oberamtssparkasse Gaildorf 1923 herausgegeben hat.
Handlich, praktisch, wertlos: 20 Milliarden Reichsmark, die die Oberamtssparkasse Gaildorf 1923 herausgegeben hat. © Foto: Rundschau-Archiv
Hans Georg Frank 08.01.2018
Bei einem Raubzug mehrere Milliarden einstreichen: Davon träumt wohl jeder Dieb. In Wertheim klappte das – allerdings war es Inflationsgeld von 1923.

Meldungen der Polizei sind Elemente eines unendlichen Sammelwerks wundersamer Ereignisse. Auch Zeitgenossen, die gerne ungläubig den Kopf schütteln, werden fündig. Das Polizeipräsidium Heilbronn lieferte jüngst wieder Nachschub mit einer Straftat, die sich im schönen Städtchen Wertheim zugetragen hat.

Dort, war zu lesen, sei „ein Geldbetrag in Höhe von mehreren Milliarden entwendet“ worden. Gibt es am Zusammenfluss von Tauber und Main etwa ein bislang unbekanntes Depot einer Banknotendruckerei? Weit gefehlt! Bei der Beute handelte es sich um „Inflationsgeld“, wie sich bei genauerem Hinsehen herausstellt. Unbekannte waren in den Keller einer Grundschule eingedrungen, scheiterten aber an der stabilen Tür zu den Unterrichtsräumen. Weil sie wohl nicht mit leeren Händen abziehen wollten, packten sie das Inflationsgeld und einige Scheine aus Reichsmark-Zeiten ein.

Vielleicht hat der Raubzug ja erzieherischen Effekt. Das Inflationsgeld eignet sich prima für eine kurze Lektion in Geschichte. Das bedruckte Papier stammt aus der Zeit der Hyperinflation um 1923. Damals verteuerte sich der Preis für ein einziges Ei von 800 Reichsmark binnen weniger Monate auf 320 Milliarden. Um einen Liter Milch zu kaufen, mussten die Bündel im Wäschekorb in den Laden geschleppt werden. Die Milliardenbeute ist also im wahrsten Sinne des Wortes mehr Schein als Sein.

Der Sachschaden, den die Einbrecher in Wertheim anrichteten, beträgt 500 Euro. Dafür würde heute ein einziger Schein reichen.