Ulm "Kurze Röcke sind tabu"

Ulm / PETRA WALHEIM 10.12.2012
Wenn Mitarbeiter sich bei der Betriebs-Weihnachtsfeier daneben benehmen, kann das leicht zum Karriereknick werden. Benimm-Expertin Iwone Kleiser gibt Tipps, damit das nicht passiert.

Frau Kleiser, wer entscheidet, was gutes Benehmen ist und was nicht?

IWONE KLEISER: Benimm-Experten orientieren sich an den Regeln des Deutschen Knigge-Rats und an den Vorgaben des "Arbeitskreises Umgangsformen international". Das sind alles Empfehlungen, kein Muss. Jeder entscheidet selbst, wie er sich in Gesellschaft benimmt. Hält sich jemand nicht an die Regeln, muss er jedoch mit Folgen rechnen - vor allem dann, wenn er unangenehm auffällt.

Wie wichtig ist gutes Benehmen in der heutigen Zeit noch?

KLEISER: In vielen Branchen sind gute Manieren auch heute noch ein wichtiger Bestandteil des Berufslebens. Wer sich daneben benimmt, verbaut sich möglicherweise die Karriere. Generell gilt: Wer sich zu benehmen weiß, kann in größerer Gesellschaft sicher und souverän auftreten. Wird doch mal ein Fehler gemacht, wird das eher verziehen.

Beginnen wir mit dem Outfit: Was sollten Mitarbeiter zur Betriebs-Weihnachtsfeier tragen?

KLEISER: Grundsätzlich gilt, man sollte sich authentisch kleiden und nicht verkleiden. Da so eine Weihnachtsfeier ein besinnlicher Anlass ist, sollte die Kleidung nicht zu auffällig sein. Frauen sollten nicht zu viel Haut zeigen. Deshalb sind Spaghetti-Träger, sehr kurze Röcke und offene Schuhe tabu. Frau könnte eine Stoffhose und eine Bluse in dezenten Farben anziehen. Je nach Branche ist eine Jeans möglich, zu der ein elegantes Oberteil getragen wird. Männern empfehle ich ein Hemd mit Pullover, dazu eine Stoffhose. Je nach Branche sollte es ein Anzug mit Krawatte sein.

Wie ist die richtige Begrüßung?

KLEISER: Gut und richtig ist immer eine Begrüßung mit Handschlag. Der sollte nicht zu fest sein. Die Hand sollte nicht geschüttelt, sondern nur kurz gedrückt werden. Bei Betriebsfeiern wird als erstes die ranghöchste Person, also die Chefin oder der Chef begrüßt. In diesem Fall gilt die sonst gängige Regel nicht, zuerst die Frau zu begrüßen. Das ist bei privaten Anlässen die richtige Form. Da gelten die Regeln: Frau vor Mann und Alter vor Frau. Das heißt, im privaten Rahmen wird als erstes die älteste Person begrüßt. Auf den Handschlag verzichten sollte man, wenn man zu spät kommt oder erkältet ist.

Was ist bei Tisch zu beachten?

KLEISER: Zuerst gilt, das Glas mit dem Begrüßungssekt sollte nicht mit an den Tisch genommen werden, weder voll noch leer. Die Serviette, die meist auf dem Teller steht oder liegt, darf man wegnehmen und entweder links neben den Teller auf den Tisch oder gleich auf den Schoß legen. Die Serviette darf bis zum letzten Getränk auf dem Schoß liegen bleiben. Das, was viele tun, die Serviette nach dem Essen in den Teller zu legen, ist falsch. Die Serviette, ob aus Papier oder Stoff, gehört immer links neben den Teller.

Bei festlichen Feiern ist die Anhäufung von Gläsern und Besteck am Platz oft etwas unübersichtlich. Welche Regeln gelten?

KLEISER: Das Besteck liegt immer passend zum Menü, und zwar so, dass der Essende es von außen nach innen benutzen kann. Gibt es eine Suppe, liegt der Löffel rechts außen. Gibt es einen Salat, werden Messer und Gabel entweder mit dem Salatteller gereicht, oder das Besteck liegt auf dem Tisch. Es ist daran zu erkennen, dass Messer und Gabel zum Salat kleiner sind als das Besteck zum Hauptgang. Löffel und Gabel für das Dessert liegen am oberen Rand des Tellers. Wichtig ist, das Besteck nicht vom Tisch aufzunehmen, sondern über den Tisch herunterzuziehen.

Wie erkennt man das richtige Glas?

KLEISER: Auch für die Gläser gilt: Die Reihenfolge verläuft von außen nach innen. Das Glas für das Wasser steht rechts außen. Da sollte es auch wieder hingestellt werden, weil man sonst mit den Nachbarn durcheinander kommt. Wer zum Essen Wein trinkt, behält das dafür richtige Glas. Das andere wird abgeräumt. Gläser mit Stiel sollten auch daran gehalten werden.

Wie geht man mit Brot und Aufstrich, die vor dem Essen gereicht werden, richtig um?

KLEISER: Der Teller für das Amuse Gueule steht auf der linken Seite. Richtig ist, sich von den Aufstrichen so viel auf den kleinen Teller zu nehmen, wie man braucht. Danach wird das Brot in kleine Häppchen gebrochen und der Aufstrich aufgelegt, nicht gestrichen. Von dem Brot wird nicht abgebissen.

Was ist bei der Suppe zu beachten?

KLEISER: Da ist wichtig, dass jeder eine Suppe nimmt, auch wenn er sie nicht isst. Die Suppe ist oft der Auftakt des Essens. Erst wenn alle die Suppe vor sich stehen haben, wird mit dem Essen begonnen. Um zu verhindern, dass alle warten, sollte jeder die Suppe annehmen und sie dann stehen lassen.

Was ist sonst noch zu beachten?

KLEISER: Man sollte sich am Tisch nicht die Nase putzen, sondern dafür den Raum verlassen. Das Handy hat am Tisch nichts verloren. Und nach wie vor gilt: Mit vollem Mund wird nicht gesprochen.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel