Messerattacke “Es ist eine Schande“

Zahlreiche Einsatzkräfte der Polizei trennen in Offenburg AfD-Anhänger und Gegendemonstranten. Beide Demos blieben friedlich.
Zahlreiche Einsatzkräfte der Polizei trennen in Offenburg AfD-Anhänger und Gegendemonstranten. Beide Demos blieben friedlich. © Foto: Petra Walheim
Offenburg / Petra Walheim 20.08.2018

Es ist eine Schande, wie die den Tod des Arztes für ihre politischen Zwecke missbrauchen, um hier ihre rechten Parolen verbreiten zu können.“ Eine Frau sagt das, Teilnehmerin der Demonstration gegen die Mahnwache, zu der die AfD am Samstag vor dem Rathaus in Offenburg aufgerufen hatte. Das Bündnis „Aufstehen gegen Rassismus“ wollte ein Zeichen setzen für „Echtes Mitgefühl statt rechter Hetze“. Hintergrund ist eine tödliche Messerattacke auf einen Arzt in Offenburg, die ein Somalier begangen haben soll.

Sie wollten mit den Angehörigen und Hinterbliebenen um den toten Arzt trauern, hieß es aus den Reihen der AfD. „Ich verstehe nicht, wie man gegen eine Gedenkfeier demonstrieren kann“, sagte Reimond Hoffmann von den „Jungen Alternativen“ in Richtung der Rassismus-Gegner.

Beide Gruppierungen standen sich am Samstag mit jeweils etwa 300 Teilnehmern auf dem Rathausplatz gegenüber. Die Polizei sicherte mit zahlreichen Kräften die etwa 15 Meter Abstand. Viele Passanten verfolgten das Geschehen. Sie zählten sich zu keiner der Gruppierungen, reagierten mit Kopfschütteln, manche mit Entsetzen über das, was die AfD von sich gab.

„Schweigen aus Respekt“

Auf AfD-Seite meldeten sich mehrere Redner zu Wort und sprachen sich unter anderem für die Schließung der deutschen Grenzen und das Abschieben aller Flüchtlinge ohne Bleiberecht aus. Dafür wurden sie mit viel Beifall aus ihren Reihen belohnt. Der AfD-Landtagsabgeordnete Stefan Räpple kündigte ein Schreckensszenario an, wenn noch mehr Afrikaner ins Land gelassen würden. Gleichzeitig behauptete er, in der AfD gebe es keine fremdenfeindliche Gesinnung. Diese Aussage löste im Gegenlager heftige Proteste aus. Obwohl dort die Parole ausgegeben worden war, die Aktivitäten der AfD schweigend zu verfolgen,  rührte sich der verbale Widerstand.

Trotz hitziger Stimmung und wiederholt heftiger Provokationen seitens der AfD hin zu den Gegendemonstranten blieben die Rassismus-Gegner aber friedlich. „Wir schweigen aus Respekt vor dem toten Arzt, seinen Angehörigen und den Hinterbliebenen“, sagte Yannik Hinzmann, Sprecher des Bündnisses.

Dessen Anhänger waren in einem Schweigemarsch vom Bahnhof durch die Stadt auf den Rathausplatz gezogen, wo sie auf die AfD-Anhänger stießen. „Wir wollen mit dem Schweigemarsch Position beziehen gegen die rechte Hetze und das Ausschlachten des Todes des Arztes für politische Zwecke“, sagte ein Ehepaar aus Willstätt. „Ich finde es schlimm, wie die AfD den  Tod des Arztes für ihre politischen Zwecke missbraucht“, sagt ein Gegendemonstrant, der sich nach seiner Aussage im Netz aktiv am Widerstand gegen rechtes Gedankengut beteiligt.

Gegen 15.30 Uhr beendete die AfD ihre Mahnwache mit dem Deutschland-Lied. Die Rassismus-Gegner hielten mit dem Protestlied „We shall overcome“ dagegen. Danach ließen sie ihren Emotionen mit dem Lied „Schrei nach Liebe“ von den „Ärzten“ freien Lauf.

Nach Aussage der Polizei hat sich der tatverdächtige Somalier, der kurz nach der Tat am Donnerstagmorgen festgenommen wurde und seitdem in U-Haft sitzt, bisher zum Motiv nicht geäußert.

325 Meldungen über Gewalt in Arztpraxen

Die Landesärztekammer will Mediziner besser vor Gewalt schützen. „Viele sind natürlich besorgt und überlegen jetzt, einen Alarmknopf einzubauen, wie man das von den Banken schon seit langem kennt“, sagte Präsident Ulrich Clever der „Badischen Zeitung“. Nach einer Erhebung der Kassenärztlichen Bundesvereinigung hätten im vergangenen Jahr 325 Ärzte Gewalt in Praxen erlebt. dpa

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