Das Bild, das Aulendorfs Bürgermeister Matthias Burth von der Situation seiner Stadt zeichnet, ist anschaulich. 2008 habe die Kommune auf der Intensivstation gelegen. Damals war Aulendorf hoch verschuldet und musste Finanzhilfe vom Land in Anspruch nehmen – im Gegenzug für harte Sparmaßnahmen. 2012 habe die Stadt immerhin im Nebenzimmer gelegen, sagt der parteilose Burth. Und heute? „Aus dem Krankenhaus werden wir sicherlich noch nicht entlassen, aber wir sind vielleicht in der Reha.“ Die Stadtkasse ist wieder in Aulendorfs Händen und die Gemeinde hat ihr Selbstverwaltungsrecht zurück.

Aulendorf hat in den vergangenen Jahren einen beachtlichen Weg zurückgelegt: Als Burth 2008 zum Bürgermeister gewählt wurde, lag der Schuldenstand der Stadt bei rund 60 Millionen Euro. Entstanden ist die Finanzmisere unter anderem durch Misswirtschaft bei den Kurbetrieben. Vor allem frühere Bürgermeister wurden verantwortlich gemacht. Ohne fremde Hilfe, befand die Gemeindeprüfungsanstalt damals, werde Aulendorf nicht mehr auf die Beine kommen.

Acht Jahre und viele Sparmaßnahmen später hat Aulendorf noch Schulden in Höhe von 17,2 Millionen Euro im städtischen Haushalt, dazu kommen 11,7 Millionen Euro aus Eigenbetrieben. Pro Kopf seien das im Bereich des städtischen Haushalts rund 1600 bis 1700 Euro, sagt Burth.

Dem Statistischen Landesamt zufolge liegt die Pro-Kopf-Verschuldung der Gemeinden im Südwesten bei durchschnittlich 557 Euro, wie Referent Lars Tanzmann sagt. Insgesamt sind die Kommunen mit rund 6 Milliarden Euro verschuldet. Um von dem Schuldenberg herunter zu kommen, hat Aulendorf etwa bei der Steuer nachjustiert. Auch Personal sei abgebaut worden, sagt Burth. Geholfen hätten aber auch kleine Schritte: Winterdienst gab es zum Beispiel nur auf Straßen, wo er unbedingt nötig war, Kopiergeräte im Rathaus wurden gebraucht gekauft und ab Mitternacht gingen die Straßenlaternen aus. Die Maßnahmen hätten geholfen, betont Burth. Aber auch die Vereine mussten den Gürtel enger schnallen, Zuschüsse gab es nicht mehr. Durch die Kürzungen sei ein großes bürgerschaftliches Engagement entstanden. Der Förderverein der Grundschule  sammelte 100­ 000 Euro, um einen Bau zu finanzieren.

Inzwischen steht Aulendorf wieder auf eigenen Beinen – doch damit wachsen auch die Begehrlichkeiten. Es gebe eine „gewisse Erwartungshaltung“ gegenüber dem Rathaus, sagt Burth. „Man kann so ein Engagement auch nicht dauerhaft verlangen, das überfordert die Vereine. Darum verstehe ich auch, dass jetzt natürlich die Anfragen kommen: ,Könnt ihr uns da mal ein bisschen unterstützen?’“ Die Stadt versuche nun, die Belastungen Schritt für Schritt zu minimieren.

Auch Burth hat Wünsche: Der Busbahnhof soll neu und barrierefrei gestaltet, der Bahnhof saniert und einige Straßen aufgewertet werden. Trotzdem warnt er: „Der Konsolidierungsprozess ist bei Weitem nicht abgeschlossen.“ Zumal es Nachwirkungen gibt: Bis 2020 darf Aulendorf keine Kredite aufnehmen und bereits umgesetzte Konsolidierungsmaßnahmen dürfen nicht rückgängig gemacht werden.

Die Übergabe der Stadtkasse in Aulendorfs Hände sei übrigens wenig spektakulär gelaufen. „Das war ganz profan. Es gab keinen Festakt, es gab keinen Brief, keine Mail.“ Die Freude aber werde einem bei der Haushaltsplanung bewusst. Früher hieß es: Moment, wartet, wir brauchen noch die Genehmigung. „Jetzt können wir sagen: Der Haushalt steht, ihr könnt loslegen.“