Bahn "Bergfest" auf der Neubaustrecke Wendlingen-Ulm

Ulm / TOBIAS KNAACK 24.09.2016
Vor vier Jahren fand der erste Spatenstich für die Neubaustrecke statt. Vielerorten sind die Arbeiten weit fortgeschritten. Zeit für eine Bestandsaufnahme.

Knapp viereinhalb Jahre ist es her, dass der erste symbolische Spatenstich für die Neubaustrecke Wendlingen–Ulm (NBS) erfolgte. Genauer gesagt war das am 7. Mai 2012, einem Montag, an dem das Wetter – zumindest wenn man den Bildern von damals Glauben schenken will – wechselhaft war. Nicht anders verhält es sich ja oft auch mit der Entwicklung von großen Infrastruktur-Projekten. Einem positiven Gutachten hier folgt eine negative Bewertung dort.

Das ist auch auf der Neubau­strecke nicht anders, über die nach der geplanten Fertigstellung im Jahr 2021 Züge mit bis zu 250 Stundenkilometer rauschen sollen. Auch hier, auf dieser knapp 60 Kilometer langen Trasse, gibt es Fortschritt und Rückschläge gleichermaßen – die Amplitude der Erregung fällt dabei aber meist weit weniger drastisch aus als beim Schwesterprojekt Stuttgart 21 (S 21) in der Landeshauptstadt. Einerseits konnte die Bahn Anfang des Jahres verkünden, dass alle Rohbauarbeiten für die NBS vergeben seien. Andererseits musste sie im Frühjahr eingestehen, dass aufgrund eines erhöhten Eidechsenaufkommens im Bereich des Albvorlandtunnels „2016 keine Baufreiheit in allen Bereichen hergestellt werden“ kann.

Dennoch kommt die NBS – zumindest hinsichtlich der sie begleitenden Proteste – geräuschärmer voran als S 21: Selbst deren Gegner – viele von ihnen stehen auch der Neubaustrecke mit Skepsis gegenüber – haben im Juli einen neuen Alternativvorschlag für den Bahnhofsbau in Stuttgart vorgestellt, der einen Anschluss an die NBS vorsieht.

2021 sollen hier Züge rollen, vom Plan her betrachtet ist also Halbzeit, „Bergfest“ sozusagen. Zeit, um auf dieser Seite den aktuellen Stand zu skizzieren – und in abgewandelter Form mit Bundeskanzlerin Angela Merkel zu fragen: Schaffen die das?

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Stuttgart 21 Am Freitag findet die Grundsteinlegung des Bahnhofsprojektes Stuttgart 21 statt. Neben Bahn-Chef Rüdiger Grube werden unter anderem Landeswirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut, Stuttgarts Erster Bürgermeister Michael Föll (beide CDU) sowie Bahnhofsarchitekt Christoph Ingenhoven sprechen. Ministerpräsident Winfried Kretschmann, Verkehrsminister Winfried Hermann und auch Stuttgarts OB FRitz Kuhn (alle Grüne) werden nicht teilnehmen.

Trasse Die Strecke Wendlingen–Ulm ist 59,6 Kilometer lang, 30,4 Kilometer davon sind Tunnelstrecke. Auf der Trasse gibt es fünf Tunnel, die länger als 500 Meter sind, zudem 17 Eisenbahnüberführungen und 20 Straßenbrücken. Die Kosten sind mit 3,26 Milliarden Euro kalkuliert, das Land schießt 950 Millionen Euro zu. Laut Bahn liegt man mit Vergabe der Hauptbaumaßnahmen derzeit deutlich unter zwei Milliarden Euro.

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