Kreis Ravensburg „Bäderkönig“ Josef Wund mit Flugzeug abgestürzt

Waldburg / Von Petra Walheim 16.12.2017
Zwei Piloten und ihr Passagier sterben bei einem Flugzeugabsturz bei Ravensburg. Der Passagier war „Bäder-König“ Josef Wund. Die Absturz-Ursache ist unklar.

Josef Wund hatte noch Großes vor: Er wollte sein Badeparadies in Sinsheim (Rhein-Neckar-Kreis) für 500 Millionen Euro erweitern und es zur „Nummer eins in der Welt“ machen. Doch das Schicksal hat ihm einen Strich durch die Rechnung gemacht. Der „Bäderkönig“, wie Wund gerne genannt wurde, ist am Donnerstagabend in einem Waldstück bei Waldburg, in der Nähe von Ravensburg, mit einem Flugzeug abgestürzt und dabei ums Leben gekommen.

Wund war am Montag 79 Jahre alt geworden. Mit ihm starben zwei 45- und 49-jährige öster­reichische Piloten, die  mit an Bord waren. Warum der Business-Jet, eine Cessna 510, abgestürzt ist, ist unklar. Die Ermittlungen der Sachverständigen der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU)  laufen auf Hochtouren.

Crash kurz vor der Landung

Das Flugzeug mit Josef Wund an Bord hob nach Angaben der Polizei am Donnerstag um 17.45 Uhr vom Flugplatz Frankfurt-Egelsbach ab. Das Ziel war der Flughafen in Friedrichshafen. Aber kurz bevor die zwei Piloten landen konnten, stürzte der Jet gegen 18.15 Uhr in das Waldstück bei Waldburg und zerschellte.

Die Absturzursache sei völlig unklar, sagt Oberstaatsanwalt Wolfgang Angster von der Staatsanwaltschaft Ravensburg. Nach dem bisherigen Stand der Ermittlungen werde es dauern, bis die Ursache fest steht. „Das lässt sich nicht zeitnah klären.“ Ob das schlechte Wetter eine Rolle gespielt hat, darüber könne nur spekuliert werden.

Die Bergung der Toten aus dem schwer zugänglichen Waldgebiet und die erste Untersuchung des Wracks gestalteten sich am späten Donnerstagabend schwierig. Dichtes Schneetreiben und Wind erschwerten die Arbeiten. In der Nacht mussten die Untersuchungen unterbrochen werden. Gestern Morgen machten sich die Sachverständigen der BFU erneut an die Arbeit. Die Wrackteile des Flugzeugs sollen heute aus dem Wald transportiert werden.

Der Tod der Insassen hat Trauer und Bestürzung ausgelöst. Auf der Homepage von „Austrian Aviation“ wurde bereits am Donnerstagabend der Tod des Sky-Taxi-Chefs Adi Anderst bekannt gegeben. Er war Geschäftsführer der Sky Taxi Luftfahrt GmbH mit Sitz in Bregenz und hatte die Cessna geflogen. In dem Text wird Adi Anderst als „äußerst engagierter Mann“ bezeichnet. Dort wird vermutet, dass Eisbildung auf den Tragflächen die Ursache des Absturzes gewesen sein könnte.

„Wir haben die traurige Pflicht, der Öffentlichkeit mitzuteilen, dass gestern Abend bei einem tragischen Flugzeugabsturz unser Inhaber, Bauherr und Visionär Josef Wund mit seinem Piloten und Copiloten tödlich verunglückt ist. Fassungslos über diesen großen Verlust gilt unser tiefstes Mitgefühl der Familie unseres Gründers sowie den Angehörigen der weiteren Verstorbenen.“ Diese Zeilen veröffentlichten das Badeparadies Schwarzwald in Titisee-Neustadt wie auch das Badeparadies in Sinsheim. Beide sind Projekte von Josef Wund. Das Badeparadies Schwarzwald wurde am 11. Dezember 2010, an Wunds 72. Geburtstag, eröffnet. Die Badewelt in Sinsheim zwei Jahre später. Neben der Erweiterung von Sinsheim wollte Wund im hessischen Bad Vilbel ein neues Tropenparadies erschaffen.

Doch er baute nicht nur ­Thermen und Bäder. Josef Wund war Architekt und bekam mit 27 Jahren  von der Stadt Friedrichs­hafen seinen ersten großen Auftrag: Er realisierte eine Messehalle, die damals als größte freitragende Gasbeton-Hängedach-Halle der Welt galt. Heute ist das die ZF Arena Friedrichshafen, in der der Volleyball-Bundesligist VfB Friedrichshafen seine Heimspiele austrägt.  Außerdem hat er für die Expo 2000 in Hannover den deutschen Pavillon gebaut.

Vom Maurer zum erfolgreichen Visionär

Josef Wund wurde 1938 in Eriskirch am Bodensee in eine Bauernfamilie hineingeboren. Er lernte zunächst Maurer wie sein Vater,  studierte später Architektur- und Ingenieurwesen in Stuttgart. Mit 28 Jahren eröffnete er sein eigenes Büro. Bei allen seinen Projekten galt die Devise: „Ich will immer das Bestmögliche machen für andere.“ Die Dimension seiner Bauten habe er sich bei den Fürsten abgeschaut: „Nur die größte Burg überlebt.“ hgf/Foto: hgf

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