Künzelsau / NICO ANDEL, DPA  Uhr
2500 Mal hat Alexander Gerst in der Internationalen Raumstation ISS die Erde umrundet. Nun zieht "Astro-Alex" in seine Geburtsstadt ein, feiert mit Fans und plaudert über den Alltag im All.

Es regnet goldene Sterne, als Alexander Gerst bei seiner Willkommens-Party vor mehr als 9000 Besuchern die Bühne betritt. Der Raumfahrer ist zurück aus dem Kosmos und steht in seiner Heimatstadt Künzelsau im Hohenlohekreis sprachlos vor den jubelnden Gästen. Die feiern ihren "Astro-Alex" wie einen Popstar - doch der 39-Jährige lässt deswegen keinerlei Allüren durchblicken. Eine Gymnasiastin erklärt, warum sie ein Fan ist: "Alex hat es weiter geschafft als jeder Andere aus Künzelsau und bleibt doch bodenständig."

Vor rund einem Jahr hebt der sympathische Hohenloher mit dem kahlrasierten Kopf als Bordingenieur in einer russischen Sojus-Rakete zur Internationalen Raumstation ISS ab. Knapp eine halbe Million Fotos von der "Blue Dot"-Mission knipst Gerst in den folgenden 166 Tagen im All und teilt viele davon umgehend mit seiner rasch wachsenden Fangemeinde auf Twitter und Facebook. In Künzelsau, wo er geboren wurde und zur Schule ging, zählen sich ohnehin schon die meisten Menschen dazu.

In der Kreisstadt mit rund 15.000 Einwohnern bricht bei der Rückkehr des "Astro-Alex" am Samstag das Raumfahrt-Fieber aus. Über den Straßen hängen Willkommens-Banner, in Bäckereien und Cafés gehen "Space-Monster" und "Astro-Brez'n" über den Verkaufstresen. Zur großen Party am Abend werden Besucher aus der Region mit Shuttle-Bussen eingefahren. Im Rathaus drängen sich Kommunalpolitiker, Freunde und Verwandte in den Sitzungssaal, in dem der Raumfahrer zum Ehrenbürger gekürt wird. Den ganzen Tag basteln Schüler mit Vertretern der Europäischen Raumfahrt Agentur (ESA) mit Brause betriebene Raketen, zimmern eine Renn-Seifenkiste, die aussieht wie ein Space-Shuttle, oder lassen sich mit einem Gerst-Aufsteller in Lebensgröße ablichten - zumindest bis das Original eintrifft. Ihren Mann im All begrüßt das Jugendorchester mit der Titelmelodie von "Star Wars".

Gerst hat es laut Bürgermeister Stefan Neumann geschafft, Raumfahrt zu leben und andere dafür zu begeistern. Das Leben eines Astronauten hat aber genauso seine Tücken, wie Gerst seinen Fans verrät: Ein Kollege habe erst nach der Ankunft in der Raumstation festgestellt, dass er für den sechsmonatigen Aufenthalt zu enge Unterwäsche eingepackt habe. Schließlich gebe es auch einen Alltag im All: "Da ist schon mal Montagmorgen und eine lange Arbeitswoche steht bevor." Mit der Schwerelosigkeit umzugehen, sei dagegen wie Fahrradfahren.

Aus 400 Kilometern Höhe auf die Erde zu blicken, hat Gerst auch eine neue Perspektive gegeben, wie er erzählt. Sieht man den blauen Planeten mal aus dieser Entfernung, dann falle es richtig schwer, zu verstehen, warum Menschen und Nationen nicht aufeinander zugehen könnten. Beim Thema Umwelt sei es "einfach grotesk", wie Menschen mit ihrer Heimat umgingen.