Stuttgart 500 Hausärzte suchen Nachfolger

Stuttgart / OLIVER SCHMALE, DPA 20.09.2013
Ärzte verzweifelt gesucht! Hausarzt ist längst kein begehrter Beruf mehr. Patienten müssen auf dem Land immer längere Wege in Kauf nehmen.

Der Ärztemangel in Baden-Württemberg spitzt sich zu. Es gebe inzwischen Regionen, in denen es dünn werde, weil Praxen nicht nachbesetzt werden könnten, sagte Johannes Fechner, Vizechef der Kassenärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg (KVBW). Beim Thema Hausärzte nannte er den Hohenlohekreis und den Neckar-Odenwald-Kreis als Beispiel. Er erwarte, dass in den kommenden Jahren rund 500 Hausarztpraxen im Südwesten nicht nachbesetzt werden könnten. Hinzu kämen 400 Praxen, die zusätzlich zur Versorgung der Patienten benötigt werden.

"Die Patienten müssen weitere Strecken fahren, um die Versorgung zu bekommen", sagte Fachner. In Großstädten werde es gleichfalls schwieriger, Praxen nachzubesetzen. Bei den Fachärzten sei die Situation derzeit noch gut. Aber auch hier werde es zu vergleichbaren Problemen kommen.

Oftmals scheuten junge Mediziner aus finanziellen Gründen den Schritt in die Selbstständigkeit. Ein Hausarzt müsse rund 200 000 und ein Facharzt rund 400 000 Euro investieren, sagte Fechner.

Die Bezahlung stehe bei Berufseinsteigern nicht immer an erster Stelle. Fragen nach der Kinderbetreuung oder nach den Job-Chancen des Partners würden zunehmend wichtiger. Auch das Thema Notdienste sei entscheidend. "Den Arzt, der 60 Stunden in der Woche in seiner Praxis steht, werden wir künftig nicht mehr haben." Das Thema Notfalldienst ist den Angaben zufolge nun neu geregelt worden. Die Struktur mit rund 95 Notfallpraxen an Kliniken werde Anfang 2014 stehen.

2012 machten 112 Mediziner den Facharzt für Allgemeinmedizin. Vor allem auf dem Land haben Hausärzte ein Problem, einen Nachfolger zu finden. Deshalb wurde vom Sozialministerium ein Programm aufgelegt. Bisher liegen Anträge und Anfragen aus 28 Landkreisen vor, 25 Anträge mit einer Gesamtförderung von über 500 000 Euro wurden bereits bewilligt. Ministerin Katrin Altpeter (SPD) sagte: "Wir wollen die ambulante medizinische Versorgung der Menschen auch in ländlichen Regionen sicherstellen und unterstützen deshalb Hausärzte bei einem Wechsel auf das Land."

Die CDU-Landtagsfraktion forderte zusätzliche Mittel für das Landärzteprogramm. Außerdem müssten innovative Konzepte stärker gefördert werden.

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