Stuttgart 40 Prozent weniger Ausstoß von Kohlendioxid

RAIMUND WEIBLE 23.05.2012
Fünf Jahre Klima-Initiative im Bistum Rottenburg: Der Verbrauch von Brennstoffen in den Kirchen und Gemeindehäusern wurde um 40 Prozent reduziert.

Der Hauptsammler von Bad Cannstatt fließt am Wohnviertel Seelberg des Katholischen Siedlungswerks vorbei. Im Schnitt beträgt die Temperatur des Abwassers 15 Grad. Die Wärme kann man nutzen, haben sich die Siedlungswerk-Verantwortlichen gedacht. Sie bauten in die Kanalisation einen 76 Meter langen Wärmetauscher ein, der über eine Wärmepumpe dem Abwasser Energie entnimmt. Das reicht, um die 160 Wohnungen des Viertels zu 90 Prozent mit Wärme zu versorgen. Was sonst an Energie benötigt wird, liefert ein Blockheizkraftwerk. Das Siedlungswerk, das zu 75 Prozent dem Bistum Rottenburg-Stuttgart gehört und zu 25 Prozent der Landesbank, will Kosten sparen. Und den Ausstoß des Klimagifts Kohlendioxid verringern. "Bei uns entsteht 40 Prozent weniger Kohlendioxid im Vergleich zu konventionellen Anlagen", sagt Direktor Bruno Möws.

Das Cannstatter Projekt ist Teil einer Initiative der Diözese Rottenburg-Stuttgart. Bischof Gebhard Fürst hat sie 2007 angestoßen. Den Einsatz für den Klimaschutz hält er für eine Christenpflicht. Der Schöpfergott habe den Menschen die Erde treuhänderisch zur Pflege und nicht zur Zerstörung anvertraut, sagt Fürst. Die Diözese legte einen Nachhaltigkeitsfonds mit 11,5 Millionen Euro auf, um energieeffizientes Bauen der Kirchengemeinden zu fördern. Für die Bauten der diözesanen Einrichtungen gab es noch einmal sechs Millionen Euro.

Nach Angaben der Diözese wurden 8,45 Millionen Euro aus dem Fonds abgerufen. Die Summe lösten Investitionen von 124 Millionen Euro aus - ein ökologisches Konjunkturprogramm, das den Mittelstand mit Aufträgen versorge, sagt Fürst. Allein durch den Einsatz der Fördermillionen wurde der Verbrauch von Primär- und Endenergie in den Kirchenimmobilien um 40 bis 45 Prozent abgesenkt. Der Ausstoß von Kohlendioxid verringerte sich um 16 000 Tonnen pro Jahr. Die Effekte der Photovoltaik seien da noch gar nicht einbezogen, sagt Hauptabteilungsleiter Joachim Drumm. Derzeit sind auf den Dächern der Immobilien der Kirchengemeinden und der Diözese, auf Bildungs- und Tagungshäuser 183 Photovoltaikanlagen installiert. "Wir werden nicht auf halbem Wege stehen bleiben", versichert Fürst.