Versorgung Kein Blackout durch Teilabschaltung von AKW

21 Kraftwerke sollen die fehlende Leistung von Block B ersetzen.
21 Kraftwerke sollen die fehlende Leistung von Block B ersetzen. © Foto: dpa
Thomas Steibadler 30.12.2017
Der Netzbetreiber Amprion sieht keinen Strom-Engpass, verlangt aber den Ausbau der Nord-Süd-Leitungen.

Die Lichter gehen nicht aus, wenn am Sonntag die Hälfte des Kernkraftwerks Gundremmingen abgeschaltet wird. Das Fehlen der bis zu 1.344 Megawattstunden Strom, die Block B produziert hat, werde nicht auffallen, sagt Dr. Andreas Preuß, Pressesprecher von Amprion, des für Westbayern zuständigen Übertragungsnetzbetreibers.

Wie groß der so genannte Netzreservebedarf durch das Abschalten der Atomkraftwerke ist, hat die Bundesnetzagentur in Zusammenarbeit mit Amprion und den anderen Betreibern der Höchstspannungsnetze festgelegt. Dazu gibt es eine Liste mit 21 Reservekraftwerken, die den fehlenden Atomstrom ersetzen. Auf dieser Liste stehen unter anderem einige ENBW-Kraftwerke zum Beispiel in Karlsruhe (Gas) und in Marbach am Neckar (Gas und Öl) sowie etliche Kohlekraftwerke. Welche Reservequelle tatsächlich angezapft wird, „wird am Strommarkt auf Basis des Preises entschieden“, erläutert Amprion-Sprecher Preuß. Insgesamt bringt es die Reserve auf 6.600 Megawatt, das entspricht knapp dem zweieinhalbfachen der bisherigen Leistung des Kernkraftwerks Gundremmingen.

Eine Versorgungslücke sei auch nicht zu erwarten, wenn Gundremmingen in vier Jahren komplett stillgelegt wird. „An der Strombörse wird es auch nach dem Wegfall des Kernkraftwerks Gundremmingen ein genügend großes Stromangebot geben“, sagt Preuß. Allerdings müsse dann wohl mehr Strom aus Norddeutschland in den Süden transportiert werden. „Es gilt daher, die Stromnetze schnellstmöglich für diese erhöhte Transportaufgabe zu ertüchtigen, um die Energiewende nicht zu gefährden.“ Bis der Netzausbau gelungen ist, werden dem Amprion-Sprecher zufolge mehr Reservekapazitäten benötigt, um das Stromnetz stabil zu halten.