Mit ihrer Unterschrift haben 2404 Menschen den Bau eines Vollanschlusses bei Hohenstadt zur A8 im Zuge des neuen Albaufstiegs gefordert. Die Liste ist im September fristgerecht als Einwendung zum Planfeststellungsverfahren beim Regierungspräsidium Stuttgart eingereicht worden. Über die Unterschriftenaktion hinaus haben die Verantwortlichen des Laichinger Vereins „Lust auf Internet“ Kontakt zu Politikern und Behörden gesucht. Die Ergebnisse hat der Verein jetzt den Unterzeichnern der Unterschriftenaktion zukommen lassen.

Gerhard Maier, der die Aktion angestoßen hatte, ist ernüchtert. Manche Abgeordnete haben gar nicht geantwortet oder sich für nicht zuständig erklärt, andere immerhin das Anliegen an die Verkehrsministerien in Berlin und Stuttgart weitergeleitet.

„Es scheint so zu sein, dass in Berlin, Stuttgart und sogar Tübingen eine Benachteiligung durch den Entfall des Autobahnanschlusses Hohenstadt entweder hingenommen oder als geringfügig erachtet wird“, sagt Maier. Es gibt aber noch Hoffnung: Nach einem Beschluss im Verkehrsausschuss des Landtags wird „die leistungsstarke Ausgestaltung der neuen Anschlussstelle auf der Albhochfläche“ im Planfeststellungsverfahren geprüft.

Schnelle Verbindung nach Stuttgart ist für die Alb wichtig

Die Entwürfe für den neuen Albaufstieg und Albabstieg sehen zwar eine Auffahrt in Richtung München und eine Ausfahrt aus Richtung München im Bereich Hohenstadt/Widderstall vor, aber nicht, wie bisher, einen Anschluss in Richtung Stuttgart und eine Ausfahrt aus Richtung Stuttgart. Gerade aber die kurze und schnelle Verbindung nach Stuttgart sei für die Laichinger Alb wichtig, meint Maier, der selbst viele Jahre pendelte. Er glaubt nicht daran, dass Autofahrer von der Alb den dann zur Landesstraße abgestuften ehemaligen A8-Albaufstieg als Zubringer zum Autobahnanschluss Mühlhausen nehmen werden. Bei Wegfall des Anschlusses Hohenstadt werde noch mehr Verkehr zur bereits jetzt überlasteten Anschlusstelle Merklingen rollen.

Maier hat sich die Zahlen einer Verkehrsanalyse angeschaut. Diese nennt für die Verbindungsstraße Laichingen-Hohenstadt heute 2400 Fahrzeuge pro Tag, für das Jahr 2030 werden 3000 Fahrzeuge prognostiziert. Ohne Auffahrt in Richtung Stuttgart werden es auf der gleichen Strecke nur noch 1400 sein. „Wo fahren die anderen hin?“, fragte sich Maier. Und fand die Fahrzeuge auf der Strecke von Laichingen zur Anschlussstelle Merklingen. Dort werde das erhöhte Verkehrsaufkommen zum Kollaps führen, meint Maier. Wie berichtet, hat sich der Gemeinderat Merklingen dennoch gegen einen Vollanschluss im Bereich Hohenstadt/Widderstall ausgesprochen, weil er dadurch noch mehr Verkehr im ohnehin schon geplagten Teilort Widderstall befürchtet. Andere Kommunen auf der Alb fordern dagegen den Vollanschluss.

Baden-Württemberg/Bayern

Während Sperrung gezählt

Bei den Beratungen in den jeweiligen Gemeinderatsgremien war bemängelt worden, dass eine Verkehrszählung zu einem Zeitpunkt stattgefunden hatte, als die Ortsdurchfahrt von Hohenstadt gesperrt war, also ganz wenig Verkehr die Autobahnanschlussstelle in Richtung Stuttgart nutzte.

Der Stuttgarter Regierungspräsident Wolfgang Reimer hatte bei einem Besuch auf der Alb im Juli angekündigt, das Verkehrsaufkommen nochmals mit einer gutachterlichen Untersuchung ermitteln zu lassen, unter Berücksichtigung des Bahnhofs Merklingen und des geplanten interkommunalen Gewerbeparks.

Gibt es nun neue Zahlen? Das Regierungspräsidium Stuttgart, das für die Planung des Albaufstiegs zuständig ist, äußert sich dazu nicht. Pressesprecherin Stefanie Paprotka verweist auf den vom Verkehrsausschuss des Landtags beschlossenen Prüfauftrag in Sachen Voll- beziehungsweise Halbanschluss.

Der Ulmer Landtagsabgeordnete und verkehrspolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Martin Rivoir, hatte mit seiner Fraktion im Verkehrsausschuss den Antrag gestellt, die neue Anschlussstelle Hohenstadt als Vollanschluss auszuführen. Das wurde abgelehnt. Angenommen wurde dagegen ein Gegenantrag der Regierungsparteien Grüne und CDU, die Ausgestaltung der Anschlussstelle zu überprüfen. Gerhard Maier hofft, dass dazu nun aktuelle Verkehrsanalysen herangezogen werden.

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Erörterungstermin Ende September


Einwendungen: Im Zuge des nach Jahren wieder aufgenommenen Planfeststellungsverfahrens für den Neubau des Albaufstiegs der A 8 sind laut Regierungspräsidium Stuttgart rund 3000 Einwendungen eingegangen. Der Erörterungstermin werde voraussichtlich Ende September stattfinden, teilt die Behörde auf Anfrage mit. Ein konkreter Termin sei bisher noch nicht festgelegt worden.