Land am Rand Land am Rand: Günther, der Misstönende

EU-Kommissar Günther Oettinger plant noch große Dinge für seine Zukunft, allerdings nicht in Nord-Württemberg.
EU-Kommissar Günther Oettinger plant noch große Dinge für seine Zukunft, allerdings nicht in Nord-Württemberg. © Foto: Herbert Neubauer/APA/dpa
Ulm / Fabian Ziehe 29.08.2018

Den richtigen Ton, man kann nicht behaupten, dass ein Günther Oettinger diesen stets zielsicher trifft. Wenn auch böse Zungen behaupten, dass er mit dem rechten Ton weniger Probleme hätte – intonierte er seinerzeit doch in seiner Tübinger Verbindung textsicher die erste Strophe des Deutschland-Liedes. Aber lassen wir die alte Leier: Der frühere Landesvater war nun top aktuell im O-Ton – nein, nicht zu hören, zu lesen! Und das Gesprochene erweckt durchaus ein erstauntes „Hört, hört!“

Klartext im Interview

Es begab sich so: Dem Online-Magazin „Politico Europe“ gegenüber hatte der CDU-Politiker am Dienstag erklärt, als 64-Jähriger sei noch zu fidel und rüstig fürs Altenteil. Ihn ziehe es in die Privatwirtschaft. Und dann ergänzte er wohl in schönstem Oettinger-Englisch: Wenn er den Kommissions-Job nochmal fünf Jahre mache, könne er danach nur noch „Chef des Harmonikaverbands Nord-Württemberg“ werden – wobei „Politico“ dem regional-musikalisch ungebildeten Leser erklärte, damit sei wohl ein „meaningless honorary post“, ein „unbedeutendes Ehrenamt“ gemeint.

Singen und Klavierspiel

Gut gebrüllt, Günther! Nur hat der Harmonikaverband im Ländle gar keine Nord-Württemberg-Untergliederung. Allenfalls gäbe es Posten in den drei entsprechenden Nord-Bezirken. „Er kann sich gerne bewerben“, sagt Landespräsident Manfred Kappler, „dass er eine Chance hätte, glaub ich eher nicht.“ Zwar kann Oettinger nicht nur, wie gesagt, singen, er spielt auch Klavier, stand sogar schon mit Tony Marshall und Gotthilf Fischer auf der Bühne. Doch in puncto Akkordeon-Spiel würden ihm dann doch „Vorkenntnisse“ fehlen.

Drohende Standpauke

Kappler, ein Mittelbadner, zeigte sich durchaus amüsiert ob Oettinges Bonmot – und empfahl dem Kommissar trotzdem, seine Worte wohler zu wägen. Der Ton macht schließlich die Musik. Sein Chef würde sich in der Sache nochmal melden. Dieser ist im übrigen nicht nur ebenfalls ein Landeskind, sondern auch noch Berufspolitiker: Der FDP-Landtagsabgeordnete Jochen Haußmann ist zugleich bundesweiter Ober-Akkordeonist – und im übrigen zarte 52 Jahre alt. Aktuell weilt er im Urlaub, aber wenn er zurück ist, wird er dem Kollegen Oettinger sicherlich den Marsch blasen, die Meinung geigen, ... ach, Sie wissen schon.

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