Trauer Künzelsau nimmt Abschied von getötetem Jungen

Künzelsau trauert um den Siebenjährigen, der vor einer Woche erwürgt worden ist.
Künzelsau trauert um den Siebenjährigen, der vor einer Woche erwürgt worden ist. © Foto: Sina Schuldt/dpa
Künzelsau / Hans Georg Frank 04.05.2018
Künzelsau nahm Abschied von dem Jungen, der vor einer Woche erwürgt worden ist. Die tatverdächtige 69-Jährige schweigt zu den Vorwürfen.

Pfarrerin Gudrun Ederer kannte den vor einer Woche getöteten Buben gut. Er kam regelmäßig in den Kindergottesdienst. „Ein kleiner Strahlemann“ sei der Siebenjährige gewesen, habe gerne gespielt, sei sportlich gewesen auf Skipiste und Tennisplatz, „ein richtiger Junge halt“.

Bei der Trauerfeier in der übervollen Johanneskirche sagte die Pfarrerin auch, „wir sind ratlos über den Tod“ des Jungen. Nach dem „riesengroßen Schrecken“ fragten sich viele, „warum geht überhaupt jeden Tag wieder die Sonne auf“. Das Verbrechen zeige auch, „welche Abgründe sich in einer menschlichen Seele auftun können“. Seit der Junge unter unvorstellbaren Umständen zu Tode gekommen sei, „liegt die Trauer wie ein schwarzer Schleier über der Stadt“.

Für den Trauergottesdienst galt ein Fotografierverbot. Das Bild des Kindes wurde erst aufgestellt, als das Orgelvorspiel schon begonnen hatte. In die Kirche waren, neben Landrat und Bürgermeister, auch einige Mitschüler gekommen.

„In unermesslich tiefer Trauer nehmen wir Abschied“, schrieb die Familie in ihrer Todesanzeige. Das Kind sei „unser geliebter und so lebensfroher Sohn“ gewesen. Die Georg-Wagner-Schule suchte zur Erinnerung an den getöteten Mitschüler ein Gebet aus: „Gott, wir können es nicht fassen, einer von uns ist nicht mehr da, sein Platz ist leer; nicht für ein paar Tage wie sonst, sondern für immer. Wir wollen ihn nicht vergessen, seinen Namen, sein Gesicht, sein Wesen. Du aber, o Gott, schreib seinen Namen ins Buch des Lebens, damit er bleibt in Ewigkeit. Amen.“

Die Bestattung fand im engsten Familienkreis auf dem Friedhof statt – nur wenige Meter entfernt von jenem Haus, in dem der Junge unter bisher nicht bekannten Umständen zu Tode gekommen ist. Die Öffentlichkeit war von der Beisetzung ausgeschlossen, Security-Kräfte schirmten den Friedhof ab. Damit solle die Familie in Würde trauern und Abschied nehmen können, teilte die Stadtverwaltung mit. „Erwachsene werden in der Erde begraben, Kinder im Herzen“, schrieben Freunde der Eltern über ihre Beileidsanzeige.

Die 69-jährige Frau, die wegen Verdachts des Totschlags verhaftet worden ist, hat sich gegenüber den Ermittlern nicht weiter geäußert. Sie soll den ihr seit fünf Jahren immer wieder anvertrauten Jungen erwürgt haben. Bevor Anklage erhoben wird, soll ein psychiatrisches Gutachten eingeholt werden.

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