Aalen war ganz vorne dabei, eine der ersten Städte mit einer vom Land geförderten Flächenmanagerstelle. Ende 2016 wurde die geschaffen. „Dadurch hat sich unser strategisches Innenentwicklungsmanagement nochmals intensiviert“, sagt Oberbürgermeister  Thilo Rentschler (SPD).

Baulücken, Leerstände  und abbruchreife Gebäude zu nutzen für die Stadtentwicklung, für neues Wohnen, Gewerbe oder auch neues Stadtgrün, das steht in der Ostalbstadt mit 67 000 Einwohner schon viel länger auf der Agenda. Seit 2010 können Interessenten über ein Baulandkataster zum Beispiel Flächen anfragen. Verkehrs- und Industriebrachen in der Stadt werden seit Jahren gezielt entwickelt.

Mit der Stelle der Innenentwicklungsmanagerin, wie sie in Aalen heißt, wurde vor allem die Öffentlichkeitsarbeit intensiviert. Schließlich sollen die Leute wissen, was in der Stadt geplant wird, was passiert – und was an Förderung angeboten wird. Mit Hilfe der Stelle wurde das städtische Programm „Flächen gewINNEN für Aalen“ aufgelegt. Für Grundstücksbesitzer gibt es dabei Zuschüsse etwa für den Abbruch, wenn Wohnraum entsteht, oder für Modernisierungen von Wohnraum, der vor 1975 gebaut wurde.

Schon 98 Förderanträge von Grundstücksbesitzern in Aalen

98 Förderanträge seien seit Anfang 2017 eingegangen. „Es werden täglich mehr“, sagt Ann-Kathrin Schneele, die Aalener Innenentwicklungsmanagerin.

Beispielhaft für die Ostalbstadt: der Bereich nördlich der Innenstadt, wo schon seit den 90er Jahren Teilbereich für Teilbereich weiter entwickelt wird. Statt alter Gewerbeflächen entstand auf dem Rieger-Areal zwischen Altstadt, Kocher und Stadtgarten neuer Wohnraum,  ein Ärztehaus und Einkaufsmöglichkeiten. Der Bahnhofsvorplatz mit dem  Zentralen Omnibusbahnhof (ZOB) wurde umgestaltet und „deutlich attraktiver“, so Schneele.

Jüngstes Beispiel der Innenentwicklung ist das Quartier am Stadtgarten gegenüber dem ZOB.  Vor ein paar Jahren noch „eher mindergenutzte Bahnhofslage als zentraler Stadteingang“, wurde eine urbane Struktur geschaffen mit 76 neuen Wohn- und vier Gewerbeeinheiten. „Ein gelungenes Beispiel für eine Stadt der kurzen Wege“, so Schneele. Begrünte Innenhöfe und Dächer  werten das Quartier zudem ökologisch auf.

Nur ungefähr 15 Autominuten von Aalen entfernt: Giengen an der Brenz. Die Stadt mit ihren knapp 20 000 Einwohnern wird ihren eigenen Flächenmanager erst noch bekommen. Auf ihn wartet reichlich Arbeit: Baulücken, Leerstände, abbruchreife Gebäude soll er aufspüren und das Potenzial prüfen, sagt Wolf-Michael Meyer, Leiter des Baurechts- und Planungsamtes: Eignet sich die Fläche für neuen Wohnraum? „Was planen die Besitzer, wollen sie bauen, wollen sie abreißen, vielleicht an die Stadt verkaufen?“

Baulücken in Giengen für den Wohnbau nutzen

Das Ziel in  Giengen wie in Aalen: Statt immer wieder Grün abzubaggern für neue Baugebiete, sollen brachliegende Flächen  in Städten und Dörfern, im Innenbereich, genutzt werden. „Vor allem geht es um Baulücken in der Kernstadt“, sagt Meyer, aber auch um Flächen wie alte Hofstellen in den Ortschaften. Da könne es durchaus sein, dass der Grund groß genug ist für mehrere größere Wohneinheiten.

Giengen habe auch neue Baugebiete, die seien gefragt bei jungen Familien. „Aber wir müssen beides machen“, sagt Meyer, den Innenbereich weiter entwickeln und Baugebiete anbieten.

Nachverdichtung statt Flächenfraß, „das findet jeder gut, nur nicht vor der eigenen Haustür“, sagt Amtsleiter Mayer. Aufräumen mit solchen Bedenken, auch das soll der Flächenmanager: „Er muss mit den Leuten reden, erklären, dass nicht wild drauflos gebaut wird, sondern immer auch Vorschriften gelten“, sagt Meyer. Vorgaben, um Dichtestress durchs Nachverdichten möglichst zu vermeiden.

Schon bisher hat die Kommune ein Auge auf Baulücken. Aber lückenlos sei das Wissen nicht, da hätte das Bauamt viel zu tun: „Uns geht ja so die Arbeit schon nicht aus“, sagt Amtsleiter Meyer. „Zur Verstärkung können wir den Flächenmanager gut gebrauchen.“

Geld vom Land für die Flächenmanager

Das Land schießt für die Stelle 60 000 Euro für zwei Jahre zu. „Das wird nicht reichen“, sagt Meyer, „aber wir freuen uns, dass wir dabei sind“. Neben Giengen bekommen in der neuesten Förderrunde Tuttlingen, Mulfingen und Radolfzell Geld fürs Flächenmanagement.

„Flächen gewinnen durch Innenentwicklung“ heißt das Programm. Seit 2009 wurden 7,3 Millionen Euro für mehr als 300 Projekte verteilt. Geld für die Flächenmanager  gibt es seit 2016, Baden-Württemberg war da Vorreiter

Mit den Stellen sollen Kommunen ihre Potenziale bei der Innenentwicklung voll ausschöpfen, sagt Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut (CDU). „Im Fokus steht dabei,  Flächen für den Wohnungsbau zu mobilisieren.“

Verwaltung, Eigentümer, Bauinteressen zusammenbringen

Innenentwicklung erfordere bei den Kommunen einen langen Atem und personelle Ressourcen, „die bekanntlich knapp sind“, sagt Hoffmeister-Kraut  Hier setze die Förderung der Flächenmanager an. „Dabei geht es insbesondere um die gezielte Interaktion von Verwaltung, Eigentümern und Bauinteressierten.“ Nur so könnten sachgerechte Lösungen für den steigenden Wohnraumbedarf gefunden werden. „Die Stärke der Flächenmanager liegt  für mich  in ihrer konzeptionellen, beratenden und moderierenden Funktion“, sagt die Ministerin.

Auf das Zusammenspiel kommt es an, sagt auch Gudrun Heute-Bluhm, Vorstandsmitglied des Südwest-Städtetags. Grundstücksbesitzern einfach nur einen Brief zu schicken, damit mit Leerstand oder Baulücken etwas passiert, „das können sie vergessen.“ Nötig sei der direkte Kontakt. Flächenmanager könnten da viel zu erreichen „Nebenher kann diese Arbeit aber nicht laufen.“

Miteinander reden besser als das Drohen mit Enteignen

Beim Bau neuer Wohnungen gebe es „kein Allheilmittel“, sagt Heute-Bluhm. Der Zeitfaktor sei aber wichtig, und da ist der Innenbereich im Vorteil: Wer Baulücken nutzt, muss nicht erst lange einen Bebauungsplan aufstellen mit all seinen Erfordernissen. Nachverdichten  sei zwar oft heftig umstritten, aber auch da könne ein Flächenmanager helfen, der alle an einen Tisch bringt. Das verspreche eher Erfolg als etwa Enteignungen, die im Einzelfall nur schwer durchzusetzen seien.

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Kommunen, ein Gemeindeverwaltungsverband und ein Landkreis haben seit 2016 vom Land Geld bekommen für einen kommunalen Flächenmanager für Wohnzwecke.

In der Förderrunde 2016 kamen Ammerbuch,Ravensburg,Ulm, der Gemeindeverwaltungsverband Donaueschingen und der Kreis Böblingen zum Zug.

Bruchsal,Kehl,Öhringen,Schorndorf

Schwäbisch Gmünd und Weinheim waren in der Förderrunde 2017 ausgewählt worden.

Albstadt, Freiburg im Breisgau und Stutensee 2018

In der aktuellen Förderrunde ausgewählt: Giengen an der Brenz, Mulfingen

Tuttlingen und Radolfzell am Bodensee