Heilbronn / Hans Georg Frank  Uhr

Aus „Ärger über sein Leben“ habe ein 50-jähriger Mann zwei Feuer im Kaufland Neckarsulm gelegt, damit – so das Landgericht Heilbronn – wollte er auch seine „Wut gegen die Gesellschaft, die er für seine selbstverschuldete Lebenssituation verantwortlich gemacht hat“, zum Ausdruck bringen. Wegen versuchten Mordes und Brandstiftung muss der Alkohol- und Drogensüchtige für siebeneinhalb Jahre in Haft. Nach einem Jahr und neun Monaten wird er in einer Entziehungsanstalt untergebracht.

Eingreifen von Zeugen verhindert schlimmeres

Als er zwei Regalreihen mit Kinderkleidung und einen Palettenstapel mit flüssigen Grillanzünder übergossen und in Brand gesteckt habe, habe der Angeklagte mit Tötungsvorsatz und heimtückisch gehandelt, begründete der Vorsitzende Richter Roland Kleinschroth das Urteil. Allein glücklichen Umständen und dem beherzten Eingreifen von Zeugen sei zu verdanken, dass keine Menschen verletzt oder gar getötet worden seien. Für die Schwurgerichtskammer stand gleichwohl fest, dass die 700 Kunden und Mitarbeiter, die sich an jenem Abend im Dezember 2018 in dem Kaufhaus aufgehalten haben, gefährdet waren. Aber diese Gefahr sei dem Täter egal gewesen: „Das Leben von unschuldigen Menschen wurde aufs Spiel gesetzt.“

Hoher Sachschaden

Die Kinderkleider hatte ein zufällig anwesender früherer Feuerwehrmann herausgezogen, um die Flammen auszutreten. Gleichwohl ist ein Schaden von über 17.000 Euro entstanden. Die Paletten im Außenbereich schob ein Mitarbeiter mit einem Gabelstapler weg, ehe das Feuer auf weitere übergreifen konnte. Dennoch wurde auch die Haltestelle der Stadtbahn durch die fünf Meter hohen Flammen erheblich beschädigt, der Verkehr hatte gut zwei Stunden lang eingestellt werden müssen. An diesem Brandort summierte sich der Sachschaden auf über 65.000 Euro.

Der Brandstifter war von seiner eigenen Tante angezeigt worden, nachdem sie den Neffen auf Fotos der Überwachungskamera erkannt hatte. „Damit hat sie genau richtig gehandelt, damit er nicht noch Schlimmeres anstellt“, betonte der Richter. Er empfahl auch die „Abwendung vom falschen Freundeskreis“, sonst sei sein Leben „komplett im Eimer“.

Angeklagter hat langes Vorstrafenregister

Im Prozess habe sich gezeigt, dass der Angeklagte immer wieder andere Leute für sein Verhalten und seine Sucht verantwortlich mache. „Das ist Quatsch“, betonte Kleinschroth. Der 50-Jährige hat 21 Jahre lang in seinem erlernten Beruf als Metzger gearbeitet. Über zehn Jahre lang verbrachte er hinter Gittern, sein Vorstrafenregister weist 26 Verurteilungen auf, vor allem Drogen- und Eigentumsdelikte. Erst fünf Wochen vor der Brandlegung war er aus der Haft entlassen worden, wollte eigentlich „ein neues Leben“ beginnen.

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