Zwei Kampfhunde werden auf einen jungen Radler gehetzt. Die American Staffordshire Terrier reißen ihn vom Fahrrad und richten ihn übel zu. Jetzt müssen sich drei junge Männer dafür vor dem Landgericht Heidelberg verantworten (Az.: 3 KLs 351 Js 1439/19 jug.). Der Prozess wirft Fragen zur Haltung von Kampfhunden auf.

Welche Hunde gelten als Kampfhunde?

In der Polizeiverordnung über das Halten gefährlicher Hunde in Baden-Württemberg sind American Staffordshire Terrier, Bullterrier und Pit Bull Terrier als Kampfhunde genannt. Diese gelten grundsätzlich als besonders gefährlich und aggressiv. Die Halter solcher Hunde können dies durch eine Prüfung widerlegen, die vor einem im öffentlichen Dienst beschäftigten Tierarzt und einem Polizeihundeführer abzulegen ist. Dabei werden der Grundgehorsam und das Verhalten des Hundes in verschiedenen Situationen geprüft. Daneben werden die Voraussetzungen für die Haltung des Hundes begutachtet.

Gibt es noch weitere mögliche Kampfhunde?

Ja, weitere neun Rassen können im Einzelfall als Kampfhund eingestuft werden. Wenn sich etwa ein Bullmastiff, ein Dogo Argentino oder ein Mastin Espanol aggressiv gegen Menschen und Tieren verhält und sich das nach einer entsprechenden Prüfung des Wesens der Tieres und der Eingung des Halters bestätigt, stellt die Polizei vor Ort die Kampfhundeeigenschaft amtlich fest.

Was ist mit Kreuzungen?

Auch Mischlinge mit Blut der drei generell als Kampfhunde kategorisierten Rassen gelten als Kampfhunde. Der Rüde bei der Leimener Attacke war zu 58 Prozent American Staffordshire Terrier, die Hündin zu 54 Prozent.

Welche Auflagen müssen Halter von Kampfhunden erfüllen?

Voraussetzung ist die Erlaubnis der örtlichen Polizei. Dafür muss der Antragsteller ein „berechtigtes Interesse“ an der Haltung eines Kampfhundes nachweisen. Gegen seine Zuverlässigkeit und Sachkunde dürfen keine Bedenken bestehen, und von dem Hund dürfen keine Gefahren für andere Menschen ausgehen. Außerdem darf die Erlaubnis nur erteilt werden, wenn der Kampfhund gekennzeichnet ist, beispielsweise durch eine vom Tierarzt vorgenommene Tätowierung, und wenn eine Haftpflichtversicherung nachgewiesen wird. Minderjährige gelten als nicht ausreichend zuverlässig.

Muss ein Kampfhund gesichert sein?

Ja, für mehr als sechs Monate alte Kampfhunde gilt Leinen- und Maulkorbpflicht in der Öffentlichkeit.

Wie viele Hundeattacken auf Menschen gibt es im Südwesten?

Die Zahl der Hundeattacken auf Menschen nimmt zu. In der Kategorie „Tatmittel Hund“ hat das Innenministerium 1397 Fälle für das vergangene Jahr verzeichnet, darunter 1381 Körperverletzungen. Vor fünf Jahren waren es noch 1214 Fälle, darunter 1200 Körperverletzungen. Das Ministerium macht dafür nicht wachsende Aggressivität der Tiere verantwortlich, sondern deren steigende Zahl. Bei den Körperverletzungen wurden die meisten fahrlässig begangen. Die Statistik unterscheidet zwischen Hunden und Kampfhunden. Auf das Konto letzterer gingen 2018 nur 34 (2017: 37) Delikte. Der Trend 2019: ein leichter Anstieg bei den Attacken von Kampfhunden, rückläufige Zahlen bei anderen Hunden.