Der Prozess um eine Kampfhunde-Attacke im Leimener Stadtteil St. Ilgen geht in eine weitere Runde: Nach den Verurteilungen zu Haftstrafen in dem Kampfhundeprozess haben zwei junge Männer in Heidelberg Revision zum Bundesgerichtshof eingelegt. Sowohl der 17-jährige Hauptbeschuldigte, als auch sein 22-jähriger Begleiter, die die beiden Hunde ausgeführt hatten, wollen in die nächste Instanz gehen, teilte das Landgericht Heidelberg auf Anfrage mit.

Bei einer Revision wird ein Urteil - in diesem Fall beim Bundesgerichtshof (BGH), ein Urteil auf Rechtsfehler geprüft. Anders als bei der Berufung wird nicht noch einmal der Fall oder das Tatgeschehen untersucht.

Lebensgefährliche Verletzungen durch Bisse der Kampfhunde

Der Fall, der sich am Pfingstsonntag 2019 ereignet hatte, löste Entsetzen aus: Laut Gericht hatte der jüngere der beiden auf einem Feld nahe der St. Ilgener Probesterwaldsiedlung einen Kampfhund auf einen damals 15-jährigen Teenager gehetzt, der mit dem Fahrrad unterwegs gewesen war. Seinen Begleiter hatte er demnach aufgefordert, das von ihm am Halsband gesicherte Tier loszulassen. Die beiden American-Staffordshire-Terrier stürzten sich auf den Jugendlichen und bissen mehrfach zu. Der Junge erlitt lebensgefährliche und auch langfristig entstellende Verletzungen im Gesicht, am Arm und am Hinterkopf. Der Anklage zufolge waren die Verletzungen an Kopf, Ohrmuscheln, am Hals nah der Halsschlagader und der Blutverlust so gravierend, dass der Jugendliche sie beinahe nicht überlebt hätte.

Vor der Attacke hatten der 15-Jährige und seine Begleiter die beiden offenbar lediglich gebeten, die verbotswidrig nicht angeleinten Hunde in Schach zu halten.

Hunde in Leimen trugen bei Attacke keine Maulkörbe

Am 16. Dezember wurde der 17-Jährige zu einer Jugendstrafe von zweieinhalb Jahren wegen schwerer Körperverletzung in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung verurteilt (Az.: 3 KLs 351 Js 1439/19 jug.). Den 22-jährigen Begleiter verurteilte das Landgericht zu einem Jahr auf Bewährung wegen fahrlässiger Körperverletzung.

Verurteilt wurde auch der 22-jährige Bruder des 17-Jährigen, der die Tiere seinem minderjährigen Bruder verbotswidrig und ohne die vorgeschriebenen Maulkörbe überlassen hatte. Er bekam wegen fahrlässiger Körperverletzung eine zur Bewährung ausgesetzte Freiheitsstrafe von einem Jahr.