Wetter Jahr der Wetter-Extreme - Überschwemmungen und Wassermangel

Aufgrund von Niedrigwasser ragen am Rhein bei Karlsruhe Maxau Buhnen und Sandbänke aus dem Wasser.
Aufgrund von Niedrigwasser ragen am Rhein bei Karlsruhe Maxau Buhnen und Sandbänke aus dem Wasser. © Foto: Uli Deck/dpa
Ravensburg / lsw 01.12.2018
Ein Jahr mit außergewöhnlichem Wetter neigt sich dem Ende. In Baden-Württemberg ist es überdurchschnittlich warm 2018, Regen Mangelware. Das hat Konsequenzen.

Der „Turbo-Sommer“ begann eigentlich schon im Mai nach einem überdurchschnittlich warmen April. Selbst im Oktober wurden noch meteorologische Sommertage mit 25 Grad und mehr erreicht. Die Sonnenscheinstunden lagen Monat für Monat deutlich über den langjährigen Vergleichswerten. „Wir haben ein Jahr der Extreme hinter uns“, sagt Vorstandsmitglied Albert Bösch vom Internationalen Bodensee-Fischereiverband. Hitze und Trockenheit ebenso wie Hochwasser hätten er und seine Kollegen in diesem Jahr am Bodensee erlebt. Und nicht nur dort: Ganz Baden-Württemberg hat in diesem Jahr außergewöhnliches Wetter zu spüren bekommen.

Hitzejahr ist ein Begriff, den wir nicht verwenden, aber ist wird ein sehr warmes Jahr“, sagt Meteorologe Andreas Pfaffenzeller vom Deutschen Wetterdienst (DWD) rund einen Monat vor Jahresende. Extrem häufig schien zum Beispiel die Sonne: „Die Stationen haben im Durchschnitt 126 Prozent der normalen Sonnenscheindauer gemessen. Das ist eine ziemlich starke Abweichung.“

Außergewöhnliche Wärme

Durchschnittlich 81,9 Tage mit Temperaturen über 25 Grad registrierten die Stationen laut DWD im Südwesten - und damit mehr als 2003 im Jahr des Jahrhundertsommer. „Da waren es nur 81,5.“ Der Meteorologe klingt beim Blick auf die Tabellen selbst etwas erstaunt. Denn auch Frühling und Herbst waren deutlich wärmer als üblich. Die höchste Temperatur wurde Ende Juli in Bad Mergentheim (Main-Tauber-Kreis) gemessen: 38,3 Grad. Ingelfingen (Hohenlohekreis) hat die außergewöhnliche Wärme wie kein anderer Ort zu spüren bekommen. Dort war es im Sommer mit 20,1 Grad durchschnittlich um 4,1 Grad wärmer als sonst. In Stuttgart übertrafen die Werte das Mittel um 3,5 Grad. In den Freibädern hat sich das natürlich bemerkbar gemacht: Auf der Suche nach Abkühlung kamen in Stuttgart, Konstanz, Freiburg, Karlsruhe und Mannheim deutlich mehr Besucher als 2017. In einigen Bädern ging die Saison sogar eine Woche in die Verlängerung.

Glimpflich davon gekommen

Profitiert haben auch die Weinbauern. „Es war ein Spitzenjahr mit Spitzenernte. Ein Spitzenjahrgang“, fasst es Ariane Amstutz, Sprecherin des Landesbauernverbands in Baden-Württemberg, zusammen. „Die Winzer sind höchst zufrieden.“ Das gilt längst nicht für alle Landwirte. Viele hätten unter der Trockenheit gelitten: „Vom Glück in extreme Sorge, das lag relativ nah beieinander.“ Denn wenn es Regen gab, sei der nur sehr lokal gefallen. „Ich erinnere mich an einen Fall in Nordwürttemberg, da hat es zweimal Hochwasser in einem Ort gegeben, und bei einem Landwirt, der zwei Kilometer entfernt war, hat es wochenlang nicht geregnet.“ Laut Amstutz gab es Gewinner- und Verliererkulturen: „Für die Kartoffeln war es zu trocken, die Knollen sind kleiner geblieben als sonst.“ Die Getreideernte sei glimpflich ausgegangen, dramatisch sei die Lage hingegen bei Gras und Mais. „Wir haben Betriebe, die überhaupt kein Futter ernten konnten für ihre Rinder.“ Dem Obst hat die viele Sonne gut getan. „Die Äpfel sind kleiner als normal, aber sehr lecker.“ Allerdings, so Amstutz, „war Beregnung Pflicht“. Im Vergleich sei Baden-Württemberg noch glimpflich davon gekommen, „weil diese extreme Dürre vor allem den Norden und Osten getroffen hat“, erklärt Meteorologe Pfaffenzeller. Dennoch: Der Rhein etwa führt seit Monaten Niedrigwasser.

Transportkosten steigen

„Im Juni hatten wir noch einen relativ hohen Wasserstand, dann ging es runter“, erklärt der Leiter der Hochwasservorhersagezentrale Baden-Württemberg, Manfred Bremicker. Der Wasserstand am Pegel Maxau (Karlsruhe) fiel am 26. November auf 3,11 Meter - „dies ist der niedrigste Wasserstand seit 1972“. Binnenschiffe können so nur noch wenig Ladung befördern, die Transportkosten steigen. Seit Februar fehlten Niederschläge, erzählt Bremicker. „Nach zwei Hochwassern kurz nacheinander im Januar begann schon die trockene Witterung.“ Auf die Erträge der Berufsfischer am Bodensee haben sich nach einer vorläufigen Bilanz bislang weder Hochwasser noch Trockenheit besonders ausgewirkt. Etwa bei den Felchen ist laut Bösch kaum ein Unterschied feststellbar. Und bei Hitze haben Fische ohnehin einen Vorteil: Sie können in kühlere Wasserschichten abtauchen.

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