Wer auf Google nach Ärzten fahndet, bekommt neben Namen und Adressen oft auch gleich die Möglichkeit, die Praxen zu bewerten – mit ein bis fünf Sternen. Nicht jeder ist von dieser Form der Netz-Abstimmung begeistert; vor allem, wenn die Bewertungen negativ ausfallen. Ein Heidenheimer Tierarzt hat sich jetzt gegen eine Reihe solcher Bewertungen zur Wehr gesetzt, zunächst bei Google direkt, dann juristisch am Dienstag vor der 3. Zivilkammer des Ellwanger Landgerichtes.

Ausdruck von Meinungsfreiheit

Acht nach Ansicht des Arztes rufschädigende Beiträge waren der Stein des Anstoßes, zumindest einer davon von einem nicht zu eruierenden Unbekannten: Der Tierarzt beklagt, dass jemand einen privaten „Kleinkrieg“ gegen ihn führe, wie seine Anwältin andeutete. Auf Betreiben des Tierarztes hat Google sieben Beiträge mittlerweile gesperrt; das heißt, sie sind für Dritte nicht mehr einsehbar. Einer ist laut Google-Anwältin ohnehin „verschwunden“. Komplett löschen will Google die Einträge allerdings nicht, was der Richter verwundert zur Kenntnis nahm. Google-Bewertungen sind immer wieder Gegenstand von Prozessen. Vor einem Jahr erhielt ein Kieferorthopäde vor dem Landgericht Lübeck recht, der die Löschung von negativen Bewertungen verlangte. Bei Zuwiderhandlung setzten die Richter ein Ordnungsgeld von 250.000 Euro fest. Das Landgericht Augsburg hingegen hatte 2018 die Klage eines Arztes abgewiesen. Knackpunkt ist immer wieder, dass auch Nutzer Bewertungen abgeben können, die nie Kunde oder Patient bei einer Firma oder Praxis waren. Umgekehrt werben auch Agenturen damit, positive Bewertungen zu „verkaufen“. Google hält die Bewertungen für Ausdruck von Meinungsfreiheit

Aufteilung der Verfahrenskosten

Im Ellwanger Fall versicherte die Rechtsvertreterin von Google, Dr. Johanna Spiegel aus Hamburg, die bemängelten Beiträge blieben weiter und dauerhaft gesperrt; dadurch bahnte sich eine Einigung an. Der Vorsitzende Richter Josef Blaser regte eine Aufteilung der Verfahrenskosten an und erklärte, dass eine vom Tierarzt genannte Schadenersatzforderung „kaum leistbar“ sei; sprich: Es wäre kaum zu beziffern, welcher finanzielle Schaden entstanden sein könnte. Summen von 7000 bis über 10.000 Euro je Bewertung waren von der Vertreterin des Tierarztes, Alexa Frey von der Ulmer Kanzlei WWS, in den Raum gestellt worden. Letztlich wurde eine Einigung in Form eines Vergleichs erzielt, den beide Seiten aber noch widerrufen können. Zwar wies die Anwältin des Internetriesen den Vorwurf eines Fehlverhaltens von Google zurück, ließ sich aber auf eine Kostenaufteilung ein. Der Streitwert wurde auf 90.000 Euro festgesetzt. Auf Wunsch der Google-Anwältin wurde auch „Stillschweigen“ des Arztes über den Vergleich vereinbart – was angesichts der Gegenwart der Presse in der Verhandlung auch dem Richter recht sinnfrei schien.  

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Fünf Google-Bewertungen für 50 Euro, 100 Bewertungen für 500 Euro, oder zehn Bewertungen bei Amazon für knapp 200 Euro: So offen werben spezialisierte Anbieter für ihre Dienstleistungen und versprechen, bei Suchmaschinen, Bewertungsportalen oder App-Stores Firmen Vorteile zu verschaffen - und damit Verbraucher zu täuschen.

Verbraucherschützer raten daher, Bewertungen nicht blind zu vertrauen. Laut einer Bitkom-Umfrage gaben 63 Prozent der Befragten an, diese vor dem Kauf zu nutzen. dpa