Ulm / Katrin Stahl/dpa  Uhr
Hohe Temperaturen, unerträgliche Hitze: Beim aktuellen Sommerwetter kommen auch Schüler und Arbeitnehmer in Baden-Württemberg und Bayern ins Schwitzen. Doch haben sie tatsächlich ein Recht auf Hitzefrei? Und wie gehen Rektoren und Arbeitgeber mit der Situation um?

Mehr als 30 Grad – und es wird noch heißer: Wenn in dieser Sommerwoche die Temperaturen in die Höhe klettern, dann schwitzt ganz Deutschland. Auch der Südwesten bleibt nicht von der Saharahitze verschont. Die Prognosen von Meteorologen: Bis zu 40 Grad in einigen Regionen von Baden-Württemberg und Bayern.

Doch was tun, wenn die Wärme unerträglich wird? Ab welchen Temperaturen gibt es für Schüler unterrichtsfrei? Und existiert ein Hitzefrei am Arbeitsplatz? Die wichtigsten Antworten im Überblick.

Hitzefrei am Arbeitsplatz

Wie sieht es im Büro aus? Gibt es Hitzefrei, wenn die Temperaturen dort zu hoch sind? Die kurze Antwort lautet: Nein. Grundsätzlich haben Arbeitnehmer kein Recht darauf, bei großer Hitze die Arbeit zu verlassen, so Rechtsexperten des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB).

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Nach der Arbeitsstättenregel ASR 3.5 ist erst bei einer Raumtemperatur von 35 Grad anzunehmen, dass in diesem Raum nicht mehr gearbeitet werden kann. Das heißt aber nicht automatisch, dass der Arbeitnehmer nach Hause gehen kann, warnt der DGB – sondern nur, dass in bestimmten Räumen nicht gearbeitet werden darf. Ab 30 Grad Raumtemperatur ist der Arbeitgeber dazu verpflichtet, zu handeln. Möglichkeiten: Klimaanlagen, Ventilatoren, Jalousien oder kalte Getränke. Auch eine Verschiebung der Arbeitszeiten, zum Beispiel in die frühen Morgenstunden, ist denkbar.

Hitzefrei an Schulen in BW

„Es existiert keine generelle Vorgabe vom Land, ab wann es Hitzefrei für Schüler gibt“, sagt Christine Sattler vom Kultusministerium Baden-Württemberg, „konkrete Bedürfnisse und Fragestellungen müssen vor Ort mit in die Entscheidung einbezogen werden.“ Die einzelnen Schulen legen fest, ob und wann sie sie ihre Schüler nach Hause schicken. Sattlers Rat: Die Schulleitungen sollten sich auch mit den Eltern absprechen. Außerdem gibt das Kultusministerium bestimmte Empfehlungen und Kriterien. Diese lauten:

  • Die Außentemperatur beträgt um 11 Uhr mindestens 25 Grad Celsius im Schatten
  • Hitzefrei gibt es frühestens nach der vierten Stunde vom allgemeinen Unterrichtsbeginn der Schule an gerechnet
  • Benachbarte Schulen stimmen sich ab und entscheiden möglichst gleichmäßig
  • Schüler, die mit den öffentlichen Verkehrsmitteln kommen, sollen auch bei Hitzefrei die Gelegenheit haben, in Aufenthaltsräumen zu bleiben. Bis zur Heimfahrt müssen sie beaufsichtigt werden.
  • Hitzefrei gibt es nicht für die beruflichen Schulen und für die gymnasiale Oberstufe.

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Hitzefrei an Schulen in Bayern

Ähnliches gilt im Freistaat: „Eine gesetzliche oder sonstige rechtsverbindliche Regelung, wonach den Schülerinnen und Schülern ab einer bestimmten Temperatur oder unter sonstigen bestimmten Voraussetzungen ‚hitzefrei’ zu gewähren ist oder gewährt werden kann, existiert nicht“, schreibt das bayerische Kultusministerium auf seiner Internetseite. Auch hier können Schulleitungen nach eigenem Ermessen hitzefrei geben.

Übrigens: Eine bundesweite Regelung gibt es seit 1999 nicht mehr. Neben Baden-Württemberg und Bayern können auch die Schulleiter in Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Berlin und Hessen entscheiden, ob die Schüler nach Hause gehen dürfen oder nicht.

Bullenhitze bringt Schulleiter im Südwesten in Zwickmühle

Die rekordverdächtigen Temperaturen bringen Schulleiter nach Meinung des Lehrerverbandes Bildung und Erziehung (VBE) in ein Dilemma. „Es ist keine beneidenswerte Situation, in der sich Schulleiter an heißen Sommertagen befinden“, sagte der VBE-Sprecher Michael Gomolzig am Mittwoch in Stuttgart. Während in anderen Bundesländern bereits die Sommerferien angefangen haben, sollten die Rektoren im Südwesten bei Freibad-Temperaturen entscheiden, ob die Schüler weiter im Klassenzimmer schmoren oder wegen hitzefrei früher heimgeschickt werden. In jedem Fall gebe es Protest von Eltern, entweder über Unterrichtsausfall oder über mangelndes Mitgefühl mit den schwitzenden Kindern, sagte Gomolzig, selbst Rektor einer Grundschule im Rems-Murr-Kreis.

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Bis in die 80er Jahre konnten sich nach VBE-Angaben Rektoren an den Verwaltungsvorschriften orientieren, die vorsahen, bei einer um 10.00 Uhr gemessenen Temperatur von über 25 Grad im Schatten den Schülern nach der vierten Stunde hitzefrei zu geben. Heute liegt die Entscheidung ganz im Ermessen des Rektors, der damit – so der VBE – auch in der Schusslinie stehe.

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