Nach einem Jahr zahlreicher Kriminalfälle im Südwesten hat die Justiz 2019 viel Arbeit. Die Gerichte müssen sich in mehreren größeren Prozessen mit Fällen von Mord bis Betrug auseinandersetzen. Darunter sind mehrere Verfahren, die stark im Blick der Öffentlichkeit stehen werden, zum Beispiel eine mutmaßliche Gruppenvergewaltigung in Freiburg und der Mord an einem Mediziner in Offenburg. Die wichtigsten Prozesse im Überblick:

Gruppenvergewaltigung

Der Fall machte überregional Schlagzeilen, in der ersten Jahreshälfte 2019 werden sich die Gerichte mit ihm beschäftigen. Mitte Oktober 2018 war laut Polizei eine 18-Jährige in Freiburg nach einem Discobesuch von mehreren Männern vergewaltigt worden. Die Polizei hat zehn Verdächtige festgenommen - acht Syrer im Alter von 18 bis 29 Jahren, ein 18 Jahre alter Algerier und ein 25-jähriger Deutscher ohne Migrationshintergrund. Alle sitzen in Untersuchungshaft.

Hauptbeschuldigter ist ein inzwischen 22 Jahre alter Syrer. Er gilt als Intensivtäter. Er soll die 18-Jährige, die sich in einem wehrlosen Zustand befand, in einem Gebüsch vor der Disco vergewaltigt und danach andere Männer zum Vergewaltigen animiert haben. Gegen den Mann bestand bereits vor der Tat ein Haftbefehl, verhaftet wurde er damals aber nicht. Die Polizei ermittelt noch. Anklage will die Staatsanwaltschaft Freiburg in den ersten Monaten 2019 erheben.

Mord an Mediziner

Das Landgericht Offenburg (Ortenaukreis) plant in den ersten Monaten 2019 den Prozess gegen einen 26 Jahre alten Asylbewerber aus Somalia. Er sitzt in Untersuchungshaft. Den Ermittlungen der Polizei zufolge hat er Mitte August in Offenburg einen 52 Jahre alten Arzt in dessen Praxis mit einem Messer angegriffen und getötet. Eine Arzthelferin hatte er verletzt.

Die Staatsanwaltschaft hat bei dem Gericht Anklage erhoben. Sie lautet auf Mord in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung. Das Motiv für die Tat haben die Ermittler den Angaben zufolge nicht vollständig klären können. Es gebe aber Anzeichen für eine psychische Erkrankung des mutmaßlichen Täters. Dieser war kurz nach der Tat festgenommen worden.

Mordfall Reinigungsfrau

Das Landgericht Freiburg verhandelt in der ersten Jahreshälfte 2019 den Fall einer vor knapp 16 Jahren entführten und ermordeten Reinigungsfrau in Bad Krozingen bei Freiburg. Vor Gericht wegen Mordes verantworten muss sich ein 54 Jahre alter Deutscher aus der Umgebung von Freiburg. Er hat die Tat gestanden. Nach einem Hinweis aus dem Bekanntenkreis war er im September 2018 verhaftet worden.

Die 57 Jahre alte Frau, die aus Karlsruhe stammte, war am 17. Januar 2003 in Bad Krozingen nach Dienstende auf der Straße vor einer Klinik in ihr Auto gezerrt und entführt worden. Rund neun Wochen später, im März 2003, war sie einige Kilometer entfernt in einem Wald bei Ehrenkirchen von einer Spaziergängerin nackt und erstochen gefunden worden. Die Tat blieb fast 16 Jahre lang unaufgeklärt.

Zulagenaffäre

„Schnellstmöglich“ möchte das Landgericht Stuttgart das Hauptverfahren zur sogenannten Zulagenaffäre an der Beamtenhochschule Ludwigsburg eröffnen - jedoch gibt es noch Streit, wer dann auf der Anklagebank sitzen wird.

Die 5. Große Strafkammer hatte Ende November gegen den Ex-Rektor und den Ex-Kanzler wegen des Vorwurfs der gemeinschaftlich begangenen Untreue das Verfahren eröffnet. Die Staatsanwaltschaft Stuttgart will sich jedoch nicht damit abfinden, dass sich die 13 Professoren, die in den Genuss rechtswidriger Zulagen kamen, keinem Prozess stellen sollen. Darüber wird das Oberlandesgericht demnächst entscheiden.

Hintergrund der Affäre ist der Wechsel von 13 Professoren von der sogenannten C- in die W-Besoldung mit der Chance auf höhere Zulagen. Anhaltspunkte, nach denen Rektor, Kanzler und die Professoren gemeinsame Sache machten, gebe es nicht, hieß es beim Landgericht.

Blutige Folter unter Osmanen

Der Stuttgarter Prozess gegen mutmaßliche Führer der verbotenen türkisch-nationalistischen Straßengang „Osmanen Germania BC“ steuert auf das Ende zu. Nachdem ein extra aus der Türkei eingeflogener Kronzeuge kürzlich ohne Aussage wieder verschwand, dürfte die Beweisaufnahme demnächst abgeschlossen werden. Angeklagt sind seit März noch sieben mutmaßliche Mitglieder der Straßengang - darunter drei, die zur höchsten Führungsebene gerechnet wurden.

Den Männern werden unter anderem versuchter Mord, versuchter Totschlag, Erpressung, Zwangsprostitution und Zuhälterei vorgeworfen. Vor allem geht es um die blutige Folter eines abtrünnigen Osmanen in Herrenberg bei Stuttgart. Das Verfahren gegen einen achten Mann wurde wegen langer Untersuchungshaft und erwartbar niedriger Strafe eingestellt.

Bordellkönig

Auch der Mammut-Prozess um Menschenhandel und Zwangsprostitution in der Bordellkette „Paradise“ dürfte im neuen Jahr beendet werden. Hauptangeklagter ist der inzwischen 65 Jahre alte ehemalige Chef mehrerer FKK-Clubs. Der Mann sitzt seit September 2017 in Stuttgart in Untersuchungshaft. Ihm wird unter anderem die Förderung von schwerem Menschenhandel zur sexuellen Ausbeutung, Beihilfe zur Zuhälterei und Betrug vorgeworfen.

2008 hatte er sein erstes Rotlichthaus vor den Toren von Stuttgart eröffnet. Es kamen weitere Großbetriebe in Frankfurt, Saarbrücken und Graz hinzu. Über Jahre propagierte der Bordellchef in Talk-Shows eine angeblich ehrliche und saubere Prostitution. Was aber in der Anklage stand, klang ganz anders: In den Bordellen hätten Hells Angels und United Tribuns das Sagen, die Frauen anschaffen lassen und dann abkassieren.

Anschlag auf Moschee

Nach einer Anschlagserie auf Moscheen und türkische Vereine im vergangenen März müssen sich gleich im neuen Jahr (8. Januar) auch vor dem Landgericht Heilbronn drei Angeklagte verantworten. Wie beim einem im Dezember in Ulm gestarteten Prozess um einen Anschlag auf die Ulmer Moschee müssen sich die zwischen 1994 und 1999 geborenen Angeklagten in Heilbronn wegen versuchten Mordes verantworten.

Gemeinsam sollen sie am 9. März in Lauffen am Neckar mehrere Brandsätze in die Räume der Islamischen Gemeinschaft Milli Görüs geworfen haben. In dem Gebäudekomplex sollen sich zur Tatzeit um 1.45 Uhr mindestens 53 Menschen aufgehalten haben. Ziel des Anschlags sei gewesen, Rache für die Folgen eines Militäreinsatzes der türkischen Armee in dem syrischen Ort Efrîn zu üben.

Feuer, versuchter Mord und Totschlag

Am 7. Januar beginnt vor dem Landgericht Karlsruhe der Prozess gegen einen Mann wegen Mordes. Dem Angeklagten wird vorgeworfen, in einem Pflegeheim Feuer gelegt zu haben. Ein Bewohner des Heims starb.

Am 23. Januar startet vor dem Gericht ein Prozess wegen versuchten Mordes: Dem Angeklagten wird vorgeworfen, seine Ehefrau niedergestochen zu haben.

Und am 31. Januar ist der Beginn eines Prozesses wegen versuchten Totschlags geplant: Dem Angeklagten wird zur Last gelegt, auf einen Bekannten mit einem abgebrochenen Flaschenhals eingestochen zu haben.

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