Der Prozess um den Brandanschlag auf die Moschee in Lauffen am Neckar kommt nur sehr zäh voran. Vor dem Landgericht Heilbronn sind zwar drei junge Kurden wegen versuchten Mordes und schwerer Brandstiftung angeklagt, aber bislang sieht die Beweislage eher dünn aus. Aus den Reihen der Verteidigung wurde bereits angeregt, die Mandanten aus der Untersuchungshaft zu entlassen.

Zum Tatvorwurf selber schweigen die Männer im Alter von 19 bis 24 Jahren; zwei stammen aus dem Osten der Türkei, einer aus Syrien. Sie sollen im März 2018 fünf Molotowcocktails auf die Räume der islamischen Gemeinschaft Milli Görüs in Lauffen geworfen haben. Weil unmittelbar neben dem Tatort der Imam und seine Frau schliefen und der Komplex von insgesamt 53 Menschen bewohnt war, geht die Staatsanwaltschaft Stuttgart wegen der angeblichen Gefährdung von einem Mordversuch aus.

Flammen mit Hausschuh gelöscht

Ein Gutachter des Landeskriminalamtes sagte allerdings vor Gericht, dass keine Gefahr für die Wohnungen im Erdgeschoss und in den Etagen darüber bestanden habe. Dafür sei die so genannte Brandlast „zu gering“ gewesen. Die Betondecke sei eine gute Abschirmung gewesen, brennbares Material habe sich nicht in der Nähe befunden. Wären die Brandsätze allerdings in der Wohnung des Imams gelandet, hätten dort Polstermöbel in Flammen aufgehen können.

Der mittlerweile nach Ankara zurückgekehrte Geistliche hatte ein in der Nähe wohnendes Mitglied der Gemeinde alarmiert. Der heute 74-Jährige sagte jetzt als Zeuge, die Flamme sei etwa 30 bis 40 Zentimeter hoch gewesen. Er habe mit einem Hausschuh gelöscht. Ein anderer Zeuge, der gegenüber wohnt, hat zwar einen Knall gehört, aber er habe an eine umgefallene Mülltonne gedacht: „Bei uns in Lauffen ist ja die Kriminalitätsrate sehr gering.“

Schwierige Spurenlage

Auf einem Video vom Anschlag sind die Angeklagten nicht zu erkennen. DNA-Mischspuren lassen keine zweifelsfreie Zuordnung zu. Auch Handydaten haben nur vage Anhaltspunkte für eine Täterschaft geliefert.

Die Suche nach der Wahrheit wird auch erschwert durch fehlende Ortskenntnis der Strafkammer. Erst durch einen Zeugen erfuhren die drei Berufsrichter und zwei Schöffen, dass die eigentliche Moschee abgerückt ist von jenen Räumlichkeiten, die für Schulungen und für Wohnzwecke genutzt werden. Der Zeuge konnte aber auch unwidersprochen behaupten, es gebe kein Schild für die Moschee. Tatsächlich weist über dem Eingangsbereich eine sehr große Tafel auf die „Aksemseddin Camii“ hin.

Das Gericht hat für den Prozess neun Verhandlungstage angesetzt. 22 Zeugen und drei Sachverständige sollen gehört werden. Ein Urteil wäre nach der jetzigen Planung am 13. Februar zu erwarten.

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