Winnenden / Hans Georg Frank Zehn Jahre nach dem Amoklauf an der Albertville-Realschule wurde in Winnenden den Opfern gedacht – verbunden mit einem Aufruf zu mehr Achtsamkeit.

Mit dem Gedenken an die 15 Opfer des Amoklaufs von Winnenden und Wendlingen vor zehn Jahren wurde ein Aufruf zu mehr Achtsamkeit verbunden, „um in Zukunft gut miteinander leben zu können“. Oberbürgermeister Hartmut Holzwarth erinnerte bei einer kurzen Feier die rund 1000 Zuhörer, welch „unvorstellbares Leid“ nicht nur mit dem Verbrechen am 11. März 2009 verbunden sei: „Jede Gewalttat in unserer Welt, die von einem Einzelnen oder einer Gruppe verübt wird, macht uns in Winnenden besonders betroffen.“

Schüler für Gewalt sensibilisieren

Mit einem Buchprojekt sollen alle Schülerinnen und Schüler in Baden-Württemberg für die vielfältigen Formen der Gewalt sensibilisiert werden. Die Stiftung gegen Gewalt an Schulen, die aus dem „Aktionsbündnis Amoklauf Winnenden“, einer Initiative von Hinterbliebenen, entstanden ist, sammelt zusammen mit dem Kultusministerium in einem Buch Beiträge in jeglicher Form zu diesem Thema.

Am zehnten Jahrestag des Amoklaufs von Winnenden wird dort erneut der Opfer gedacht.

In einem ersten Durchgang kamen rund 140 Fotos, Bilder, Gedichte, Lieder zusammen. „Das sind imponierende Arbeiten“, lobte Andreas Söltzer von der Stiftung, „viele sind richtige Hingucker.“

Für Kultusministerin Susanne Eisenmann ist der zehnte Jahrestag auch „ein Tag, darüber nachzudenken, mit welcher Wertschätzung, Empathie und Verantwortungsbewusstsein wir gegenüber unseren Nächsten auftreten“. Wenn es gelinge, „die Welt ein Stück weit besser zu machen, dann hat dieser schreckliche Ereignis ein klein wenig Gutes“. Denn: „Winnenden steht für etwas, was vielen in die Seele eingebrannt ist.“

Für den früheren Bundespräsidenten Horst Köhler gehört der 11. März 2009 „zu den schmerzhaftesten Tagen meiner Präsidentschaft“, teilte er in einer Grußbotschaft mit. „Ich erinnere mich an meine eigene Hilflosigkeit im Angesicht des sinnlosen Leids, keine 20 Kilometer von der Schule entfernt, an der ich selbst meinen Abschluss gemacht habe.“ Weiter schrieb Köhler: „Wir müssen wachsam bleiben. Hass, Ausgrenzung, Gewalt dürfen weder im Großen noch im Kleinen, weder in der Politik noch an den Schulen akzeptabel werden. Jeder von uns kann in der Zuwendung zu anderen Zeichen setzen, Zeichen gegen den Tod und für das Leben – ein Leben, das trotz allen Schmerzes, trotz aller menschlichen Schwäche und Krummholzigkeit lohnt, füreinander gelebt zu werden.“

Menschenkette gebildet

Während der Gedenkfeier bildeten 650 Schüler der Albertville-Realschule eine Menschenkette vom Mahnmal zu ihrem Schulhaus. Um 9.33 Uhr läuteten alle Kirchenglocken der Stadt im Rems-Murr-Kreis. Das war vor einem Jahrzehnt der Zeitpunkt, als ein Zehntklässler den ersten Notruf absetzte. Wenige Minuten später rückten drei Polizisten an. Mit Einsatzkräften von damals hat sich Innenminister Thomas Strobl getroffen.

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