Die CDU-Fraktion drängt den grünen Koalitionspartner, flexibleren Angeboten beim Ausbau der Ganztagsschulen den Weg zu ebnen. „Der Elternwille ist eindeutig: Rund 70 Prozent der Eltern wollen keine starre, gebundene Form des Ganztags wie unser Koalitionspartner. Die Eltern wollen maximale Flexibilität bei der Ganztagsbetreuung ihrer Kinder“, sagte CDU-Fraktionschef Wolfgang Reinhart dieser Zeitung. Bei den Zahlen beruft er sich auf eine INSA-Schulstudie im Auftrag der CDU/CSU-Landtagsfraktionen, bei der 2018 bundesweit mehr als 4000 Eltern befragt wurden.

Ganztag und Betreuung sollten sich gegenseitig ergänzen, fordert Reinhart, „und nicht wie momentan bei den Landeszuschüssen gegenseitig ausschließen“. Die CDU-Fraktion wolle bedarfsgerechte und qualitativ hochwertige Angebote. „Hier erwarten wir jetzt konstruktive Signale von unserem Koalitionspartner.“

Grüne sind gegen den Vorschlag der CDU

Reinhart geht damit vor den Klausurtagungen der Fraktionen kommende Woche in die Offensive. CDU-Kultusministerin Susanne Eisenmann hat den Fachpolitikern der Koalition bereits im Herbst ein entsprechendes Konzept für die Weiterentwicklung der Angebote vorgelegt, das die Grünen aber bislang nicht abgesegnet haben.

Die Grünen verstehen die gebundene Ganztagsschule als zentrales Element für mehr Bildungsgerechtigkeit, parallele Angebote an der gleichen Schule sehen sie kritisch. „Uns Grünen geht es um Qualität, Lernerfolge und Chancengerechtigkeit. Dafür steht die Ganztagsschule, bei der sich Unterricht, Lernpausen, musisches Lernen oder sportliche Angebote abwechseln“, sagte Grünen-Fraktionschef Andreas Schwarz. Schon heute gebe es zudem ein flexibles Angebot. Die Entscheidung, in welcher Form „eine Ganztagsschule oder ein Ganztagsangebot“ an einer Schule eingerichtet werde, werde vor Ort gemeinsam mit Eltern und Schulträger getroffen. Die CDU dagegen will weg vom Entweder-Oder.

Lern- und Entspannungsphasen

Bislang können die Grundschulen im Land entweder Ganztagsunterricht in verbindlicher Form anbieten oder in Wahlform. Bei der Wahlform haben die Eltern die Option, ihre Kinder halbtags oder ganztags beschulen zu lassen, verpflichtend für ein Schuljahr. „Nach unserer Auffassung bedarf es grundsätzlich unterschiedlicher Ganztagsangebote, aus denen Eltern für ihr Kind das passende auswählen können“, sagte Reinhart.

Geht es nach der CDU-Fraktion, sollen künftig an einem Schulstandort drei Angebotsformen parallel bestehen können: Der klassische Halbtagsunterricht, der rhythmisierte Ganztagsbetrieb mit abwechselnden Lern- und Entspannungsphasen sowie ein nachmittägliches kommunales Betreuungsangebot, aus dem Eltern flexibel wählen können. Durch Letzteres sollen Eltern die notwendigen Freiräume verschafft werden, „um Beruf und Familie in Einklang zu bringen, ohne ihr Kind an die Ganztagsschule zu binden“.

Seit dem Schuljahr 2014/15 erhalten bestehende rhythmisierte Ganztagsgrundschulen vom Land keine Zuschüsse für kommunale Betreuungsangebote mehr. Damit ein Standort künftig beides anbieten kann, sieht Eisenmanns Konzept neben der Stärkung der Ganztagsschule die Ausweitung der Landeszuschüsse für flexible kommunale Betreuungsangebote vor. Eine mögliche Begrenzung solcher Angebote auf Grundschule ohne rhythmisierten Ganztag „wollen die Abgeordneten der CDU-Fraktion nicht“, machte Reinhart deutlich. Dagegen sagte Schwarz, es sei „eine kommunale Aufgabe“, wenn Kommunen eine Nachmittagsbetreuung anbieten wollten. Sprich: kein Fall für die Landeskasse.

Das könnte dich auch interessieren:

Sagenhaftes Baden-Württemberg Das verraten Sagen über Region und Menschen

Ulm

Über 20 Millionen Euro pro Jahr notwendig


Derzeit nutzen bis zu 45 Prozent der Grundschüler ein vom Land bezuschusstes flexibles Betreuungsangebot. Eine Aufhebung der Begrenzung der Landeszuschüsse würde nach Schätzungen des Kultusressorts zu einem sofortigen Anstieg auf bis zu 57 Prozent aller Grundschulkinder
führen.  Das wiederum würde zusätzliche Mittel von jährlich rund 21 Millionen Euro erfordern. Da im Nachtrag für den Doppelhaushalt 2018/19 keine entsprechenden Mittel eingestellt sind, wäre die Aufhebung frühestens zum Schuljahr 2020/21 möglich. rol