Die Freiburger haben die aktuelle Krise im Iran durchaus im Blick. Doch sie lassen sich von den Unruhen nicht beirren. Schon gar nicht, wenn es um ihre Städtepartnerschaft mit Isfahan geht, einer Zwei-Millionen-Stadt, die im Zentraliran liegt. Im April soll die 36. Bürgerreise wieder mindestens 15 Personen in die Partnerstadt führen. Zur 900-Jahr-Feier von Freiburg im Juli wird es nach zehn Jahren Vorarbeit einen Freundschafts-Wettkampf mit Freiburger und iranischen Ringer-Veteranen geben. „Die Städtepartnerschaft mit Isfahan ist eine der lebendigsten und kreativsten, die wir pflegen“, sagt Günter Burger, Leiter des Referats „Internationale Kontakte“ im Freiburger Rathaus.

Er hatte schon viele schöne Begegnungen mit Menschen aus dem Iran. „Erst kurz vor Weihnachten habe ich eine Reisegruppe aus Isfahan bei uns begrüßt“, sagt er. Mit Blick auf die doch erheblichen kulturellen Unterschiede und politischen Gemengelagen überrascht es, dass diese Partnerschaft, die vor 20 Jahren geschlossen wurde, immer noch blüht.

Iranische Gastfreundschaft und Gegenbesuche

Burger hält den Bürgerkontakt für ungemein wichtig. „Nur so kann man erleben, wie offen, interessiert und herzlich die Iraner sind.“ Der Iran sei ein Land, in dem man keine Angst haben müsse. Zwei Studentinnen seien alleine quer durchs Land gereist, hätten viel Gastfreundschaft und Herzlichkeit erfahren, erzählt er.

Burger schwärmt vor allem von der „sehr großen Gastfreundschaft“ der Iraner. Die zeige sich immer wieder auch bei der Radtour, die jedes Jahr eine Radler-Gruppe aus Freiburg 1000 Kilometer durch den Iran führt. Umgekehrt hätten sich iranische Radler auch schon im Schwarzwald als Helfer erwiesen. „Zwei Fahrrad-Mechaniker aus Isfahan konnten gestrandeten Radfahrern aus der Patsche helfen.“

Auch im Bereich der Wissenschaft und Wirtschaft gebe es einen regen Experten-Austausch, betont Günter Burger. Da sei das Thema „Solarenergie“ besonders stark vertreten.

Politischer Austausch lag jahrelang auf Eis

Allerdings blieben die Krisen nicht aus. Von 2005 bis 2013 lag die Partnerschaft auf der obersten politischen Ebene auf Eis. Zwischen den Oberbürgermeistern der Städte gab es zu der Zeit keinen Kontakt. Eine Reise, die der damalige OB Dieter Salomon im Oktober 2005 mit dem Gemeinderat nach Isfahan unternehmen wollte, wurde abgesagt.

Grund waren antisemitische und israelfeindliche Äußerungen des damaligen iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad. Die wollten die Freiburger, die auch mit Tel Aviv eine Partnerschaft verbindet, nicht hinnehmen. Als der als gemäßigter geltende Hassan Ruhani im August 2013 Präsident wurde, kam auch die Partnerschaft wieder ins Rollen. Im Oktober 2014 wurde OB Salomon mit einer Gemeinderats-Delegation in Isfahan empfangen. 2018 war Isfahans Bürgermeister zu Gast in Freiburg.

Während sich der politische Kontakt im Ruhemodus befand, ging der Austausch auf der bürgerschaftlichen Ebene ungehindert weiter.  Von ihr wird die Partnerschaft hauptsächlich getragen. Dazu gehört auch der Freundeskreis Freiburg–Isfahan. Der wurde 2001 von Menschen aus Freiburg und Umgebung gegründet, um die Völkerverständigung voranzutreiben. Die Städtepartnerschaft biete die „vielfältigsten Aktivitäten“, sowohl in Isfahan als auch in Freiburg, sagt die Vorsitzende Fatima Chahin-Dörflinger. Das sei besonders, „denn Isfahan hat renommierte Partnerstädte wie Barcelona, Florenz und St. Petersburg“. Auch die Vorsitzende ist besorgt über die aktuelle politische Lage im Iran. Dennoch werden nach ihrer Aussage zum 20-jährigen Bestehen der Partnerschaft „die geplanten Kultur-, Sport- Reise- und Austauschprojekte weiter vorbereitet“.

Wettkampf im Ringen geplant

Zur 900-Jahr-Feier von Freiburg wird der Isfahaner Bürgermeister Mitte Juli im Breisgau erwartet. Mit ihm reisen zehn Ringer aus dem Iran an, darunter der Veteranen-Vize-Weltmeister, der aus Isfahan stammt. Er tritt in einem Freundschafts-Wettkampf gegen den Veteranen-Weltmeister im Ringen, Adolf Seger, aus Freiburg an. Seger war zweifacher Medaillengewinner bei den Olympischen Spielen 1972 und 1976 und zweifacher Weltmeister im Welter- und Mittelgewicht (Freistil). Bei den Ringer-Veteranen (Masters) holte er zehnmal den Weltmeister-Titel. „Seit zehn Jahren versuchen wir, die Ringer aus dem Iran mit den Freiburgern zusammenzubringen“, sagt Burger. Nie habe es gepasst. Erst jetzt zur 900-Jahrfeier werde der Traum hoffentlich wahr.

Partnerschaft mit Hindernissen


Als eine Delegation des Bundestags in Isfahan war, wurde sie gefragt, ob Interesse an einer Städtepartnerschaft bestehe. Eine frühere Stadträtin aus Freiburg sagte „Ja“. Doch Isfahan nahm erst Kontakt zu anderen deutschen Großstädten auf. Ohne Erfolg. Heute lobt Isfahan den Kontakt zu Freiburg als den lebendigsten unter ihren Städtepartnerschaften.

Der Freundeskreis Freiburg–Isfahan hat mehr als 100 Mitglieder und ist ein wichtiger Motor der Partnerschaft. Er unterstützt den Austausch auf der bürgerschaftlichen Ebene in Kunst, Kultur, Musik, Theater, Sport, Jugendaustausch, Bürgerbegegnungen und Wissenschaft.  wal