Lindau Foto mit zwei Meter Wels - Männer vor Gericht

Stolzes Posieren mit dem Riesen-Wels - das hatte jetzt Folgen für die zwei Hobby-Fischer.
Stolzes Posieren mit dem Riesen-Wels - das hatte jetzt Folgen für die zwei Hobby-Fischer. © Foto: Screenshot: YouTube Catlaker Toni
Lindau / swp 27.06.2018
Vor dem Lindauer Amtsgericht mussten sich zwei Hobby-Fischer wegen Verstoß gegen das Tierschutzgesetz verantworten.

Ein zwei Meter Wels frisch gefangen in den Armen von zwei stolzen Männern – so einen Glücksmoment muss natürlich auf einem Foto für die Ewigkeit festgehalten werden. Das wurde den zwei Hobby-Fischern jetzt aber zum Verhängnis: Vor dem Lindauer Amtsgericht mussten sie sich wegen Verstoß gegen das Tierschutzgesetz verantworten.

Was ist passiert? Die zwei Hobby-Fischer haben im Juni 2017 einen zwei Meter großen Wels aus dem Kleinen See vor der Lindauer Insel gefangen. Sie posierten mit dem Fisch für ein Foto und warfen ihn anschließend wieder ins Wasser. Diese Angel-Methode wird „Catch and Release“ genannt, bei der große Fische gefangen werden, um damit zu posieren – was aber gegen das Tierschutzgesetz verstößt.

Die beiden Hobby-Fischer dokumentierten ihren Fang auf den sozialen Netzwerken mit einem Video und Bildern, auch in den Medien wurde über den Fang berichtet. Durch die Berichterstattung wurde die Fischereiausficht auf den Fall aufmerksam und erstatte schließlich eine Strafanzeige wegen Verstoß gegen das Tierschutzgesetz.

Der Wels hätte nicht gefangen werden dürfen

Als Zeuge sagte ein Fischereibeauftragter aus. Er kritisierte die zwei Hobby-Fischer, weil diese das Tier nur hätten fangen dürfen, wenn die dafür eine Verwendung gehabt hätten, wie zum Beispiel den Verzehr. Auch könnten die empfindlichen Schleimhäute des Fisches verletzt werden und zu einer Pilzerkrankung führen, wenn die Tiere herumgetragen werden.

Ein weiterer Zeuge bestätigte, dass die zwei Männer den Wels nach dem Anbeißen aus dem Wasser gezogen, vermessen und für das Foto posiert hatten. Er schätzte, dass der Fisch zwei bis fünf Minuten außerhalb des Wassers gewesen sei.

Angeklagter: „nicht schuldig“

Vor Gericht sah einer der Angeklagten keinen Fehler in seinem Handeln: „Ich bin der Meinung, dass ich nicht schuldig bin“. Seine Begründung: Er würde viel fischen, sei auf Welse spezialisiert und mit der richtigen Ausrüstung zum Fangen von Welsen ausgestattet gewesen. Außerdem sei der Wels auf eine befeuchtete Matte gezogen und zum Schutz der Schleimhäute mit befeuchteten Händen angefasst worden.

Beide Angeklagten gaben an, dass sie überrascht waren von der Größe des Tieres, sonst wäre der Verzehr möglich gewesen. Der zweite Angeklagte angelt inzwischen nicht mehr, weil es zu viel Ärger gegeben habe.

Geldstrafe für die Hobby-Fischer

Die Staatsanwaltschaft sah die Aktion als klaren Verstoß gegen das Tierschutzgesetz. Das „an der Luft befinden“ hätte erhebliches Leiden für das Tier bedeutet. Die Foto-Aktion sei „eigennützig“ sowie „absolut unnötig“ gewesen.

Die Angeklagten wurden zu Geldstrafen von jeweils 1400 und 2700 Euro verurteilt. Die unterschiedlichen Höhen der Geldstrafe beruhen darauf, dass einer der beiden Angeklagten bereits vorbestraft ist.

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