Es ist der 1. Mai: Ein Auto erfasst in Böbingen an der Rems ein älteres Ehepaar. Der Fahrer flieht und zündet seinen Wagen an. Kurz darauf wird der Mann gefasst. Nach Polizeiangaben hatte er getrunken.

12. Mai: Zwischen Bietigheim-Bissingen und Sachsenheim fährt ein Auto in eine Fußgängergruppe. Ein junger Mann stirbt. Der Fahrer flüchtet zunächst, stellt sich dann aber später der Polizei.

17. Mai: Ein Motorrad-Fahrer weicht in Baden-Baden einem Auto aus, das ihm die Vorfahrt genommen hat. Der Mann stürzt und wird schwer verletzt. Der Unfallverursacher fährt weiter.

Täglich gibt es in Baden-Württemberg im Schnitt fast 200 Fälle von Fahrerflucht. Tendenz steigend – denn auch die Zahl der Verkehrsunfälle nimmt seit Jahren zu. Meist geht es nur um Sachschaden. Aber fast jeden Tag lässt ein Flüchtiger einen Schwerverletzten am Unfallort zurück. Elfmal floh im vergangenen Jahr ein Fahrer von einem Unfallort, an dem ein Mensch starb.

Bei Fahrerflucht häufig Drogen oder Alkohol im Spiel

„Oft kommt es zu einer Unfallflucht, wenn der Fahrer etwas zu verbergen hat – zum Beispiel Alkohol oder Drogen“, erklärt die Stuttgarter Verkehrspsychologin Susanna Heumann. Bei sehr schweren Unfällen kann es sich wiederum um eine Stressreaktion handeln: „Der Fahrer wird dann kopflos und will einfach nur weg.“ Doch auch, wenn ein Mensch in Panik handelt: Fahrerflucht kann teuer werden. Das „unerlaubte Entfernen vom Unfallort“ wird mit bis zu drei Jahren Haft oder einer Geldstrafe belangt. Wenn bei einem Unfall allerdings nur ein geringer Sachschaden entsteht und der Flüchtige sich innerhalb von 24 Stunden bei der Polizei meldet, kann ein Gericht von der Strafe absehen.

Tatsächlich melden sich immer wieder Unfallflüchtige im Nachhinein bei der Polizei. Das liege mitunter am schlechten Gewissen oder daran, dass die Person mit einem Familienangehörigen oder Anwalt über die Fahrerflucht gesprochen habe, sagt Susanna Heumann. „Wenn die Leute wieder einen klaren Kopf haben, denken sie über ihr Verhalten nach.“

„Fahrerflucht bringt wenig“

Andere sagen nichts und setzen darauf, dass die Polizei sie nicht erwischt. Rund ein Drittel dieser Fälle werden allerdings aufgeklärt. „Es bringt wenig, sich durch eine Flucht zu entziehen“, sagt Renato Gigliotti, Sprecher des Innenministeriums. In der Regel seien die Beteiligten ohnehin versichert. Bei Personenschäden ist die Aufklärungsquote zudem höher: Die Polizei klärt hier etwa jeden zweiten Fall.

Außerdem schafft die Flucht das Erlebte für viele Menschen nicht aus der Welt: Fahrerflucht kann auch für die Täter belastend sein – wie sehr, hängt mitunter von den eigenen Werten und Moralvorstellungen ab. Und es kommt auf die Art des Schadens an: „Wenn bei dem Unfall nur ein Sachschaden entstanden ist, können das manche ganz gut wegstecken“, erklärt Susanna Heumann.

Gut schlafen können mitunter Menschen, die gar nicht wissen, dass sie eine Straftat begangen haben. Denn: Wer nach einem Parkunfall nur einen Zettel mit Kontaktdaten an die Windschutzscheibe des anderen Autos klebt, begeht bereits Fahrerflucht. Stattdessen muss der Unfallverursacher auf den Besitzer des anderen Wagens warten – bei einem leichten Unfall für mindestens eine halbe Stunde. Alternativ bleibt nur eines: der Anruf bei der Polizei.

Das könnte dich auch interessieren:

Weiden in der Oberpfalz