Die 1979 gegründeten Biberacher Filmfestspiele genießen bundesweit hohes Ansehen. Das „Familientreffen deutscher Filmemacher“, 40 Jahre lang von Gründer Adrian Kutter geleitet und von seiner Frau Helga Reichert in den vergangenen zwei Jahren erfolgreich weitergeführt, steht vor einer harten Bewährungsprobe: Helga Reichert schmeißt als Intendantin hin.
Helga Reichert hat einer Mitteilung der Biberacher Filmfestspiele e.V. zufolge eine Verlängerung ihres Vertrags abgelehnt. Was ist der Grund?

Disput über Zukunft der Filmfestspiele - Helga Reichert geht

Hinter dem Filmvorhang hat es offenbar tiefgreifende Diskussionen über die Zukunft der Filmfestspiele - auch angesichts der Corona-Krise - gegeben. Woran lag es? Schließlich gab es unter der Leitung von Intendantin Helga Reichert der Mitteilung zufolge „ein erfolgreiches Filmfestjahr 2019“, und trotz „widriger Bedingungen durch die Corona-Pandemie“ hätten auch die Filmfestspiele 2020 mit allen notwendigen Auflagen und entsprechenden Hygienekonzepten stattfinden können. Nur die Preisverleihung wurde als Onlineveranstaltung umgesetzt.

Keine Einigung zwischen Intendanz und Vereins-Vorstand über Biberacher Filmfestspiele

Offenbar gab es trotz Helga Reicherts Erfolgen Streit um die Zukunft der Biberacher Filmfestspiele und die Organisation.
Beim Verein heißt es offiziell dazu: „Gerade in diesem schwierigen Jahr hat die Frage der Weiterentwicklung der Biberacher Filmfestspiele, unter anderem die Entwicklung eines begleitenden „Video on Demand“-Programms, zu Diskussionen zwischen der Intendantin und der Vorstandschaft der Biberacher Filmfestspiele e.V. geführt. Diese Weiterentwicklung der Biberacher Filmfestspiele ist ein zentrales Anliegen der Vorstandschaft, um das erfolgreiche Publikums- und Präsenzfestival zielgruppenorientiert in die Zukunft zu transportieren. Leider ließen sich bei den hierfür notwendigen Diskussionen zwischen Vorstandschaft und Intendantin nicht genügend Gemeinsamkeiten finden.“

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Diskussion über Organisation und Leitung der Filmfestspiele

Weitere Gründe, warum das populäre Filmfest jetzt ohne Intendanz dasteht laut Mitteilung: „Auch in Fragen der internen Organisation und Leitung der Filmfestspiele kam es zu unterschiedlichen Auffassungen beider Parteien. Ein gemeinsamer und zielführender Konsens konnte nicht herbeigeführt werden.“

OB Norbert Zeidler versucht vergeblich zu vermitteln

Einen Konsens fanden die Intendanz und der Verein letztlich nicht, es habe nicht genügend Gemeinsamkeiten gegeben, heißt es weiter. Auch Oberbürgermeister Norbert Zeidler habe als 2. Vorsitzender des Vereins versucht zu moderieren, aber letztlich keine „gütliche Einigung“ erreichen können. Die Konsequenz: „Ein Angebot zur Vertragsverlängerung seitens der Biberacher Filmfestspiele e.V. hat Frau Reichert folglich abgelehnt“, schreibt der Verein.
Der Schwäbischen Zeitung gegenüber hatte Helga Reichert von Problemen auch im menschlichen Bereich gesprochen, vor allem aber ging es demnach um das Digitale Angebot und das Rahmenprogramm sowie eine verkürzte Vertragslaufzeit.

Filmfestspiele Biberach 2021 mit neuer Intendanz? So geht es jetzt weiter

Jetzt dürften sich viele Filmfans fragen, wie es mit ihren Filmfestspielen 2021 weitergehen soll. Hier versichert der Verein: „Trotzdem sollen auch in diesem Jahr die Biberacher Filmfestspiele stattfinden, natürlich mit dem Blick auf die aktuelle Corona-Situation.“

Intendanz-Nachfolge soll bis 30. März 2021 geregelt sein

Erste Vorbereitungen zur Bestellung einer neuen künstlerischen Leitung seien bereits vom Vorstand eingeleitet worden. Namen zur neuen Intendanz sind noch nicht gefallen. Aber es heißt, dass das „bewährte Konzept des Festivals“ durch eine Neubesetzung „nur moderat angepasst und zukunftsweisend erweitert werden“ solle. Laut SZ soll bis zur Mitgliederversammlung am 30. März ein Nachfolger oder eine Nachfolgerin für die Intendanz vorgestellt werden.