Schnellbahntrasse Bahnprojekt: Erste Pfeiler der Filstalbrücke stehen

Mühlhausen / Ralf Heisele 08.02.2018
Der Bau der Filstalbrücke bei Mühlhausen kommt gut voran. Ende 2018 soll das erste Tragwerk fertig sein.

Nebelschwaden steigen langsam an der Todsburg hoch. Es ist windig und kalt beim Pressetermin der Deutschen Bahn gut 70 Meter über dem Filstal. Vom gegenüberliegenden Portal des Boßlertunnels  aus haben die  Medienvertreter mit dem Bahn-Projektleiter für den Albaufstieg, Jörg Rainer Müller, einen atemberaubenden Blick: Ihnen zu Füßen liegt das enge Tal zwischen Mühlhausen und Wiesensteig.

In knapp 500 Metern Entfernung schrauben sich Autos und Lastwagen auf der A 8 den Albaufstieg hinauf. Ein paar Meter darüber sind schemenhaft die beiden Röhren des Steinbühltunnels  zu erkennen. Die Strecke dorthin sollen in vier Jahren die Hochgeschwindigkeitszüge in sieben Sekunden erreichen –  auf der Filstalbrücke, dem markantesten und höchsten Bauwerk der neuen Schnellbahntrasse von Stuttgart nach Ulm.

Noch ragen erst fünf der zehn Brückenpfeiler in die Höhe. Damit sie später auch Stürmen trotzen, sind die Pfeiler 25 Meter tief in den Boden einbetoniert. Seit ein paar Tagen wächst die Brücke auch in die Horizontale.  Herzstück hierfür ist die Vorschubrüstung, die wie ein langer Schlitten aussieht. Zwei Monate montierten die Arbeiter der Firmen Bögl und Porr das 800 Tonnen schwere und 100 Meter lange Ungetüm mit 10.000 Bolzen zusammen.

An der Rüstung hängen die Brückenbauer derzeit die Querträger und die Außenschalung an. Zum Einsatz kommen hier die bis zu 115 Meter hohen Baukräne, die man normalerweise für den Aufbau von Windkraftanlagen benötigt. Die Kräne sind sogar vom Degginger Osterbuch in sieben Kilometer Entfernung zu sehen.

Die Schalung wird später  hydraulisch an den Vorschub gepresst und ausbetoniert. Im März soll es damit losgehen: Schritt für Schritt schiebt sich die freischwebende Rüstung dann übers Filstal und wird in zehn Abschnitten von jeweils 50 Metern Länge ausbetoniert. Dabei liegt sie auf den ausgehärteten Betonteilen und auf den Pfeilern auf. Das fasziniert sogar die erfahrenen Arbeiter. „Stellen Sie sich das mal vor, der frische Beton trägt das ganze Gewicht der Vorschubrüstung“, sagt einer von ihnen stolz, als der Medientross vorbeikommt. Der Mann übertreibt ein wenig: Zur Sicherheit werden zwischen den Pfeilern zusätzlich acht Hilfsstützen aus Stahlgitter montiert, die später wieder abgebaut werden.

Bis Ende des Jahres  soll die Brücke den gegenüberliegenden Hang der Todsburg erreicht haben, erklärt Projektleiter Müller.  Dann geht es für die Vorschub­rüstung retour, um ein paar Meter nebenan wieder von vorne zu beginnen. Die Filstalbrücke besteht nämlich aus zwei getrennten Tragwerken, für jede Fahrtrichtung eine.  Dies ist notwendig, weil die beiden Tunnel aus je zwei eingleisigen Röhren bestehen.

Die Filstalbrücke ist geplant, dass sie mindestens 100 Jahre überdauert.  Müller hält  sogar die doppelte Lebensdauer für realistisch.  Ob sie dann saniert oder neu gebaut werden muss, weiß der Projektleiter nicht. Klar ist für ihn nur: „Ich bin dann nicht mehr dafür zuständig.“