Der Kopfsalat mit den Plakaten vor Wahlen mag den Freunden eines „herausragenden optisch-ästhetischen, städtebaulichen und kulturellen Ereignisses“ gar nicht munden. Treue Leser dieser Kolumne wissen natürlich sofort, worum es bei diesem Ereignis geht. Richtig! Um die Bundesgartenschau in Heilbronn.

Die Ästhetik-Abteilung im Rathaus hat „ein herausragendes Interesse an einem ansprechenden und gepflegten Stadtbild, insbesondere aber der Zu- und Abgangsstraßen“. Denn auf selbigen sollen bekanntlich rund 2,2 Millionen Besucher die Buga erreichen. Es handle sich also um „Schaufenster und Visitenkarte der Stadt“.

Deshalb wurde für den Gemeinderat eine Vorlage formuliert, wonach rund um die Buga eine Bannmeile ausgewiesen werden soll wie schon für die Prostitution geschehen. In dieser Boykottzone wäre keine Werbung für die Wahl zum Europaparlament und für den Gemeinderat zugelassen. Obwohl zwischen Buga-Start am 17. April und Wahltermin am 26. Mai nur 39 Tage liegen, musste das Ratsgremium über das Plakatverbot abstimmen.

Doch eine Mehrheit folgte den Ästhetikern nicht. Deshalb dürfen in der Bannmeile zwar keine einzelnen Köpfe und Parolen zur Schau gestellt werden. Aber Wesselmänner sind auch in Buga-Nähe zugelassen. Das sind jene Konstruktionen für die großformatige Reklame, die nach ihrem Bochumer Anbieter benannt sind. Auch Auswärtige könnten den Anblick ertragen, hieß es. Denn Wahlkampf sei ein Teil der politischen Willensbildung.