Langenau / Von Karin Mitschang

Die großen Kästen im Dach der Martinskirche waren eigentlich für Schleiereulen gedacht, doch seit 2001 brütet hier der Wanderfalke, der schnellste Vogel der Welt – und hat die Turmfalken verdrängt. „Wir sind nur drauf gestoßen, weil eines Tages ein Junges im Kirchhof saß.“ Günter Herrmann aus Langenau erfuhr von „Storchenpapa“ Hans Frölich aus Bernstadt davon. Seither schaut der Rentner immer ab Ende Februar ins Nest, und zwar für die Vögel unbemerkbar über Gucklöcher aus dem dunklen Raum. Meist werden ein bis vier Jungtiere groß. Die sind robust, sagt Herrmann. Das Kleine aus dem Kirchhof hat – wieder in den Kasten gesetzt – überlebt.

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Dass die Wildtiere, die im Sturzflug auf andere Vögel angeblich bis zu 400 Stundenkilometer erreichen, wehrhaft sind, hat Herrmann schon 2002 erfahren: Als Dieter Rockenbauch zum Beringen der Jungtiere in Langenau war – und keine Lederhandschuhe trug. „Er wollte den Altvogel auch beringen, und als der sich in seine Hand krallte, spritzte das Blut.“ Doch der Ornithologe ließ nicht locker und beringte den Raubvogel. Herrmann: „Ich konnte nur noch staunen.“ Doch der Wanderfalke kann auch fürsorglich sein. Eine  berührende Szene war für den Rentner, als ein totes Jungtier einmal im Nest lag. „Der Altvogel hat mit dem Schnabel immer wieder einen Fuß hochgehoben und losgelassen, als wolle er das Kleine zum Leben erwecken. Das ist mir schon nahe gegangen.“

Rockenbauch, der 2018 gestorben ist, hatte sich jahrzehntelang dem Wanderfalkenschutz verschrieben und geholfen, dass sich die Population nach dem Tiefpunkt Anfang der 70er Jahre erholt hat. Zum einen hatte damals ein Pflanzenschutzmittel die Eier fragil gemacht, zum anderen bekämpften Brieftauben-Züchter den Wanderfalken.

Angriffe mit Gift

Von Eierklau zwecks Verkaufs der Falken nach Dubai bis hin zu mit Widerhaken oder Gift präparierten, alten Tauben ist die Rede unter den Freunden des Wanderfalken, weiß Herrmann. Der Werkzeugmacher, der in der AG Donaumoos aktiv ist und für sein Leben gerne Fotos in der Natur aufnimmt, musste deshalb zu einem Bericht über den Vogel erst überredet werden.

Nach Rockenbauch hat Andreas Buck aus Sonderbuch das Beringen der Langenauer Wanderfalken, die 32 Tage lang brüten, übernommen. Das freute die Arbeitsgemeinschaft Wanderfalkenschutz, die in Baden-Württemberg zuletzt weit mehr als 500 Horste verzeichnet hat. Buck befürchtet ebenso wenig wie die Untere Naturschutzbehörde in Ulm, dass sich nach einem Bericht Angriffe häufen. Buck: „Im Gegenteil: Je mehr davon wissen, desto weniger traut sich jemand was.“ Günter Herrmann geht auf Nummer sicher. Der 78-Jährige hat nach einem Schwund von Eiern 2003 den Zugang abgeriegelt: „Den Schlüssel zum letzten Teil oben im Dach habe nur ich.“ Derzeit werden drei Eier ausgebrütet.

Alle Störche sind schon da

Horste Laut Hans Frölich sind alle Langenauer Horste wieder von Störchen bevölkert. Auf dem Steiger-Haus (Hindenburgstraße) wurde ein Kamin mit einem Dach vor dem Nestbau geschützt. Daneben sollte ein Nest aufgebaut werden, doch die Störche kamen dem zuvor und haben „wild gebaut“.

Projekt Wie Bürgermeister Daniel Salemi auf Anfrage bestätigt, wird es auch auf dem künftigen Wörth-Kindergarten ein Storchennest geben. Der Statiker sei derzeit an der Berechnung. Salemi: „Die Störche sind eine tolle Sache für Langenau. Der Kindergarten freut sich drauf.“