Serie Adventsgeschichte Die Macherinnen des Engelwegs im Glottertal

Macherinnen aus dem Glottertal: Marlene  Heizmann (hinten) und Carola Gschwander auf dem Engelweg.
Macherinnen aus dem Glottertal: Marlene Heizmann (hinten) und Carola Gschwander auf dem Engelweg. © Foto: Christina Dages
Glottertal / Petra Walheim 01.12.2018

Marlene Heizmann geht voran. Gerade hat sie den Engelweg an der Fußgängerbrücke beim Rathaus in Glottertal im Schwarzwald eröffnet, begleitet von weihnachtlichen Liedern der  Akkordeon-Trachtengruppe. Nun marschiert die Vorsitzende des Tourismus-Vereins Glottertal mit einer kleinen Gruppe los, um auch die anderen Kerzen an den Engelgruppen anzuzünden. „Anleuchten des Engelwegs“ heißt dieser erste Rundgang. Danach sorgen bis zum 6. Januar die Paten der Engel-Stationen dafür, dass die Kerzen brennen.

Menschen zu finden, die sich um die Engel im Dreierpack, um die Deko und die Lichter kümmern, sei kein Problem gewesen, sagt Marlene Heizmann. Keiner, den sie gefragt hat, habe „Nein“ gesagt. Der anfangs umstrittene „Glottertäler Engelweg“ hat eine steile Karriere hingelegt. 18 Stationen hatte der knapp drei Kilometer lange Spazierweg rund ums Glottertal am Anfang. Das war im Winter 2011. Sieben Jahre später sind es 29. „Damit ist er fertig“, sagt Marlene Heizmann. „Mehr geht nicht.“

Anfangs auch Gegenwind

Gemeinsam mit Carola Gschwander hat sie den Engelweg angelegt. Wie so oft gab es gegen die neue Idee Widerstände. „Aber wir haben uns durchgesetzt“, freut sich Carola Gschwander. Sie konnte aus persönlichen Gründen in diesem Jahr beim Anleuchten nicht dabei sein. Doch sie begleitet den Engelweg von Anfang an mit ihren Ideen, war und ist noch immer kreative Impulsgeberin.

Marlene Heizmann hat den ersten Engel vor  Jahren ins Tal gebracht. Sie hatte in Freiburg die Plaza Culinaria besucht, eine kulinarische Messe – und sich in einen dort ausgestellten  Engel verliebt. Sie konnte nicht anders, sie musste ihn kaufen und mit ins Glottertal nehmen. Im Garten bekam der Engel seinen Platz, so dass ihn jeder sehen konnte. Auch Carola Gschwander. Die hatte da schon damit begonnen, in der Adventszeit eine kleine Grotte, die neben ihrer Pension „Roseneck“ liegt, mit Lichtern und einer Krippe zu schmücken. „Eine Glottertälerin hat mir dann gesagt, wie gut ihr das tue, in der mit Kerzen beleuchteten Höhle zu sein, zur Ruhe zu kommen, abzuschalten“, erzählt Carola Gschwander. „Das und der Engel in Marlenes Garten haben mir den Impuls für den Engelweg gegeben.“

In einer Ortsversammlung, in der es um Projekte für ein Förderprogramm des Landes ging, haben die zwei Frauen ihre Idee vorgestellt. „Der Engel hat keinem gefallen“, erinnern sie sich. „Aber wir haben uns durchgesetzt und den Weg einfach angelegt“, sagt Frau Gschwander. Wobei das nicht so einfach war. Viel Rennerei sei es gewesen, bis die Route feststand und alle Grundstücksbesitzer einverstanden waren, dass auf ihrem Grund und Boden Engelgruppen aufgestellt werden, berichtet Marlene Heizmann.

Mit 18 Stationen ging das Projekt an den Start. Klaus Ruf vom Bauhof hatte mit einem Helfer die Engel aus heimischem Holz nach Frau Heizmanns Engel gestaltet. Die Flügel aus Metall hat er mit der Feuerwehr-Jugend hergestellt. Jede Gruppe besteht aus drei Engeln. Meist erleuchten Kerzen die „Flügelwesen“.

So nennt der Bildhauer und Künstler Simon Stiegeler aus Grafenhausen im Kreis Waldshut seine Figuren.  Er ist 2015 dazu gestoßen und hat „Flügelwesen“ für den Weg gestaltet. Weil sie recht eigenwillig daher kommen, so ohne Arme und Gesichter, mögen viele sie erst auf den zweiten Blick. Inzwischen stehen sie auch in privaten Gärten.

Auf dem Kreativplatz, einer Station des Wegs, stehen drei seiner „Flügelwesen“ aus altem Glottertäler Rebholz. Sie sind riesig und scheinen den Platz zu bewachen. Denn darauf stehen Engel aller Art von Künstlern, Kindern, Einheimischen. „Jedes Jahr kommt etwas Neues dazu“, sagt Marlene Heizmann. Die Rebhäusle seien mit Krippen ausgestaltet worden. Immer mehr Engel bevölkern den Weg. Auch die Deko sei jedes Jahr anders. Daran beteiligen sich auch die Kinder des Kindergartens, der am Weg liegt.

Man kommt ins Gespräch

In jeder Gruppe trägt ein Engel einen besinnlichen Spruch auf einem Flügel. Dafür ist Barbara Hofmann zuständig. „Der Engelweg ist ein Projekt von vielen Glottertälern. Das verbindet“, sagt Marlene Heizmann. Und fördert die Kommunikation: Besucher und Glottertäler treffen sich auf dem Weg. Immer wieder erfahre sie, dass sich Menschen, die sich lange nicht gesehen haben, hier begegnen und wieder ins Gespräch kommen. „Auch das ist der Sinn des Engelwegs.“

Arbeit für Weihnachten, Arbeit mit Weihnachten

Engelweg-Macherinnen, Weihnachtsstern-Gärtner oder Krippenfigurenverkäufer: In unseren Serie „Adventsgeschichte“ lernen Sie in den nächsten drei Wochen Menschen kennen, die sich mit ihrer Arbeit besonders am oder fürs Weihnachtsfest engagieren – damit die Festtage auch dieses Jahr besondere Tage werden.

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