Falscher Doktor Der Arzt war eigentlich ein Maler

Mannheim / Ulrich Willenberg 03.12.2018

Mit gefälschten Urkunden hat sich ein 38-Jähriger die Approbation als Arzt und Psychologe erschlichen. Studiert hat der Deutsch-Ungar jedoch nie. Von Beruf ist er Maler und Lackierer. Das Mannheimer Schöffengericht verurteilte ihn jetzt zu zwei Bewährungsstrafen. Der Angeklagte habe sich unberechtigt als „Dr.med. Dipl.-Psych.“ in Mannheim niedergelassen , sagte der Vorsitzende Richter Michael Eichhorn und sprach von einem „Vertrauensmissbrauch“ gegenüber den Patienten. Die seien aber „nicht völlig unzufrieden“ mit der Arbeit des falschen Doktors, so der Richter. Keiner habe Strafanzeige gestellt.

Das Fachwissen habe er sich „angelesen und Fortbildungen besucht“, berichtete der Angeklagte. Und von seinen Patienten ein „gutes Feedback“ erhalten. Es gebe „keinen Hinweis“, dass sein Mandant einen Schaden verursacht hat, sagte Verteidiger Wolfgang Stahl. Die Praxis für Psychosomatik und Psychotherapie, Kinder- und Jugendpsychotherapie lag in der Mannheimer Innenstadt. Ganz in der Nähe des Gerichts. Von 2015 bis 2016 erhielt der Angeklagte Honorare von der Kassenärztlichen Vereinigung in Höhe von 111 000 Euro.  Um seine Approbation in Deutschland zu erlangen, hatte er gefälschte Urkunden einer ungarischen Uni vorgelegt. Demnach hat er ein Psychologiestudium sowie eine Ausbildung zum Kinder- und Jugendpsychotherapeuten abgeschlossen. Zudem kaufte er sich eine gefälschte Promotionsurkunde, die ihn als Doktor der Medizin auswies. Insgesamt habe er dafür 7000 Euro bezahlt, sagte er der Angeklagte.

Das Gericht befand ihn jetzt der Urkundenfälschung, des Betruges sowie des Missbrauchs von Titeln und Berufsbezeichnungen für schuldig. Richter Eichhorn geht von einer „positiven Sozialprognose“ aus. Der Angeklagte habe sein Leben „grundlegend geändert“ und arbeite als Rettungssanitäter in Berlin. Diese Ausbildung hat er tatsächlich absolviert.

Geblieben ist ein Schuldenberg

Jetzt sitzt er auf einem Schuldenberg Denn die Kassenärztliche Vereinigung Baden-Württemberg verlangt die zu Unrecht gezahlten Honorare zurück. Davon sei „so gut wie nichts übrig geblieben“, so der Angeklagte. Er habe damals Steuern entrichtet und Mitarbeiter bezahlt.

Der Mannheimer Fall ist nicht einzigartig. Immer wieder gelingt es Möchtegernmedizinern, ohne Zulassung als Arzt zu arbeiten. Bekanntes Beispiel ist der Fall des Postzustellers und Hochstaplers Gert Postel. Der machte zunächst als Dr. Dr. Bartholdy „Karriere“. So wurde er 1982 stellvertretender Amtsarzt in Flensburg. Als dies aufflog, kam er mit einer einjährigen Bewährungsstrafe davon, schrieb über seine Zeit als „Amtsarzt“ ein Buch und machte unbeeindruckt weiter. Er arbeitete in mehreren Kliniken. 1999 wurde er schließlich zu vier Jahren Haft verurteilt.

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