Friedrichshafen Landshut: Das passiert mit dem entführten Lufthansa-Flugzeug

Friedrichshafen / David Nau 20.09.2018
1977 wurde das Flugzeug von Terroristen entführt, jetzt beginnen die Arbeiten für eine Ausstellung in Friedrichshafen.

Vor ziemlich genau einem Jahr war die Freude in Friedrichshafen groß. Am 23. September setzte auf dem dortigen Bodensee-Airport ein riesiges Antonov-Transportflugzeug und eine zweite Transportmaschine auf –  an Bord: lebendige deutsche Geschichte. Im Bauch der Frachtmaschinen wurde die wohl bekannteste Lufthansa-Maschine zurück nach Deutschland gebracht. Die „Landshut“ war im Oktober 1977 auf dem Flug von Mallorca nach Frankfurt von palästinensischen Terroristen entführt und nach einer Odyssee im somalischen Mogadischu von Spezialkräften der GSG 9 wieder befreit worden.

Im vergangenen Jahr viel passiert

Seit einem Jahr liegt die Maschine, die nach dem Verkauf durch die Lufthansa noch einige Jahre im Einsatz war, zuletzt als Frachtmaschine in Brasilien, nun wie ein gerupfter Vogel im Hangar in Friedrichshafen. Die Tragflächen und Leitwerke sind demontiert, das Innere ist heruntergekommen. Viel passiert ist seit der Ankunft nicht, sagen Kritiker. „Vollkommener Blödsinn“, sagt hingegen David Dornier, Enkel des Friedrichshafener Luftfahrtpioniers Claude Dornier und Direktor des gleichnamigen Museums, in dem die Landshut künftig ausgestellt werden soll. Hinter den Kulissen sei im vergangenen Jahr vieles passiert. So habe man etwa eine Vereinbarung mit der Bundesregierung geschlossen, die die Kosten für die Restaurierung der Maschine, Bau einer Museumshalle und Erstellung eines Museumskonzepts zugesagt habe.

In der Öffentlichkeit jedoch hatte das Projekt seit Ankunft der Landshut vor allem wegen Verzögerungen Schlagzeilen gemacht. Zunächst sprach David Dornier davon, dass die Maschine ab 2019 besichtigt werden könne, danach korrigierte er sich auf 2022. Ob dieser Termin zu halten ist, ist unklar. „Ich werde nicht mehr sagen, wann es fertig sein wird“, sagt Dornier heute. Die ersten Terminangaben seien „euphorisch“ und „ein Fehler“ gewesen.

Nun kommt aber tatsächlich Bewegung in das Vorhaben. Zwei wissenschaftliche Mitarbeiter werden sich von jetzt an darum kümmern, eine Ausstellung rund um die Landshut zu erarbeiten: Politikwissenschaftler Jannik Pfister und Kunsthistorikerin Barbara Wagner. Wie die Präsentation der Landshut künftig aussehen soll ist noch unklar, die Forschungsarbeit der beiden Wissenschaftler steht noch ganz am Anfang. Klar ist lediglich: „Wir werden die Landshut in den zeitgeschichtlichen Kontext einbetten“, sagt Pfister. Die Schau solle sich zwar hauptsächlich mit der Entführung des Flugzeugs beschäftigen, werde aber auch die RAF zum Thema haben. „Wir haben es hier mit erlebter Geschichte zu tun: Viele Besucher haben die Zeit der RAF, zum Beispiel die vielen Polizeikontrollen, selbst miterlebt“, sagt Kuratorin Wagner. Wie lange sie für die Forschungsarbeit brauchen werden, können die beiden Experten noch nicht genau sagen. Die Entführung der Maschine sei zwar wissenschaftlich bereits gut aufgearbeitet, zum RAF-Hintergrund und zum politischen Umgang mit dem Fall gebe es aber noch viele Fragen, erklärte Pfister.

Um die Geschichte der Landshut auch „fundiert und wasserdicht“ erzählen zu können, müssen die beiden Wissenschaftler zunächst in die Archive gehen und nach weiteren Exponaten suchen. Denn nur die Landshut auszustellen reiche nicht, sagt Pfister. „Toll wäre, wenn man etwa die Kosmetikkoffer bekäme, in denen die Handgranaten ins Flugzeug geschmuggelt wurden“, sagt er. Wagner und Pfister hoffen auch darauf, dass möglicherweise Privatpersonen noch interessante Exponate zu Hause haben.

Finanzfragen scheinen geklärt

Unklar war bislang auch, wer für die laufenden Kosten der neuen Landshut-Schau aufkommen soll. Zwar hat die Bundesregierung zugesagt, für die Restaurierung, den Bau eines Hangars und die Mitarbeiter für die Erstellung eines Museumskonzeptes rund 10 Millionen Euro bereitzustellen – für die Unterhaltskosten kommt der Bund jedoch nicht auf. Dornier geht davon aus, dass die geschätzt 200 000 Euro zumindest am Anfang kein Problem werden. „Die sind durch die erhöhten Besucherzahlen locker drin“, sagt der Museumsleiter. Nach einigen Jahren könnten die Besucherzahlen jedoch zurück gehen – dann will Dornier Hilfe vom Bund. Er klingt optimistisch, die auch zu bekommen und führe gerade intensive Gespräche in Berlin.

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Deutscher Herbst

Terror September und Oktober 1977 gingen als deutscher Herbst in die Geschichte ein. Mit der Entführung der Landshut wollten palästinensische Terroristen die in Stuttgart-Stammheim inhaftierten RAF-Gründer freipressen. Zugleich hatte die RAF den Arbeitgeberpräsidenten Hanns Martin Schleyer entführt. Er wurde nach der Befreiung der Landshut ermordet, die RAF-Gründer begingen im Gefängnis in Stammheim Selbstmord.

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