Angesichts der Corona-Krise und der teils weiter bestehenden Reiseeinschränkungen wird empfohlen, den Urlaub 2020 in Deutschland zu machen. Viele nehmen das gerne wahr: Frei nach dem Motto „ich bleib dann mal hier“ boomen der Urlaub daheim, das Camping und vor allem Tagesausflüge mit Freunden und der Familie.
Doch das bringt auch Gefahren mit sich, welche die Rate der Neuinfektionen wieder steigen lassen könnten. So erlebte zum Beispiel jüngst nicht nur die Ostseeküste einen derart großen Ansturm sonnenhungriger Urlauber und Ausflügler, dass dort angesichts drängender Enge an den Stränden bereits der Zugang beschränkt werden musste. Auch die Badeseen im Südwesten sind allzu beliebte Ziele für Ausflügler vor allem an den Wochenenden. Manche Seen sind derart überfüllt, dass die Polizei und die Gemeinden einschreiten mussten.
10 Dinge, die man beim Baden beachten muss

Achtung 10 Dinge, die man beim Baden beachten muss

Überfüllte Badeseen bergen Gefahr von Corona-Hotspots

Einige Beispiele für überfüllte Seen im Land:
  • Wie der SWR meldet, musste am Sonntag der Silbersee in Bobenheim-Roxheim wegen Überfüllung gesperrt werden. Das Sicherheitskonzept der Gemeinde sah maximal 800 Gäste, die sich gleichzeitig am Silbersee aufhalten dürfen vor.Doch die Zahl war bald erreicht, der Zugang wurde gesperrt.
  • Ähnlich verhielt es sich „Bild“ zufolge am Aileswasensee bei Neckartailfingen. Am sonntag seien schon vormittags die 650 erlaubten Plätze voll gewesen, tausende Menschen seien dicht nebeneinander gelegen.
  • Auch am Breitenauer See bei Obersulm (Kreis Heilbronn) sollen sich nach Schätzungen der Polizei rund 10.000 Besucher aufgehalten haben. „Die Zustände waren bedenklich“, sagte ein Sprecher. Zeitweise sei die Zufahrt gesperrt worden. Im Vorfeld hatten der Naherholungszweckverband Breitenauer See und die Gemeinde Obersulm von einem Besuch des Sees abgeraten. „Bleiben Sie an Schönwetterwochenenden wie dem kommenden dem Breitenauer See fern“, hieß es zuvor in einem Appell. Am Dienstag wurde dann beschlossen, den See von Freitag an komplett zu sperren.
  • Am Badesee Plüderhausen (Rems-Murr-Kreis) fanden Badegäste am Wochenende kaum einen Liegeplatz und mussten teils am Weg entlang der Liegewiese abwarten. Auch in den langen Warteschlangen am Kiosk und vor den Toiletten ist es schwierig, den Mindestabstand einzuhalten, berichten Besucher gegenüber der SWP. Der See zwischen Schurwald und Welzheimer Wald zieht vor allem Wasserfreunde aus dem Großraum Stuttgart an.

Tödlicher Badeunfall in See

Solche überfüllten Seen bergen nicht nur die Gefahr, zu Corona-Hotspots mit steigenden Infektionszahlen als Folge zu werden. Es gibt auch Badeunfälle:
  • Ein 60-Jähriger ist nach einem Badeunfall in einem See bei Rheinstetten (Kreis Karlsruhe) gestorben. Taucher bargen den Mann am Sonntag in etwa zehn Metern Tiefe aus dem Wasser, wie die DLRG (Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft) mitteilte.
  • An einem Baggersee im Kreis Karlsruhe mussten Rettungskräfte am Sonntag eine junge Frau ans Ufer bringen, „die sich trotz schlechter Schwimmfähigkeit ins Wasser begeben hatte und in Panik geraten war.

Neckartailfingen

DLRG besorgt wegen überfüllter Seen

Simon Deck von der DLRG Karlsruhe zeigte sich durch die hohen Besucherzahlen an den Badeseen in der Region besorgt. „Gerade weil der Besuch von Schwimmbädern noch eingeschränkt ist, erinnern wir mit Nachdruck daran, dass man nur als geübter Schwimmer im Badeseen abseits der Hüfttiefe schwimmen sollte und selbst dann nicht vor einem Unfall gefeit ist.“

Sozialminister Manne Lucha appelliert an Vernunft beim Baden

Sozialminister Manne Lucha (Grüne) fand angesichts der Vorfälle und des Ansturms auf die Badeseen klare Worte und appelliert an die Vernunft der Besucher. „Manche scheinen zu vergessen, dass wir uns noch mitten in der Pandemie befinden“, sagte der Grünen-Politiker. „Wir sehen diese Entwicklung mit Sorge.“ Wer sich mit Hunderten von Menschen auf engem Raum tummele und die Abstandsregeln ignoriere, handele fahrlässig.

Auch in Bayern mehr Menschen an den Seen

Für die bayerischen Wasserretter ist dieser Sommer besonders anstrengend. Mit Beginn der Badesaison seien die Einsätze der Schnell-Einsatz-Gruppen in Deutschland und in Bayern sprunghaft angestiegen, sagte der Sprecher der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) in Bayern, Michael Förster in München. Das liege auch an den vielen Badegästen, da viele Menschen in diesem Sommer nicht verreisten. An den Gewässern seien bis zu 50 Prozent mehr Leute, als in früheren Jahren.
Viel Betrieb herrscht an den Flüssen und Seen nicht nur am Wochenende. Auch werktags seien sie in diesem Jahr viel stärker besucht als sonst, berichtete Förster. Und noch etwas beschäftigt die Helfer: „Die Badestrände werden als Party-Location genutzt.“