• Beim Corona-Gipfel mit Bundeskanzlerin Angela Merkel und den Ministerpräsidenten der Länder wurde der Lockdown verlängert.
Für Eltern und Jugendliche in Baden-Württemberg ist nach den langen Diskussionen um eine Öffnung der Schulen und den Präsenzunterricht eine der brennendsten Fragen: Wann geht es mit Schule und Kita im Südwesten wieder los? Bundesweit scheint die Lage nach dem Corona-Gipfel klar: Alle Schulen bleiben dicht bis einschließlich 14.2.2021.

Öffnung von Schule und Kita: Was Baden-Württemberg plant

Doch Baden-Württemberg schert trotz der Gipfel-Entscheidung aus: BW-Ministerpräsident Winfried Kretschmann will eine schrittweise Öffnung von Grundschule und Kita im Land voraussichtlich vom 1.2.2021 an. Er strebe an, Kitas und Grundschulen vorsichtig wieder aufzumachen, „wenn die Infektionslage das zulässt“, sagte der Grünen-Politiker.
Wie das umgesetzt werden soll, wird von der Landesregierung Baden-Württemberg in Stuttgart gerade geplant. Regierungssprecher Rudi Hoogvliet erklärte dazu auf Anfrage, dass die schrittweise Öffnung von Grundschule und Kita am 1. Februar noch beschlossen werden müsse. Baden-Württembergs Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) solle ein Konzept zu dieser schrittweisen Öffnung erstellen.

Wann genau soll Schule und Kita in BW starten? Wechselunterricht ab 22.2. geplant

Eisenmann schreibt in einem Brief an das Staatsministerium, der der Deutschen Presse-Agentur vorliegt, dass die Grundschulklassen wie folgt wieder in den Unterricht zurückkehren könnten:
  • Klasse 1 und Klasse 2 in der ersten Februarwoche.
  • Klasse 3 und Klasse 4 in der zweiten Februarwoche.
  • Kitas in BW sollen ab 1. Februar mit Betrieb in festen Gruppen wieder komplett öffnen.
  • Klasse 5 bis Klasse 7 soll es zunächst Wechselbetrieb geben.
  • weiterführenden Schulen spätestens nach der Faschingswoche, ab 22.2., mit dem Wechselunterricht.
  • Präsenzpflicht bleibe weiterhin ausgesetzt.

Entscheidung über Öffnung von Grundschule und Kita in BW kommende Woche

Diese Pläne sind aber abhängig von der Entwicklung der Fallzahlen im Südwesten. Die Zahlen in BW aktuell seien mit einer sinkenden 7-Tage-Inzidenz, die zurzeit 104,8 betrage, erfreulich, aber noch kein Grund zur Entwarnung. Insgesamt sei die Entwicklung „das Signal, auf das wir gewartet haben“, so Hoogvliet. Entschieden werde über eine Schul-Öffnung kommende Woche. Und: Berufsschulen und weiterführende Schulen blieben auch in Baden-Württemberg so wie in ganz Deutschland geschlossen, betonte der Regierungssprecher.

Corona-Lockdown für Schule und Kita - Baden-Württemberg setzt Präsenzpflicht aus

Der Umgang mit den Schulen hatte bei den Beratungen der Ministerpräsidenten mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU) lange für Streit gesorgt. Insbesondere Merkel hatte darauf gedrungen, Kita und Schule bis Mitte Februar noch geschlossen zu lassen. Am Abend betonte sie in Berlin noch einmal, es gebe „ernstzunehmende Hinweise“, dass die Mutation sich unter Kindern und Jugendlichen stärker verbreite als das bisher bekannte Virus. Deshalb habe man sich nach langem Ringen auf eine „restriktive Umsetzung“ des Lockdowns an den Schulen verständigt.
Allerdings sind die Länder für die Bildungspolitik zuständig, und der Beschluss lässt ihnen auch diesmal Spielraum. Demnach ist Präsenzunterricht möglich, wenn die Präsenzpflicht ausgesetzt ist. Das ist in Baden-Württemberg schon seit Sommer der Fall.
Mit einer Lockerung würde Baden-Württemberg, das in vielen Bereichen einen strengen Corona-Kurs fährt, einen Sonderweg beschreiten. Kretschmann begründete seinen Plan folgendermaßen: „Die Kleinsten leiden aber am meisten darunter, wenn sie nicht mit anderen Kindern in Kontakt kommen können. Für sie ist der Präsenzunterricht an den Schulen am wichtigsten.“ Denkbar ist, dass in einem ersten Schritt die ersten und zweiten Klassen in den Grundschulen zum Zuge kommen. Für die meisten Schülerinnen und Schüler der weiterführenden Schulen soll es bis zum 14. Februar weiter nur Fernunterricht geben.

Schule BW: Kretschmann will Start in Grundschulen nur in geteilten Klassen

Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann hat die geplante Öffnung von Kitas und Grundschulen vom 1. Februar an verteidigt. Er sei überzeugt, dass diese Entscheidung „verantwortbar“ sei, wenn die Infektionszahlen weiter sänken, sagte der Grünen-Politiker am Donnerstag im Landtag in Stuttgart. „Dabei gehen wir nicht mit der Brechstange vor, sondern mit Umsicht und Vorsicht.“ Es werde nur eine schrittweise Öffnung bei den Grundschulen geben. Höchstens die Hälfte einer Klasse könne zur selben Zeit unterrichtet werden, sagte Kretschmann. Die Fasnachtsferien vom 15. Februar an werde man nutzen, um nachzuvollziehen, ob sich das Infektionsgeschehen durch die Öffnung geändert habe.
Noch sind die Grundschulen in Baden-Württemberg leer. Doch geht es nach Ministerpräsident Kretschmann könnte sich das Anfang Februar ändern - wenn das Infektionsgeschehen das zulässt.
Noch sind die Grundschulen in Baden-Württemberg leer. Doch geht es nach Ministerpräsident Kretschmann könnte sich das Anfang Februar ändern - wenn das Infektionsgeschehen das zulässt.
© Foto: Arne Dedert/DPA
Kretschmann betonte, der Beschluss von Bund und Ländern vom Dienstag lasse dies zu. Auch in anderen Bundesländern seien Kitas und Grundschulen bereits geöffnet. Baden-Württemberg gehe also keinen „Sonderweg“ oder beschreite „Nebenpfade“. Die weiterführenden Schulen blieben zunächst weiter geschlossen, die Ausnahmen für Abschlussklassen erhalten. Er verwies auch auf die anderen Bundesländer: „Die weiterführenden Schulen sind überall geschlossen für den Präsenzunterricht.“

Kultusministerin Eisenmann erfreut über Schritt

Kultusministerin Eisenmann zeigte sich erfreut über die geplante Öffnung von Grundschulen und Kitas ab Februar. „Kultusministerin Eisenmann setzt sich seit Wochen dafür ein, differenziert nach dem Alter vorzugehen und Kitas und Grundschulen baldmöglichst zu öffnen“, teilte ein Sprecher am Dienstagabend mit. „Insofern begrüßt sie die Ankündigung des Ministerpräsidenten ausdrücklich.“
Eisenmann, die auch CDU-Spitzenkandidatin ist, hatte massiv darauf gedrungen, beides schon nach den ohnehin schon verlängerten Weihnachtsferien wieder zu öffnen - „unabhängig von den Inzidenzzahlen“. Doch Kretschmann hatte sich wegen des immer noch hohen Infektionsniveaus dagegen entschieden, Kitas und Grundschulen schon im Januar wieder zu öffnen.

FFP2-Masken für Lehrer in Schulen gefordert

Eisenmann fordert von Gesundheitsminister Manne Lucha (Grüne) angesichts der geplanten Rückkehr an die Schulen eine Ausstattung der Lehrer mit FFP2-Masken - „für die Begegnung der Erwachsenen im Lehrerzimmer oder auf den Bewegungsflächen wie Fluren oder Treppenhaus“. An weiterführenden Schulen im Land gilt seit Mitte Oktober eine Maskenpflicht. An Grundschulen werde dies aus pädagogischen und infektiologischen Gründen weiterhin nicht angestrebt, heißt es aus dem Ministerium.

Gewerkschaft hält geplante Kita- und Schulöffnung in BW für „utopisch“

Die geplante Öffnung von Grundschulen und Kitas ab Februar ist nach Einschätzung der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) angesichts fehlender Schutzmasken und mangelnden Personals nicht umsetzbar. So lange noch Sicherheitsmaßnahmen fehlten, sei ein solcher Schritt für Kitas und Schulen ab dem 1. Februar in der aktuellen Corona-Situation utopisch, sagte die GEW-Landesvorsitzende Monika Stein am Mittwoch in Freiburg.
„Die Sicherheit von Kindern, Jugendlichen und den pädagogischen Profis in Kitas und Schulen muss aber immer unser höchstes Ziel sein.“ Es wünschten sich zwar alle, wieder in die Kitas und Klassenzimmer zurückkehren zu können. „Wenn das aber aufgrund der Infektionszahlen oder aufgrund der Gefahr durch neue Virusvarianten nicht möglich ist, müssen leider Kitas und Schulen geschlossen bleiben“, sagte Stein.