• Beim nächsten Corona-Gipfel am 03.03.2021 mit Kanzlerin Angela Merkel und den Länder-Chefs wird es auch um die Öffnung von weiterführenden Schulen gehen.
  • SPD-Spitzenkandidat Stoch will derweil einen „Schutzschirm“ für corona-geplagte Schüler aufspannen
Wie geht es weiter mit den Schulen in Baden-Württemberg? Grundschulen und Kitas sind wieder unter Bedingungen wie Wechselunterricht geöffnet worden – für Eltern und Schülerinnen und Schüler sowie für Lehrerinnen und Lehrer und Erzieherinnen und Erzieher ist ein Stück Normalität zurückgekehrt.
Die Lockerung gilt aktuell aber nur für die kleinsten Eleven, die jetzt wieder weitgehend live die Schulbank drücken dürfen. Das Kultusministerium in Stuttgart hat offenbar Pläne auch für die anderen Schularten. Das Thema Schule ist heiß diskutiert und wird sicher auch beim TV-Duell von MP Winfried Kretschmann und Kultusministerin Susanne Eisenmann im SWR eine große Rolle spielen.

Susanne Eisenmann will mit Tests weitere Schulen in BW öffnen

Kultusministerin Susanne Eisenmann (56/CDU), die auch CDU-Spitzenkandidatin bei der Landtagswahl 2021 ist, will trotz der auch in Baden-Württemberg wieder steigenden 7-Tage-Inzidenz auch die weiterführenden Schulen in Baden-Württemberg wieder öffnen – und das sogar schon bald. Sie strebt eine Rückkehr zum Präsenzunterricht am 8.03.2021 an. Das fiele mit dem Ende bis 7.03.2021 verlängerten Lockdowns zusammen.
„Für die Schulen sollten wir uns zutrauen, ab 8. März die nächsten Schritte zu gehen. Und zwar in den Grundschulen, aber auch in den weiterführenden Schulen“, sagte Eisenmann dem „Mannheimer Morgen“. Eine umfassende Teststrategie mache auch hier schrittweise Öffnungen mit reduzierten Schülerzahlen im Schulgebäude möglich.

Schule in BW: Schnelltests sollen Präsenzunterricht ermöglichen

In den Grundschulen müsse es ebenfalls mit Hilfe von Schnelltests „baldmöglichst“ wieder ausschließlich Präsenzunterricht geben, erklärte die Ministerin. Seit Montag, 22. Februar sind Grundschulen wieder offen, aber im Wechselunterricht, heißt: abwechselnd Präsenzunterricht und Fernunterricht. Eisenmann sagte außerdem: „Wir wollen auch an den weiterführenden Schulen mit Wechselunterricht einsteigen.“ Auch hier würden die Schülerinnen und Schüler und ihre Eltern eine Perspektive haben, so Susanne Eisenmann. Und sie betont: „Nichts ist so gut wie Präsenzunterricht.“

Lockerungen von Corona-Regeln beim Gipfel sollen Optionen für Schulen bieten

Ministerin Susanne Eisenmann verwies auf die nächsten Beratungen von Bund und Ländern am Mittwoch, 3. März 2021. „Wenn da Kontaktbeschränkungen gelockert werden, ergeben sich daraus neue Handlungsoptionen.“ Der Lockdown sei notwendig gewesen. „Dazu stehe ich. Aber klar ist, dass wir jetzt bei den stabilen Werten und den neuen Testmöglichkeiten schrittweise öffnen können. Natürlich mit Auflagen.“
Die CDU-Politikerin Susanne Eisenmann ergänzte: „Man muss aber abgewogen und vorsichtig vorgehen. Es wäre eine blanke Katastrophe, wenn wir jetzt öffnen und in ein paar Wochen wieder schließen müssten. Auch wer auf Sicht fährt, fährt ja.“

Kretschmann bei Corona-Lockerungen vorsichtig - Schul-Öffnungs-Debatte nicht abgesprochen?

Ob die Absichten von Kultusministerin Susanne Eisenmann mit Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (72/Grüne) abgesprochen sind, ist nicht klar. Winfried Kretschmann ist bei Öffnungen angesichts der sich ausbreitenden Mutationen des Coronavirus allgemein vorsichtig. Er setzt aber ebenfalls auf die neue Strategie, bei möglichen Lockerungen der Corona-Regeln im Südwesten verstärkt Corona-Schnelltests zu nutzen. „Wir bekommen neue Optionen, wenn nächste Schritte zur Öffnung von Schnelltests begleitet werden, in manchen Bereichen wird unter Umständen auch ein Freitesten möglich sein.“
Kultusministerin Susanne Eisenmann, die schon seit Wochen auf massenhafte Tests dringt, ließ dazu ausrichten: „Wir sind froh, dass offensichtlich ein Umdenken stattgefunden hat. Besser spät als nie.“
Doch Winfried Kretschmann (Grüne) legt sich nicht immer fest. Jüngst stellte er eine baldige Lockerung der Kontaktbeschränkungen in Aussicht: Selbst für den Fall, dass die Inzidenz nicht unter die Schwelle von 35 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in 7 Tagen sinkt, könnte er sich wieder Treffen zweier Haushalte vorstellen. Wenige Stunden später warnte er in einem Talkformat, man dürfe „nicht zu schnell und nicht zu breit auf einmal öffnen“.

Stoch will „Schutzschirm“ für corona-geplagte Schüler in BW

Ex-Kultusminister und SPD-Spitzenkandidat Andreas Stoch will als Reaktion auf die großen Belastungen in der Corona-Zeit für Schülerinnen und Schüler einen „Schutzschirm“ aufspannen. „Ich habe das Gefühl, dass unsere Kinder bei dieser Krise wieder und wieder vergessen werden“, sagte Stoch der Deutschen Presse-Agentur in Stuttgart. „Die großen Verlierer der Corona-Krise sind, neben den vielen Betrieben und Kulturschaffenden, unsere Kinder. Deshalb braucht es im Sommer einen Schutzschirm für unsere Schülerinnen und Schüler.“
Der SPD-Partei- und -Fraktionschef und Vorgänger von Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) legt nun einen Plan mit sieben Maßnahmen vor, die seine Partei im Fall einer Regierungsbeteiligung nach der Landtagswahl umsetzen will. Das Papier liegt der Deutschen Presse-Agentur vor. Die Kosten des Pakets haben die Genossen allerdings noch nicht berechnet.

Stoch zur Corona-Lage an Schulen in BW: Eltern machen sich Sorgen

Stoch erklärte, Eltern machten sich Sorgen, ob ihre Kinder zu wenig Unterricht hatten und vielleicht den Anschluss verloren haben. Es wisse niemand, wie gut oder wie schlecht das Lernen mit digitalem Fernunterricht, Betreuungsstress und zu wenig sozialen Kontakten im Lockdown funktioniert habe. „Wir wollen den Schülerinnen und Schülern und den Eltern in unserem Bundesland die Zuversicht und den Mut zurückgeben“, heißt es in dem Papier. Als erste gelte es deswegen zu ermitteln, wo die Schüler jeweils stehen und sie danach individuell zu fördern.
Die SPD will Lernstandserhebungen machen, um zu sehen, wo die Defizite und der genaue Förderbedarf liegen. Die Schulleitungen sollen mehr Freiheiten bekommen, wofür sie die vorhandenen Ressourcen an Stunden und Lehrkräften einsetzen. So soll entschieden werden, in welchen Fächern es besonderen Nachholbedarf gibt. Entsprechend sollen die Stunden dorthin umgeschichtet werden können.
Stoch plädiert dafür, dass es in jeder Schule Lehrkräfte geben sollte, die als Coaches arbeiten und bestimmte Schüler betreuen. Sogenannte Poolstunden sollten für individuelle oder gruppenbezogene Fördermaßnahmen wie etwa Lernwerkstätten genutzt werden.

RKI-Studie: Wie ansteckend Schüler und Lehrer sind

Könnte eine Öffnung der Schulen die Infektionszahlen in die Höhe treiben? Das Robert Koch-Institut (RKI) ist der hoch umstrittenen Frage nach dem Beitrag von Schulen zur Pandemie in Deutschland nachgegangen. Eine Analyse von Meldedaten und Studien lege nahe, dass Schülerinnen und Schüler „eher nicht als „Motor“ eine größere Rolle spielen“ – aber dass es auch bei ihnen zu Übertragungen komme und Ausbrüche verhindert werden müssten. Schulausbrüche stehen laut RKI in engem Zusammenhang mit der Inzidenz (Fallzahlen pro 100.000 Einwohner) in der Bevölkerung. Lehrkräfte spielten „eine vielleicht wichtigere Rolle“ als Schüler, heißt es.

Länderchefs fordern vor Gipfel am 03.03.2021 weitere Lockerungen

Allgemein werden unter den Ministerpräsidenten der Länder Rufe nach Lockerungen kurz vor dem Corona-Gipfel lauter: Die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) erwartet, dass Bund und Länder einen „Perspektivplan“ beschließen. Nach Schulen und Kitas sowie Friseuren gehe es nun zuerst um Perspektiven für den Einzelhandel und für die Kultur, sagte Dreyer.
Und Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (54/CSU) stellte - ähnlich wie Winfried Kretschmann - Lockerungen der Corona-Regeln im Zusammenhang mit Schnelltests in Aussicht.