Die Auswirkungen der Corona-Krise zwingen zahlreiche Branchen in die Knie. Kurzarbeit soll Entlassungen und den Verlust von Jobs verhindern. Zurzeit gibt es einen massiven Ansturm auf diese Leistung.

Corona in Deutschland: Zahl der Anzeigen von Kurzarbeit erreicht Höchstniveau

Nach Angaben von Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) und dem Chef der Bundesagentur für Arbeit, Detlef Scheele, ist die Zahl seit Beginn der Ausgangsbeschränkungen auf ein neues Höchstniveau angestiegen. Im März ging demnach bundesweit von 470.000 Betrieben eine Meldung auf Kurzarbeit ein. Zum Vergleich: Im Jahr 2019 zeigten durchschnittlich etwa 1300 Betriebe pro Monat Kurzarbeit an.

Auch in Baden-Württemberg melden tausende Firmen Kurzarbeit

In Baden-Württemberg wollen wegen der drastischen Auswirkungen der Coronavirus-Krise zehntausende Firmen zur Kurzarbeit übergehen. Bei der Arbeitsagentur seien bereits mehr als 70.000 Anträge eingegangen, sagte ihr Leiter Christian Rauch in Stuttgart. Etwa 90 Prozent der Anzeigen kommen aus Firmen mit weniger als 100 Mitarbeitern, jede zweite Firma habe sogar weniger als zehn Beschäftigte.

Wie viele Arbeitnehmer insgesamt in Deutschland von der Kurzarbeit betroffen sein werden, lasse sich derzeit noch nicht genau abschätzen, sagte Detlef Scheele. Man müsse aber davon ausgehen, dass es mehr Kurzarbeiter als während der Finanzkrise geben werde. Damals waren 1,4 Millionen Menschen davon betroffen.

Fragen und Antworten zum Kurzarbeitrechner: So viel Gehalt netto gibt es bei Kurzarbeit

Kurzarbeit wird genutzt, um die Mitarbeiter eines Unternehmens über wirtschaftlich schlechte Zeiten mit einer geringen Auslastung hinweg halten zu können. Die Mitarbeiter arbeiten in dieser Zeit weniger als sonst oder auch gar nicht. Dafür gibt es einen anteiligen Ausgleich.

Arbeitnehmer erhalten 60 Prozent ihres Nettolohnausfalls, wenn sie Kurzarbeit machen müssen, erklärt Johannes Schipp, Fachanwalt für Arbeitsrecht in Gütersloh. Wer also zum Beispiel statt fünf Tage nur noch vier Tage pro Woche arbeiten würde, bekäme 80 Prozent des Lohns weiter von seinem Arbeitgeber. Für die übrigen, nunmehr fehlenden 20 Prozent erhalten Beschäftigte die anteilige Kompensationszahlung von der Arbeitsagentur.

Das gilt bei Kurzarbeit für Auszubildende

Bislang sind die rund 1,3 Millionen Auszubildenden in Deutschland gesetzlich vor Gehaltskürzungen während der Kurzarbeit geschützt. Sie sollen auch ohne Arbeit sechs Wochen lang volle Bezüge erhalten. Der Ausbildungsbetrieb ist verpflichtet, alle Mittel auszuschöpfen, um die Ausbildung auch während der Kurzarbeit weiter zu gewährleisten. Zuletzt gab es Vorschläge der Arbeitgeber, die Ausbildungsvergütungen nach den Regeln des Kurzarbeitergeldes zu kürzen. Die IG Metall lehnt das ab.

Wer von Kurzarbeit bedroht oder betroffen ist, kann seinen Anspruch mit einem Kurzarbeitsrechner im Internet berechnen lassen.

Alle Fragen und Antworten rund um die Kurzarbeit findest Du hier:

Weniger Gehalt, aber weitere Sozialleistungen für Menschen in Not

Trotz der Unterstützung durch die Bundesarbeitsagentur bedeutet Kurzarbeit, dass die Arbeitnehmer weniger Gehalt bekommen. Das bringt viele Familien in finanzielle Nöte. Doch wegen der Kurzarbeit können jetzt mehr Menschen Sozialleistungen beantragen, etwa wenn das Geld für die Miete knapp wird. Neu ist der Notfall-Kinderzuschlag, der bis zu 185 Euro pro Kind im Monat bringt. Infos zum „KIZ“ gibt es unter www.notfall-kiz.de. Weitere Informationen finden Sie hier:

Hinzuverdienst bei Unterstützung in sytemrelevanten Berufen

Vom 1. April bis zum 31. Oktober 2020 tritt eine Sonderregelung in Kraft: Wer während der Kurzarbeit eine Beschäftigung in einem systemrelevanten Bereich aufnimmt, muss sich das dabei verdiente Entgelt nicht auf das Kurzarbeitergeld anrechnen lassen. Dabei darf das Gesamteinkommen aus noch gezahltem Arbeitseinkommen und dem Kurzarbeitergeld sowie dem Hinzuverdienst das normale Nettoeinkommen nicht übersteigen.

Ob eine Branche oder ein Beruf systemrelevant ist, legt die sogenannte Verordnung zur Bestimmung Kritischer Infrastrukturen nach dem BSI- (Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik) Gesetz fest. Beispiele für Tätigkeiten, die den systemrelevanten Branchen und Berufen zuzuordnen sind, sind die medizinische Versorgung, die Versorgung von Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen mit Lebensmitteln, die Versorgung mit unmittelbar lebenserhaltenden Medizinprodukten und Geräten, Apotheken, der Güterverkehr (z. B. für die Verteilung von Lebensmitteln an den Groß- und Einzelhandel), der Lebensmittelhandel (z. B. Verkauf oder Auffüllen von Regalen), die Lebensmittelherstellung (auch Landwirtschaft) sowie Lieferdienste zur Verteilung von Lebensmitteln.