• In Deutschland wirkt sich der Lockdown immer noch nicht ausreichend auf die Inzidenz aus.
Worin könnten verschärfte Maßnahmen für BW bestehen? Ein Blick ins Nachbarland Bayern könnte Aufschluss geben. Markus Söder (CSU), Ministerpräsident im Freistaat, hat in Fragen strengere Corona-Schutzmaßnahmen am Dienstag eine höhere Messlatte angelegt: In Bussen und Bahnen sowie in Geschäften wird das Tragen einer FFP2-Maske zur Pflicht.
Baden-Württembergs Landesregierung unter Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne), bei den Corona-Regeln meist auch eher progressiv eingestellt, könnte jetzt bald nachziehen. Zwar wandte Winfried Kretschmann sich gegen eine Impfpflicht für Pflegepersonal, wie Bayern das fordert. Man habe sich die ganze Zeit gegen eine Impfpflicht in dieser Pandemie ausgesprochen. „Das ändern wir jetzt nicht mittendrin“, sagte Kretschmann. Aber BW-Innenminister Thomas Strobl hat sich laut der dpa für eine verschärfte Maskenpflicht auch im Südwesten ausgesprochen.

Innenminister Thomas Strobl für FFP-2-Maskenpflicht in Baden-Württemberg

FFP2-Masken sind schon eine stark infektionsschützende Maßnahme. Da haben wir Luft nach oben“, sagte der CDU-Politiker in Stuttgart. Er reagierte damit auf den Beschluss in Bayern, wonach das Tragen von FFP2-Masken im öffentlichen Nahverkehr und im Einzelhandel von Montag an Pflicht ist. Aktuell genügt in Baden-Württemberg ein einfacher Mund-Nasen-Schutz - etwa eine wiederverwendbare Stoffmaske oder ein Tuch. Doch das könnte sich ändern.

Was die Landesregierung in Stuttgart zur Corona-Maskenpflicht vorschlägt

Strobl setzt allerdings etwas andere Prioritäten, wo FFP-2-Masken Pflicht werden könnten. Das sind Thomas Strobls Ideen zur Maskenpflicht:
  • „Zunächst sollten in Pflegeheimen und medizinischen Einrichtungen nur noch FFP2-Masken getragen werden“, sagte der Innenminister.
  • Die Pflicht solle auch Besucher und Patienten umfassen. Da reiche eine herkömmliche Mund-Nase-Bedeckung aus Stoff nicht mehr aus.
  • Darüber hinaus gebe es Orte mit einem gesteigerten Infektionsgeschehen, an denen ebenfalls die FFP2-Maske getragen werden müsste. „Zum Beispiel in Flugzeugen würde ich zwingend eine FFP2-Maske vorschreiben. Dort wird der Mindestabstand ja nicht eingehalten.“
  • Im Öffentlichen Nahverkehr sei die bessere Schutzmaske ebenfalls eine gute Idee: „Wenn ich daran denke, wie eng sich die Menschen in manchen S-Bahnen zusammendrängeln müssen, wäre hier auch eine FFP2-Maske hilfreich.“

Gibt es ausreichend FFP-2-Masken für eine verschärfte Maskenpflicht?

Auf die Frage, ob überhaupt genügend FFP2-Masken im Handel zur Verfügung stünden, um viel mehr Menschen als bisher zu versorgen, sagte der Minister: „Das ist inzwischen gewährleistet.“

Was sind überhaupt FFP2-Masken?

FFP-2-Masken sind teurer als die gewöhnlichen Papiermasken. Sie schützten nichtz nur - wie Papiermasken - andere (Fremdschutz), sondern auch den Träger (Eigenschutz) bessser vor einer Übertragung des Coronavirus.
FFP steht für „Filtering Face Pieces“, also „filternde Gesichtsmaske“. Mund-Nase-Masken vom Typ FFP halten auch kleine Teilchen aus der Luft zurück - und verhindern so, dass gesundheitsgefährdende Stoffe etwa in die Lunge gelangen.

Was Virologen zur FFP-2-Maskenpflicht sagen

Wie sinnvoll ist die für Bayern angekündigte FFP2-Maskenpflicht im Nahverkehr und im Einzelhandel ist? Das sagen Experten:
  • „Prinzipiell finde ich die Idee gut“, sagte der Virologe Jonas Schmidt-Chanasit der Deutschen Presse-Agentur. Es müssten aber zwingend Angebote damit verbunden sein: zum einen der kostenlose Zugang zu solchen medizinischen Masken, zum anderen Anleitungen zur richtigen Benutzung. „Ohne solche Angebote sehe ich das kritisch.“
  • Der Virologe Alexander Kekulé sagte: „Natürlich ist eine FFP2-Maske deutlich sicherer als ein Mund-Nasen-Schutz, der oft auch nur sehr locker getragen wird.“ Gerade in öffentlichen Verkehrsmitteln drängten sich viele Menschen auf engem Raum. Mit einer FFP2-Maske sinke das Risiko einer Infektion deutlich.
  • Johannes Knobloch, Leiter des Bereichs Krankenhaushygiene am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, zeigte sich gegenüber der dpa skeptisch: „Ich glaube nicht, dass das einen großen Unterschied macht.“ Es bedürfe bei einer FFP2-Maske großer Expertise, sie komme aus dem Arbeitsschutz und sei nicht für Laien gedacht. „Wenn sie nicht absolut dicht aufgesetzt wird, wirkt sie nicht besser als eine einfache Einwegmaske“, so Knobloch.
  • Der Präsident der Gesellschaft für Aerosolforschung, Christof Asbach, warnt vor falschen Vorstellungen bezüglich der Sicherheit von FFP2-Masken. Diese böten selbst dann keinen hundertprozentigen Schutz, wenn sie perfekt getragen würden, sagte Asbach.