Leutkirch Center Park im Allgäu: Ferienanlage macht schon wieder dicht

Ist wenige Tage nach der Eröffnung schon wieder dicht: die Center Parcs Ferienanlage im Allgäu.
Ist wenige Tage nach der Eröffnung schon wieder dicht: die Center Parcs Ferienanlage im Allgäu. © Foto: Felix Kästle/dpa
Leutkirch / Rudi Schönfeld 05.10.2018
Nur wenige Tage nach der Eröffnung der Ferienanlage im Allgäu hat der Betreiber den Park schon wieder geschlossen. Grund sind offenbar technische Probleme.

Es hatte sich so gut angefühlt am vergangenen Sonntag, als Bürger aus Leutkirch und Altusried – auf deren Gemarkung der Park angesiedelt ist – zur Besichtigung der riesigen Anlage im ehemaligen Munitionsdepot geladen waren: Die Sonne schien, die Gastronomie bewirtete die Gäste und es wurde der symbolische Schlüssel übergeben.

Mehr als 450 000 Übernachtungen seien im Vorfeld der Fertigstellung des Parks schon gebucht worden, teilte das Unternehmen mit. Doch in der Nacht zum Montag, dem Tag, an dem die ersten Gäste anreisen sollten, schüttete es im Allgäu in Strömen. Parkmanager Christoph Muth sieht darin zumindest einen Teil der aufgetretenen Probleme: Der Regen habe den Schmutz auf die Straßen gespült und dann sei der Dreck von den Handwerkern in die Häuser getragen worden. Und schon fühlten sich die Skeptiker vor Ort bestätigt: War es nicht zu früh, den Ferienpark zu öffnen, obwohl er doch zum Teil noch Baustelle ist. Frank Daemen, der Deutschland-Direktor des niederländisch-französischen Ferienunternehmens Center Parcs, äußerte zwar gegenüber einem lokalen Fernsehsender, eine Verschiebung des Eröffnungstermins hätte auch nicht viel an den Anlaufproblemen geändert, doch das war, ehe die ersten Urlaubsgäste an der Rezeption ankamen.

Am Abend häufen sich die Beschwerden

2600 Urlauber waren für die Montags-Ankunft registriert. Sie sollten auf die 602 von insgesamt 1000 fertig gestellten Ferienhäuser verteilt werden. Gegen Abend häuften sich allerdings die Beschwerden; die Schlange an der Rezeption wurde immer länger. Gäste, die mit ihren Kindern teils bis aus Hamburg angereist waren, mussten feststellen, dass ihr Haus unbewohnbar war. Es gab Klagen über Wasserschäden, nicht funktionierende Heizungen, fehlende Kücheneinrichtungen, nicht angeschlossene Fernseher und überhaupt Probleme im Glasfasernetz. Ebenso wurde über verdreckte Fußböden geklagt wie über fehlende Bettwäsche und nicht funktionierende elektronische Schlüssel. In den sozialen Netzwerken wurde über eine Familie aus Wolfsburg berichtet, für die es letztlich keine Unterkunft mehr gab, weil die gebuchte Wohnung unbewohnbar war und sie deswegen nachts den Heimweg antreten musste.

Andererseits muss aber trotz all des entstandenen Chaos auch einiges funktioniert haben: Zum Beispiel das tropische Erlebnisbad Aqua Mundo, das seit Dienstag sogar mit all seinen Außenrutschen funktionieren soll. Und in den Restaurants und den Vergnügungsstätten im Zentralgebäude, dem Market Dome, herrschte nach Berichten von Besuchern Hochbetrieb.

Trotzdem hat das Unternehmen nun die Reißleine gezogen: Spätestens am kommenden Montag, wenn auch jene Urlauber abgereist sind, die eine Woche gebucht haben, wird der Park komplett geschlossen, wie Pressesprecherin Sabine Huber am Donnerstag mitteilte. Die mit der Eröffnung des Parks zutage getretenen Probleme seien nicht vorhersehbar gewesen. Alle gebuchten Häuser seien eigentlich geprüft und abgenommen worden. Man werde nun intensiv daran gehen, die Schwachstellen im Heizungs- und Wassernetz oder in den elektronischen Anlagen einschließlich des Glasfasernetzes zu beheben. Wenn dies gelinge, wolle man bereits am 12. Oktober wieder öffnen. Vorläufig sei dieser Termin jedoch Spekulation, sagte Sabine Huber.

Sonderangebote für enttäuschte Urlauber

Für die Gäste indes soll der Urlaub mit Hindernissen vom Veranstalter mit unterschiedlichen Angeboten „versüßt“ werden: Wer abgereist sei, erhalte Buchungs- und Anreisekosten erstattet, teilte die Sprecherin mit. Außerdem dürften sie einen Urlaub in einem Resort von Center Parcs kostenlos verbringen. Wer bleibe, bekomme 150 Euro auf sein Aufenthaltsbudget gut geschrieben.

Geblieben sind trotz aller Unbilden offenbar die meisten Urlauber. Für das Ferienunternehmen Center Parcs indes dürfte das Chaos am Eröffnungstag ein teures Unterfangen werden. Freilich geht es für den Konzern nicht nur um Entschädigungsleistungen, sondern vor allem um den entstandenen Imageschaden.

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